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Weiss Ferdl

Weiß-Ferdl-Brunnen auf dem Münchner Viktualienmarkt

Weiß Ferdl (* 28. Juni 1883 in Altötting; † 19. Juni 1949 in München; eigentlich Ferdinand Weisheitinger) war ein deutscher Humorist. Er zählt zu den bekanntesten bayerischen Volkssängern und Volksschauspielern. Berühmt bleibt er mit seinem Gesangsvortrag Ein Wagen von der Linie 8, eine Hymne auf die Münchner Trambahn.

Leben Bearbeiten

Als Kind einer alleinstehenden Kellnerin wurde er vorwiegend von seiner Großmutter erzogen. In Salzburg war er eine Zeit lang Domsingknabe. In Altötting absolvierte er eine Ausbildung zum Schriftsetzer. Nach der Lehre zog es ihn nach München, wo er im Bannkreis von Volkssängern seine Neigung zur Bühne entdeckte.

Das Münchner Platzl, ein Szenelokal für volkstümliche Unterhaltung, gewährte ihm 1907 sein erstes Engagement. Bereits sieben Jahre später wurde er dessen Direktor. Aufgrund seiner immer größeren Erfolge beim Publikum blieb Weiß Ferdl dem Platzl bis zum Ende seiner Bühnentätigkeit treu.

Grabstaette Weiss Ferdl Solln Waldfriedhof

Grabstätte des Weiß Ferdl auf dem Waldfriedhof Solln

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde der Gesangshumorist als Unteroffizier der Reserve eingezogen. Sein Regiment rückte an die Westfront in die Nähe von Arras. Zur Aufheiterung der Soldaten im ebenso strapaziösen wie stupiden Grabenkrieg betätigte sich Weiß Ferdl bald darauf als Alleinunterhalter. Die Ablenkung vom Kriegsalltag wurde im Hinterland unter anderem in Fronttheatern gesucht. Im März 1916 war Weiß Ferdl Chef der zwölfköpfigen Singspieltruppe der 1. baierischen Reservedivision und erwies sich in der Truppenbetreuung als Talent. Von ihm vor Ort verfasste Texte versuchten dem mörderischen Alltag in heiteren Szenen und Heimatträumen entspannende Augenblicke abzugewinnen. Die nach Kriegsende heimkehrenden Soldaten schwärmten vom Platzl im Felde, wie Weiß Ferdls Truppe prägnant vom Publikum getauft worden war.

Der Künstler nahm seine Vorstellungen im Platzl in München wieder auf und wurde 1921 Direktor der Gast- und Vergnügungsstätte. Die Schauspielerei prädestinierte Weiß Ferdl aber auch für Filmauftritte. Nach zwei Stummfilmstreifen (1928 und 1929) kam sein Talent der spitzen Zunge im Tonfilm bestens zur Geltung. In den 1930er Jahren spielte er in rund 20 (Heimat-)Filmen mit. Hierdurch wurde er im ganzen damaligen Reich bekannt und zu einem vermögenden Mann.

Weiß Ferdl war früh Sympathisant der Nationalsozialisten, pflegte Umgang mit ihren Parteigrößen in München, trat aber erst 1940 der NSDAP bei. Während des Krieges gerierte er sich auch „kritisch”, z.B. wenn er 1943 im Reichsfunk den „Vorschlag” macht, die kriegführenden Parteien könnten ja ihre eigenen Städte bombardieren - das spare Kraftstoff. Im Entnazifizierungsverfahren am 27. Oktober 1946 wurde er später von einer Spruchkammer als Mitläufer zu einem Sühnebetrag von 2.000 Reichsmark verurteilt.

Wegen eines Herzleidens musste der Komiker 1943 seine Bühnentätigkeit aufgeben. Weiß Ferdl verstarb 1949 und wurde auf dem Münchner Waldfriedhof Solln bestattet (Grabstätte Nr. 3-W-3).

Auf dem Münchner Viktualienmarkt erinnert seit 1953 ein Brunnendenkmal an den Volksschauspieler.

Wirken Bearbeiten

Weiß Ferdl verfügte über die Gabe der spitzen Zunge und war in der Denk- und Gefühlswelt der kleinen Leute bestens bewandert. Ihre Wünsche, Sehnsüchte und Träume setzte er in deftig-kritische Verse um. Viele seiner Sketche und Lieder wurden über Bayern hinaus bekannt, waren doch die Preiß’n eine beliebte Zielscheibe seines Vortrags. Er verfasste mehrere Bühnenstücke und schrieb auch Bücher. Neben seinen Filmprojekten bewältigte er zeitweilig bis zu neun Vorstellungen pro Woche auf der Theaterbühne des Platzl.

Als bekanntestes Stück auf Humorschallplatten findet sich Ein Wagen von der Linie 8. Zahlreiche weitere Tondokumente und Mitschnitte von Auftritten sind auch heute noch von ihm zu hören.

Filme Bearbeiten

  • 1928: Hinter Klostermauern (Stummfilm)
  • 1929: Links der Isar – rechts der Spree (Stummfilm)
  • 1930: Der unsterbliche Lump
  • 1931: Das Lied der Nationen
  • 1931: Die Mutter der Kompagnie
  • 1932: Wenn dem Esel zu wohl ist
  • 1932: Der Schützenkönig
  • 1933: Meisterdetektiv
  • 1934: Die beiden Seehunde
  • 1934: Der Meisterboxer
  • 1935: Konjunkturritter
  • 1935: Alles weg’n dem Hund
  • 1936: Der müde Theodor
  • 1936: Befehl ist Befehl
  • 1937: Gordian, der Tyrann
  • 1937: Der Lachdoktor
  • 1939: Der arme Millionär
  • 1940: Wunschkonzert (Auftritt)

Schriften Bearbeiten

  • Ich bin kein Intellektueller. Ein heiteres Buch. Hugendubel, München 1941.
  • Bayerische Schmankerl. Hrsg. von Bertl Weiss. dtv, München 1982, ISBN 3-4230-1752-X.

Literatur Bearbeiten

  • Sabine Sünwoldt (Bearb.): Weiß Ferdl. Eine weiß-blaue Karriere. Hugendubel, München 1983, ISBN 3-8803-4219-9.

Weblinks Bearbeiten


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