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Wilhelm „Willi“ (auch „Willy“) Kuhweide (* 6. Januar 1943 in Berlin) ist ein ehemaliger deutscher Regattasegler, Olympiasieger, vierfacher Weltmeister und dreifacher Europameister. In einer Bestenliste, die Punkte für Medaillen in den wichtigsten Wettbewerben vergibt, wurde Kuhweide bis 1987 als bester Finnjollensegler gewertet, anschließend teilte er sich den Titel mit Lasse Hjortnæs (Stand 2004);[1] erst kürzlich wurde Ben Ainslie mit insgesamt fünf Weltmeisterschaftstiteln (2002–2005 und 2008; Stand 2008) erfolgreichster Finnsegler. Kuhweide ersegelte später weitere Erfolge im Starboot und Soling.

Kuhweide war zunächst Mitglied des Berliner Vereins Seglerhaus am Wannsee, später des Hamburger Norddeutschen Regatta Verein (NRV).

Das Darling getaufte hölzerne Finn, mit dem Kuhweide seine wichtigsten Erfolge feierte, wird heute im Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven gezeigt.

Biographie Bearbeiten

Star 001

Starboot - Klasse, (GER 1122)

Soling 001

Soling - Klasse, (GER 315)

Mit 15 Jahren ersegelte Kuhweide seinen ersten Sieg bei der Kieler Woche, im Jugendboot Pirat. Nachdem seinem Heimatverein Seglerhaus am Wannsee ein Finn gespendet worden war, wurde Kuhweide trotz seines jungen Alters ausgewählt, auf der olympischen Jolle zu segeln. Bereits als Sechzehnjähriger siegte er darauf 1959 in der Kieler Woche und wurde Vierter bei der Europameisterschaft. Ein Jahr später holte er sich im Finn den europäischen Vizetitel, 1961 in Warnemünde (DDR) schließlich den Europameistertitel. 1963 gewann Kuhweide die Weltmeisterschaft.[2]

Nachdem er die Europameisterschaft 1964 gewann,[3] wurde Kuhweide für die Olympischen Spielen 1964 in Enoshima (bei Tokio) buchstäblich erst in letzter Stunde für die gesamtdeutsche Mannschaft nominiert: Sein Ostberliner Konkurrent Bernd Dehmel gewann zunächst das Ausscheidungsrennen in der Finn-Jolle, das Rennen wurde jedoch später vom IOC annulliert. Stattdessen wurden für die Qualifikation nun die Europameisterschaft und ein Stechen in Tokio, zu dem Dehmel nicht antrat, gewertet. Erst eine halbe Stunde vor dem Start erfuhr Kuhweide, dass er am olympischen Rennen in Enoshima teilnahm.[4] Dort gewann der Westberliner daraufhin trotz Mittelohrentzündung die Goldmedaille.[5] Zwei Jahre später holte er sich 1966 im Finn erneut den Weltmeistertitel, den er 1967 verteidigen konnte. Bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko ersegelte er hingegen nur den 15. Platz.

Vier Jahre später in Kiel 1972 erreichte Kuhweide, nun im Starboot zusammen mit Karsten Meyer, den dritten Platz.[6] Im gleichen Jahr holte er, mit Meyer im Starboot in Puerto Azul, seinen vierten Weltmeistertitel. Er nahm noch zwei weitere Male an Olympischen Sommerspielen teil, wobei er 1976 in Montreal den 6. Platz und 1984 in Los Angeles den 8. Platz erstritt. Bei seiner fünften Olympiateilnahme 1984 war er zudem Fahnenträger der deutschen Mannschaft.

Kuhweide wurde insgesamt viermal Weltmeister im Segeln (1963, 1966, 1967 und 1972; 1980 Soling-Vizemeister). Dreimal holte er sich den Europäischen Titel (1961 und 1962 im Finn, 1974 im Soling mit Axel May; 1960 und 1967 Finn-Zweiter und 1980 Soling-Zweiter; 1965 und 1971 Finn-Dritter, 1959 und 1970 Finn-Vierter), zehnmal gewann er auf der Kieler Woche (letzte Teilnahme 1983). 1967 und 1971 wurde er Deutscher Meister in der Finnjolle (1967 Vizemeister). 1973, 1974, 1976, 1977 und 1981 wurde Kuhweide mit Axel May Deutscher Soling-Meister, 1985 wurde er deutscher Starboot-Meister. 1974 holten sich Kuhweide und May den Titel des britischen Soling-Vizemeisters, 1975 und 1979 wurde Kuhweide mit einem anderen Vorschoter im Soling deutscher Vizemeister.[7]

2004/2005 war er Kommodore des Deutscher Challenger Yacht Club, das die erste deutsche Bewerbung um den America’s Cup organisierte. Das United Internet Team Germany beendete die Auswahlregatta für den Cup, den Louis Vuitton Cup, allerdings als Vorletzter.

Kuhweide arbeitete hauptberuflich als Pilot und später als Ausbilder für Piloten für die Lufthansa. Als Pilotenprüfer zog er nach Phoenix im US-Bundesstaat Arizona: 1989 übernahm er dort die Leitung der Verkehrsfliegerschule der Lufthansa, später wurde dort nach seinen Plänen ein Flughafen gebaut. Inzwischen lebt Kuhweide im nahen Ort Carefree im Ruhestand; einen weiteren Wohnsitz hat er im Schweizer Küssnacht am Vierwaldstätter See.[8]

Kuhweide ist in dritter Ehe verheiratet und hat aus erster Ehe zwei Töchter. Zu seinen Hobbys zählt Kuhweide Musik (Klavier, Akkordeon) und vor allem Golfspielen (Handikap nach eigenen Angaben 14).[8]

Literatur Bearbeiten

  • Jack Knights: Mehr Spaß beim Segeln. (= Schneider-Taschenbücher, Band 147; Die grüne Freizeit-Reihe) Deutsche Bearbeitung Willi Kuhweide und Karl Morgenstern. München, Wien: F. Schneider Verlag 1979. ISBN 3-505-07147-1

Weblinks Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. (Juli 2004). Is Mateusz the best Finn sailor of all times? Finnfare. S. 5 (pdf-Datei; engl.; abgerufen 7. August 2008)
  2. (2004). Willi Kuhweide: Die deutsche Segellegende besucht Kieler Woche auf www.boot.de (abgerufen 7. August 2008)
    Peter Mohilla & Robert Deaves (undatiert). 28. History of the Senior European Championship (Seite 1 von 7) auf www.classefinn.it (engl.; abgerufen 7. August 2008)
  3. Peter Mohilla & Robert Deaves (undatiert). 28. History of the Senior European Championship (Seite 2 von 7) auf www.classefinn.it (engl.; abgerufen 7. August 2008)
  4. (6. Januar 2008). Segel-Legende Willy Kuhweide wird 65 Yahoo Sport Deutschland (abgerufen 7. August 2008)
    (2004). Willi Kuhweide: Die deutsche Segellegende besucht Kieler Woche auf www.boot.de (abgerufen 7. August 2008)
  5. Willi Kuhweide kommt! in Yacht online (abgerufen 7. August 2008)
  6. Willi Kuhweide auf www.databaseolympics.com (abgerufen 7. August 2008)
    Olympic Games Medallists – Sailing auf www.gbrathletics.com (abgerufen 7. August 2008)
  7. Meisterliste auf www.nrv.de (abgerufen 7. August 2008)
  8. 8,0 8,1 sid (6. Januar 2008). Olympiasieger Kuhweide feiert 65. Geburtstag Online Focus (abgerufen 7. August 2008)
    (29. April 2005). Willy Kuhweide: Olympiasieger und Flugkapitän. Hamburger Abendblatt (abgerufen 7. August 2008)


Kopie vom 16.02.2011, Quelle: Wikipedia, Artikel, Autoren in der Wikipedia
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