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Wildwasser, Arbeitsgemeinschaft gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen e.V. (kurz: Wildwasser e.V.) ist ein eingetragener als gemeinnützig anerkannter Verein von Frauen, der sich 1983 aus einer Selbsthilfegruppe gründete. Bundesweit arbeiten verschiedene Vereine unabhängig und eigenverantwortlich unter dem Namen Wildwasser. Viele dieser Vereine sind Mitglied in der BAG Forsa- Bundesarbeitsgemeinschaft feministischer Organisationen gegen sexuelle Gewalt e.V. Das hier vorgestellte Konzept repräsentiert die Arbeit von Wildwasser e.V. in Berlin. Der Verein ist anerkannter Träger unterschiedlicher Hilfsangebote (s.u.) für Mädchen und Frauen, die als Mädchen oder Jugendliche sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren, Angehörige und unterstützende Personen.

Leitbild des Vereins Bearbeiten

Wildwasser e.V. Berlin arbeitet auf der Grundlage eines feministischen, parteilichen und interkulturellen Konzepts.

Sexualisierte Gewalt Bearbeiten

Bei sexualisierter Gewalt handelt es sich um einen Machtmissbrauch. Sexualität wird dabei als Mittel zum Zweck benutzt. „Sexuelle Ausbeutung von Kindern durch Erwachsene (oder ältere Jugendliche) ist eine sexuelle Handlung eines Erwachsenen mit einem Kind, das aufgrund seiner emotionalen und intellektuellen Entwicklung und aufgrund eines ungleichen Machtverhältnisses zwischen Erwachsenen und Kindern nicht in der Lage ist, frei zuzustimmen. Dabei nutzt der Erwachsene seine Autorität und die rechtliche, physische und psychische Abhängigkeit eines Kindes sowie möglicherweise dessen Neugier, Zuneigung und Vertrauen aus, um das Kind zur Kooperation zu überreden oder zu zwingen. Zentral dabei ist die Verpflichtung zur Geheimhaltung, die das Kind zur Sprachlosigkeit und Hilflosigkeit verurteilt.“ (Sgori, 1989 und Voss/Hallstein, 1993 zitiert in: http://www.wildwasser-berlin.de/tl_files/wildwasser/Dokumente/wiwa_selbstdarst_2008.pdf. S. 14, Zugriff 12.12.09)

Feministische Grundhaltung Bearbeiten

„Der Verein arbeitet auf der Grundlage eines feministischen Konzepts. Unter Feminismus versteht Wildwasser eine politische Haltung, die sich gegen strukturelle Gewalt und jede Form von Diskriminierung wendet.“ (ebd., S. 10) Trotz vieler Veränderungen, die die feministischen Bewegung(en) in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts erwirkten, kann in unserer Gesellschaft nicht von Gendergerechtigkeit die Rede sein. Diese Machtungleichheiten wirken sich zum Beispiel ökonomisch aus, indem Frauen trotz gesetzlicher Gleichstellung weniger Geld zur Verfügung haben als Männer. Im Privaten zeigt sich die strukturelle Benachteiligung darin, dass Frauen und Mädchen diskriminiert werden, wenn sie die gesellschaftlichen Rollenerwartungen nicht erfüllen oder erfüllen wollen. Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist noch immer an der Tagesordnung. Feministische Arbeit will Machtdifferenzen aufdecken und verändern. Damit ist sexualisierte Gewalt kein individuelles Schicksal, sondern in der Tradition einer gesellschaftlichen Haltung zu verstehen, die es erlaubt Personen mit weniger Macht, auszubeuten und zu benutzen. Wirksam gegen Gewalt zu arbeiten bedeutet also Machtdifferenzen anzuzweifeln und zu verändern. Wildwasser tritt dafür ein, indem sich der Verein für die Überwindung der Benachteilung von Mädchen und Frauen, für sexuelle Selbstbestimmung und gegen Gewalt in der Gesellschaft einsetzt. Wildwasser bietet Schutzräume, in denen Hilfsangebote zur Verfügung stehen, die es ermöglichen, dass betroffene Mädchen und Frauen sich nicht als Opfer eines individuellen Schicksalsschlags sehen, sondern als handelnde Subjekte, die fähig sind, gesellschaftliche Strukturen zu erkennen und zu verändern (vgl. ebd. S. 12f).

Parteilichkeit Bearbeiten

„Das Unterstützungsangebot ist parteilich, da es die Selbstbestimmung von Mädchen und Frauen in den Mittelpunkt rückt und sich gegen die gesellschaftliche Toleranz von Gewalt stellt. Die Gewalterfahrungen von Mädchen und Frauen werden nicht individualisiert, sondern im Kontext struktureller Gewalt verstanden.“ (ebd. S.13). Das Konzept der Parteilichkeit entstammt der kritischen Sozialwissenschaft. Gefragt wird dabei nach dem individuellen Standort der Forschenden und bezieht deren gesellschaftliche Involviertheit in die Analysen mit ein. Der Standpunkt der Beraterin muss vor dem Hintergrund ihrer Klassen- und Geschlechts- und ethnischen Zugehörigkeit, ihrer ethischen Haltung, ihres Alters und der persönlichen Geschichte reflektiert werden (vgl. ebd. S.13f) .In Bezug auf eigene Betroffenheit von sexualisierter Gewalt bedeutet dies, ``die eigenen Erfahrungen mit sexueller Gewalt zu reflektieren und angeeignete Einstellungen zu Tat, Opfer und Täter zu überprüfen, zu kontrollieren und gegebenenfalls zu ändern, (…)`` (Anita Heiliger: ``Sexueller Misbrauch an Kindern: 30 Jahre Öffentlichkeit, Aufklärung, Maßmahmen.`` In: Wildwasser Arbeitsgemeinschaft gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen e.V.: ``Sexuelle Gewalt aktuelle Beiträge aus Theorie und Praxis.`` Berlin 2007, S. 13). Sexualisierter Gewalt kann nicht bloß auf psychologischer und sozialpädagogischer Ebene begegnet werden, ebenso wenig ist eine Fokussierung auf politische Analysen und Aktionen sinnvoll (vgl. B. Kavemann, „Zwischen Politik und Proffessionalität: Das Konzept der Parteilichkeit", S. 181). In der Beratungsarbeit werden Perspektiven gesucht, die es ermöglichen eigenverantwortlich in schwierigen Strukturen zu handeln. Es versteht sich dabei von selbst, dass die Klient_innen Ziel und Tempo (mit)bestimmen. Mädchen und Frauen werden als die Expertinnen ihrer Lebenssituation verstanden und ernst genommen. Ihnen wird individuell begegnet und nicht vor dem Hintergrund von Diagnosen, Einordnungen und Stigmatisierungen. Zentral ist, dass trotz des Wissens um die benachteiligenden gesellschaftlichen Verhältnisse, Frauen und Mädchen nicht als „Opfer der Machtstrukturen“ gesehen werden, sondern als Handelnde.

Interkulturelle Kompetenz Bearbeiten

Um Menschen aus verschiedenen Kulturen anzusprechen und ihren kulturellen Kontext zu berücksichtigen, werden gezielt Mitarbeiterinnen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen eingestellt und die interkulturelle Kompetenz aller Mitarbeiterinnen gefördert. Sexualisierte Gewalt kommt in allen sozialen Schichten und Kulturen vor. Die Folgen für die Betroffenen sind sehr ähnlich. Dennoch entstehen durch strukturelle und soziale Diskriminierung (z.B. durch einen ungleichen Rechtsstatus, erzwungene politische Unmündigkeit oder durch soziale Abwertung und Ausgrenzung) zusätzliche Schwierigkeiten für Betroffene mit nichtdeutscher Herkunft. So bekommt die Familie einen höheren Stellenwert, da sie vor den ausgrenzenden und abwertenden gesellschaftlichen Bedingungen schützt. Findet innerfamiliäre Gewalt statt, ist es für die Betroffenen besonders schwer, sich nach außen zu wenden. Der kulturelle und religiöse Hintergrund und die damit eventuell verbundenen Scham- und Schuldgefühle müssen berücksichtigt werden, um kultursensible Beratung zu ermöglichen. In der Arbeit von Wildwasser e.V. wird jeder Betroffenen individuell begegnet (vgl. http://www.wildwasser-berlin.de/tl_files/wildwasser/Dokumente/wiwa_selbstdarst_2008.pdf., S. 17f, Zugriff 12.12.2009).

Angebote Bearbeiten

  • Mädchenberatungsstellen in Wedding und Mitte,
  • Mädchennotdienst: Krisenwohnung für Berlin und Anlaufstelle,
  • Interkulturelle Wohngruppe DonyA für Mädchen,
  • Ambulante Hilfen zur Erziehung,
  • Betreutes Wohnen für Mädchen
  • Frauenselbsthilfe mit Frauenberatung, Frauennachtcafe und Frauenladen

Weblinks Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

  • http://www.wildwasser-berlin.de/tl_files/wildwasser/Dokumente/wiwa_selbstdarst_2008.pdf, Zugriff 12.12.09
  • Anita Heiliger: ``Sexueller Misbrauch an Kindern: 30 Jahre Öffentlichkeit, Aufklärung, Maßmahmen.`` In: Wildwasser Arbeitsgemeinschaft gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen e.V.: ``Sexuelle Gewalt aktuelle Beiträge aus Theorie und Praxis.`` Berlin 2007, S. 10 - 30
  • Barabara Kavemann: ``Zwischen Politik und Professionalität - Das Konzept der Parteilichkeit.`` in: Carol Hagemann - White/ Barbara Kavemann/ Dagmar Ohl: ``Parteilichkeit und Solidarität. Praxiserfahrungen und Streitfragen zu Gewalt im Geschlechterverhältnis.`` Bielefeld, 1997
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