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Willy Seida (* 29. März 1911 in Holthausen (Plettenberg); † 12. August 1973 in Meinerzhagen) war ein deutscher Funktionär im Nationalsozialismus und Mitglied mehrerer Verbände der SS, der nach dem Zweiten Weltkrieg in seine Heimat nach Meinerzhagen im Sauerland zurückkehrte. Seine Biografie ist ein Beispiel für die Schwierigkeiten der Aufarbeitung der Vergangenheit in der bundesdeutschen Gesellschaft der Nachkriegszeit.

Seydas Rolle als Funktionär im Dritten Reich Bearbeiten

Willy Seyda wuchs im Märkischen Sauerland auf, wo er später auch starb. Seine Karriere als NS-Funktionär begann 1933 mit dem Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnummer: "1 265 698") und die SS (Mitgliedsnummer: "37 133"). Im Mai 1933 wurde Seyda Unterscharführer der 1. Leibstandarte SS Adolf Hitler, die die Funktion des Personenschutzes der NS-Eliten erfüllte. Am 13. September 1936 wurde Seyda zum SS-Unterscharführer und am fünften Jahrestag der Machtübernahme durch Adolf Hitler zum SS-Oberscharführer befördert. Im Rahmen der Verschmelzung der SS-Einheiten Leibstandarte, der Totenkopfverbände und der Verfügungstruppe zur Waffen-SS wurde Seyda im September 1939 zum Zeitpunkt des Überfalls auf Polen zum SS-Obersturmführer der 15. Leibstandarte SS Adolf Hitler befördert. Im März 1942 stieg er zum SS-Hauptsturmführer und Chef des 2./3. SS-Kradschützen-Batallions bei der SS-Division "Reich" (mot.) auf und war in dieser Funktion am Überfall auf die Sowjetunion beteiligt. Nach der Verlegung der SS-Division "Reich" (mot.) nach Frankreich, wo diese ebenfalls für schwere Kriegsverbrechen verantwortlich war, wurde Seyda 1943 zum SS-Hauptsturmführer der 13. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Handschar“ (kroatische Nr. 1) ernannt und am 21. Juni 1943 zum SS-Sturmbannführer befördert. Die 13. Waffen-Gebirgs-Division scharte kroatische und bosnische Freiwillige unter der Führung deutscher SS-Offiziere wie Seyda zusammen und war ab Februar 1944 für ihre besonders exzessiven Grausamkeiten und zahlreiche Kriegsverbrechen gegen die kommunistische Befreiungsbewegung der Partisanen unter Tito berüchtigt. Noch bevor die 13. Waffen-Gebirgs-Division der SS aufgrund der Erfolge der Partisanen im September 1944 zerfiel, blieb Seyda in Kroatien und übernahm den Posten des Kommandeurs der SS in der Aufklärungs-Abteilung 8 bei der 8. SS-Kavallerie-Division "Florian Geyer". Diese hatte nach dem Überfall auf die Sowjetunion und unter der Führung von Hermann Fegelein unter dem Deckmantel der "Banditenbekämpfung" systematisch die Ermordung der jüdischen Zivilbevölkerung, sowjetischer Kriegsgefangener und kommunistischer Funktionäre im "polnischen Hinterland" durchgeführt. Jetzt war die 8. SS-Kavallerie-Division "Florian Geyer" im Raum Osijek in Kroatien stationiert und beteiligte sich im März 1944 an der Besetzung Ungarns, die am 12. Februar 1945 mit dem Fall von Budapest endete. Es ist unklar, ob Seyda sich bis zu diesem Zeitpunkt in Ungarn aufhielt. Fest steht, dass Seyda spätestens seit dem 1. Januar 1945 als Verbindungsführer der Waffen-SS zum Generalstab des Heeres/Originalabteilung unter Heinz Guderian fungierte, denn in dieser Funktion führten Adolf Hitler und das Oberkommando des Heeres seinen Namen mit Telefonnummer.[1] In dieser Funktion stand Seyda in engstem Kontakt mit Reichsführer-SS Heinrich Himmler, der ihn am 3. Februar 1945 zusammen mit SA-Obergruppenführer Max Jüttner, der den Volkssturm organisierte, und SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS Hermann Fegelein über die Situation in der Festung Schneidemühl informierte, die als zentraler Militärstützpunkt am Pommernwall wenige Tage später von der auf die Reichshauptstadt Berlin vorrückenden Roten Armee eingenommen wurde.[2]

Leben in der Nachkriegszeit Bearbeiten

Die Umstände von Seydas Rückkehr nach Meinerzhagen sind unklar. Es ist anzunehmen, dass er an der Ostfront in sowjetische Kriegsgefangenschaft geriet. Von einer juristischen Strafverfolgung und Verurteilung für seine Rolle in der SS, die für ihre Funktion im Vernichtungskrieg im "Osten" und beim Holocaust während der Nürnberger Prozessen 1945 als "verbrecherische Organisation" eingestuft und verboten wurde, ist heute ebenso wenig bekannt wie über den etwaigen Nachweis von Seydas Beteiligung an den SS-Kriegsverbrechen. Fest steht, dass Seyda wohl spätestens in den 1950er Jahren nach Meinerzhagen zurückkehrte, wo er nicht nur unbehelligt weiterleben konnte, sondern am 29. März 1961 als Mitglied der FDP, in der nach 1945 viele ehemalige NSDAP-Mitglieder eine Heimat gefunden hatten, denen die CDU des Ahlener Programms zu "links" war, Bürgermeister der Stadt Meinerzhagen. Dieses Amt übte er bis zum 7. März 1966 aus. Im Jahre 1962 wurde er zudem. Schützenkönig beim Meinerzhagener Schützenfest.[3]

Posthume Vergangenheitsaufarbeitung Bearbeiten

Als Seyda 1973 in Meinerzhagen starb, wurde er von Wilhelm Langemann in den "Meinerzhagener Heimatblättern" als verdienstvoller Mann geehrt.[4] Dies führte zu Empörung in Teilen der Bevölkerung, insbesondere weil Langemann selbst als NSDAP-Bürgermeister von 1933 bis 1945 in den Nationalsozialismus verstrickt war.

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Forum Axis-History steht auf der Blacklist, bitte bessere Quelle finden
  2. http://forum.panzer-archiv.de/viewtopic.php?p=154181
  3. http://www.blaukittel.de/Schutzenfest/Konig___Prinzenpaar/konig___prinzenpaar.html
  4. [Vgl. Langemann, Wilhelm (1973): Willi Seyda. In: Meinhardus - Meinerzhagener Heimatblätter 3/1973]


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