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Bundesarchiv B 145 Bild-F062233-0020, Bonn, Landesvertretung Nordrhein-Westfalen

Willi Daume (rechts), 1982

Willi Daume (* 24. Mai 1913 in Hückeswagen, Kreis Lennep, Rheinprovinz; † 20. Mai 1996 in München) war ein deutscher Unternehmer und Sportfunktionär. Daume war deutscher Nationalspieler in den Sportarten Basketball und Feldhandball. Im Basketball war er Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele in Berlin 1936.

Kindheit und Jugend Bearbeiten

Einer seiner Taufpaten war Ferdinand Goetz, der Vorsitzende der Deutschen Turnerschaft und Gegner einer deutschen Olympiateilnahme 1896. Die Besuche der Olympischen Spiele 1928 in Amsterdam mit dem Vater und 1932 in Los Angeles auf eigene Initiative bildeten entscheidende Anstöße für sein lebenslanges Engagement für die olympische Idee und Bewegung.

Beruf Bearbeiten

Willi Daume verbrachte den größten Teil seines Lebens in Dortmund, wo er im Dortmunder Hafen, Stadtteil Lindenhorst, eine Eisengießerei besaß. Im Jahr 1938 beendete er, nach dem Tod seines Vaters, ohne Abschluss das Studium und übernahm die Leitung dieser Gießerei.

1993 musste er für sein Unternehmen Vergleichsantrag stellen. In bescheidenenen Verhältnissen lebte er die letzten Jahre im Olympischen Dorf von München, wo er eine kleine Wohnung hatte.

Zeit des Nationalsozialismus Bearbeiten

Daume betrieb bei Eintracht Dortmund vor allem Leichtathletik (Hochsprungbestleistung 1,82 m) und Handball. Der sprungkräftige Daume wurde 1935 mit anderen Studentenhandballern vor allem aus Breslau zum Basketball umgeschult und vertrat Deutschland bei den VI. Akademischen Weltspielen in Budapest. Er gehörte zur Kernmannschaft von 14 Spielern für das erste olympische Basketballturnier 1936 in Berlin, kam aber nicht zum aktiven Einsatz, bestritt also kein offizielles Länderspiel. Nach dem Oympiaturnier veröffentlichte er eine scharfe Kritik an der unzureichenden Vorbereitung und dem fehlenden Mannschaftsgeist der deutschen Olympia-Auswahl ("Das Lehrgeld ist bezahlt!"). Ob ihm durch die Berufung in den Basketballkader die Goldmedaille mit der Feldhandballmannschaft entging, bleibt eine ungelöste Frage.

Am 1. Mai 1937 trat er mit der Mitgliedsnummer 6.098.980 in die NSDAP ein.

Während des Krieges setzte seine Eisengießerei 65 Zwangsarbeiter ein. Im Krieg war er in seinem Heimatverein TSC Eintracht Dortmund als Jugend- und Handballwart tätig, ab 1944 zudem Gaufachwart für Handball. Von 1943 an war er Informant für den Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (SD) und fertigte Berichte für diesen an. Laut eigener Aussage tat er dies nur, um damit einem Fronteinsatz zu entgehen. Wie er selbst später angab, sollen diese Berichte jedoch so "blödsinnig" gewesen sein, dass der SD das Interesse an seiner Mitarbeit verloren habe.[1] Außer Daumes eigenen Aussagen liegen bisher keine weiteren Fakten über seine Arbeit als Informant des SD vor, so Daume-Biograph Jan C. Rode

Verbandswesen Bearbeiten

Nach Kriegsende engagierte er sich zunächst auf regionaler Ebene für den Wiederaufbau der Sportorganisationen und wurde 1949 Präsident des Deutschen Handball-Bundes. Seine Laufbahn als „Multifunktionär“ begann 1950 mit der überraschenden Wahl zum Präsidenten des Deutschen Sportbundes, dem er bis 1970 vorstand.

1956 wurde er in das Internationale Olympische Komitee berufen, war von 1972 bis 1976 dessen Vizepräsident und von 1978 bis 1991 der Vorsitzende der IOC-Zulassungskommission. Er leitete verschiedene IOC-Kommissionen und war entscheidend an der Änderung des Amateur-Paragraphen beteiligt. Für seine Verdienste wurde er vom IOC 1992 (Verleihung 1993) mit dem Olympischen Orden in Gold ausgezeichnet. Wesentliche Impulse gab er der Olympischen Bewegung durch die von ihm nach der Trennung der gesamtdeutschen Olympiamannschaft nach München geholten Olympischen Sommerspiele 1972. Er präsidierte das Organisationskomitee der Münchner Spiele, die er durch Gestaltung und Verbindung mit Architektur, Kunst, Kultur und Wissenschaft über die sportliche Präsentation hinaus hob. Beim Olympischen Kongress 1981 in Baden-Baden, dessen Rahmen er mitbestimmte, trug er zum Wandel der Olympischen Bewegung auch durch die Anwesenheit von Sportlern bei. Das führte zur Bildung einer Athletenkomission im IOC.

Daneben war er von 1961 bis 1992 auch Präsident des deutschen Nationalen Olympischen Komitees. 1980 appellierte Daume vehement, wenn auch vergeblich, gegen einen westdeutschen Olympiaboykott der Moskauer Spiele: „Der olympische Boykott war eines der berühmtesten, aber widersinnigsten, überflüssigsten und politisch wie sportlich schädlichsten Ereignisse“.

Willi Daume war zudem Ideengeber für die 1967 gegründete Stiftung Deutsche Sporthilfe und zwischen 1988 und 1991 deren Vorsitzender. Von 1979 bis 1988 war er Präsident der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG). Daume war Mitglied im Akademischen Turnbund.

Gedenken Bearbeiten

Der Sitz des Deutschen Handballbundes an der Dortmunder Strobelallee, das Willi-Daume-Haus, ist nach ihm benannt. In seiner Geburtsstadt Hückeswagen wurde das Freizeitbad nach ihm in Willi-Daume-Bad getauft. Am 4. Mai 2007 konstituierte sich in Frankfurt am Main die „Deutsche Olympische Akademie Willi Daume“. Im Olympiapark München gibt es einen Willi-Daume-Platz. 2006 wurde Daume in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen. Im Jahre 2010 benannte die Bezirksvertretung Dortmund-Brackel eine Willi-Daume-Straße in der Nähe des BVB-Trainingszentrums in einem Neubaugebiet in Brackels Norden.[2]

Auszeichnungen Bearbeiten

Sonstiges Bearbeiten

1971 war er als NOK-Präsident in Kurt Wilhelms TV-Komödie Olympia-Olympia neben Beppo Brehm, Joachim Fuchsberger und Helga Anders zu sehen.

Literatur Bearbeiten

  • Willi Daume - olympische Dimensionen. Ein Symposion, hrsgg. v. Bundesinstitut für Sportwissenschaft und Deutsche Olympisches Institut, 2004 (ISBN 3-89001-236-1)
  • Jan C. Rode, Willi Daume und die Entwicklung des Sports in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1945 und 1970, 2010 (ISBN 978-3-89533-712-3), zugl. Diss. Universität Hannover

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. spiegel.de am 9. Januar 2010 unter Berufung auf die Dissertation von Jan C. Rode
  2. Stadtanzeiger Dortmund - Ostanzeiger, Nr. 19, 19.01.2011

Weblinks Bearbeiten


Kopie vom 16.02.2011, Quelle: Wikipedia, Artikel, Autoren in der Wikipedia
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