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Der Schützenausmarsch Hannover ist der alljährliche Umzug der Schützenvereine in der Stadt Hannover. Er stellt den Höhepunkt des hannoverschen Schützenfestes dar. Der Schützenausmarsch findet traditionell nach Festbeginn, meist am ersten Sonntag im Juli, statt. Am rund 10 Kilometer langen Zug nehmen insgesamt 10.000 Teilnehmer, davon etwa 4500 Schützen aus verschiedenen Vereinen sowie Musik- und weitere Gruppen teil. Er startet am Neuen Rathaus und bewegt sich über drei bis vier Kilometer durch die Innenstadt zum Endpunkt auf dem Schützenplatz. Nach Angaben der Veranstalter besuchen 150.000 bis 300.000 Zuschauer den Zug.

Schützenausmarsch 2009 Schützen

Schützenausmarsch Hannover, 2009

Geschichte Bearbeiten

Im Jahr 2017 findet das 488. Schützenfest statt. Der Schützenausmarsch fand jedoch nicht von Anfang an statt, sondern entwickelte sich erst nach dem Erlass einer neuen Schützenordnung im Jahr 1837, als den Schützen erstmals das Auftreten in einheitlichen Uniformen gestattet war.

Allgemeines Bearbeiten

Grundsätzlich dienen Schützenumzüge dazu, die jeweiligen Schützenkönige zu würdigen. In Hannover wird der Schützenausmarsch als Bestandteil des Schützenfestes begriffen. Er findet jedes Jahr an dem Sonntag statt, der in den Zeitraum vom 30. Juni bis zum 6. Juli fällt. Er wird vom Verein Hannoversches Schützenfest e.V. ausgetragen, dessen Träger zu gleichen Teilen die Stadt und der Verband Hannoverscher Schützenvereine e.V. sind. Die Planung, Organisation und Durchführung des Schützenfestes im Allgemeinen ging ab dem Jahr 2017 auf das „Eventmanagement“ der Stadt Hannover über.

Startpunkt des Schützenausmarsches ist der Trammplatz vor dem Neuen Rathaus. Um 10 Uhr setzen sich die Schützen- und Musikgruppen auf das Kommando „Im Doubliertritt, Marsch“ in Bewegung. Das Wort „Doubliertritt“ wurde aus der hannoverschen Militärgeschichte übernommen.[1] Bei der Einbiegung in die Osterstraße werden nach dem Reißverschlussprinzip weitere Teilnehmergruppen und Wagen eingereiht. Auf der drei bis vier Kilometer langen Wegstrecke bewegt sich der Zug ein Mal durch die Innenstadt bis zum Schützenplatz, auf dem die Festzelte und Jahrmarktgeschäfte des Schützenfests aufgebaut sind. Da der Zug wesentlich länger ist als die Wegstrecke, haben viele Teilnehmer bereits das Ziel erreicht, während andere noch nicht aufgebrochen sind.

Die Zuschauer umsäumen den Umzug am Streckenrand. Auf dem Opernplatz, am Ballhof und in der Bruchmeisterallee sind kostenpflichtige Zuschauertribünen aufgebaut. Vom NDR wird der Schützenausmarsch live im Fernsehen ausgestrahlt und ins Internet gestellt. Bis in die 1990er Jahre brachten die Nachrichtensendungen heute (ZDF) und Tagesschau (ARD) noch stets kurze Berichte.[2]

Teilnehmende Gruppen Bearbeiten

Schützenausmarsch 2009 Spitze

Das Maskottchen Ballerkalle im Schützenausmarsch, 2009

Den überwiegenden Teil des Schützenausmarsches bilden die Schützen, die vereinsweise in Blöcken marschieren. Oft bilden mehrere Vereine einen gemeinsamen Block, zum Beispiel gemeinsam angereiste oder eingeladene Gastvereine. Ein Block von Schützen wird bei Schützenumzügen durch einen Musikzug begleitet. Schützenverein und Musikzug finden in der Regel schon im Vorfeld zueinander. Vorherrschende Stilart ist der für Norddeutschland typische Spielmannszug, aber auch allgemeine Blaskapellen, Fanfarenkorps und moderne Marching Bands sind zahlreich vertreten. Spezielle Schalmeien-, Dudelsack-, Jagdhorn- oder Sambagruppen nehmen ebenfalls teil.

Das Gesamtbild wird zunehmend auch durch Cheerleader und karnevalistische Funkenmariechen beeinflusst. Stammteilnehmer sind des Weiteren die Schreberjugend und hannoversche Kleingärtner mit überdimensionaler Bannerparade. Unter den sonstigen Fußgruppen befinden sich Trachtengruppen, südniedersächsische Bergmannsvereine, Volkstanzkreise, Jägerschaften und Fahnenschwinger. Vorgeführt im Umzug werden auch historische Militäruniformen (z.B. vom Historischen Freischießen Wennigsen), historische höfische Mode (z.B. vom Hannöverschen Traditions-Corps) und mittelalterliche Kleidung. Zudem gehen der Expo 2000-Gedenkverein samt Maskottchen Twipsy und eine Dragqueen mit.

Dutzende Wagen lockern die Abfolge auf. Unter den Kutschen ist die von vier Kaltblutpferden gezogene Prunkkutsche der Gilde-Brauerei hervorzuheben, die symbolisch das Bier zum Fest bringt, gefolgt von einer Straßenbahn der hannoverschen Verkehrsbetriebe Üstra aus dem 19. Jahrhundert.

Die Kraftfahrzeuge sind meist historischen Datums. Darunter sind nostalgische Nutzfahrzeuge, die zum Teil aus hannoverscher Herstellung stammen, wie die der Hanomag oder dem Volkswagenwerk Hannover. Mit derartigen Oldtimern präsentieren sich unter anderem die Brauerei Herrenhäuser, die Biermarke Lindener Spezial und die Gaststätte Brauhaus Ernst August. Hinzu kommen historische Löschfahrzeuge der Feuerwehr.

Ferner nehmen zahlreiche Traktoren am Schützenausmarsch teil, die die Wagen verschiedener Institutionen ziehen. Auch beteiligen sich Berufsverbände, Hilfsorganisationen, ortsansässige Unternehmen, lokale Einrichtungen, Sportvereine sowie die Evangelische Kirche. Von den Wagen aus werden Süßigkeiten und andere Kleinteile unter die Zuschauer geworfen.

Eine Besonderheit des Schützenausmarsches ist die Niedersachsenmeute als eine Gruppe von Jagdhunden und Pferden aus der Lüneburger Heide. Dabei führen für das Jagdreiten ausgebildete Reiter rund 20 Jagdhunde geschlossen über die Marschstrecke.

Herkunft der Teilnehmergruppen Bearbeiten

Am Schützenausmarsch beteiligen sich Schützenvereine und Musikzüge aus dem gesamten Bundesland Niedersachsen. Die Schützengilde Clenze (Wendland) bringt stets einen Pokal mit, der im Jahr 1851 von dem hannoverschen König Ernst August gestiftet worden ist. Eine Beteiligung auswärtiger Vereine stellt für diese eine Ehre dar.[3][4] Die Teilnahme am Schützenausmarsch gilt ihnen als Würdigung eigener Vereinsjubiläen.[5]

Am Schützenausmarsch beteiligen sich auch Schützen aus Hannover und Umgebung, von denen etwa 5000 im Verband Hannoverscher Schützenvereine organisiert sind. Zu den renommierten Schützenvereinen zählen zum Beispiel die Uniformierte Schützengesellschaft 1837, der Verein für Freihandschießen 1862, der Hannoversche Jagdklub 1878, die Schützengesellschaft der Cellerstraßen-Distrikte 1897 und die Schützengesellschaft Lauenrode 09.

Zugaufstellung Bearbeiten

Stephan Weil Ausmarsch

Der damalige Oberbürgermeister Stephan Weil beim Schützenausmarsch mit der Amtskette des Oberbürgermeisters von Hannover, 2009

Der Schützenausmarsch ist in vier Züge sowie einen Vorzug untergliedert, was auf historischen Prinzipien basiert. Zum Vorzug gehört hinter einer Kette von berittener Polizei die Reiterstaffel Gilde-Reiterei. Dahinter gehen ein oder zwei Darsteller im Kostüm des Schützenfest-Maskottchens Ballerkalle, dem das Heeresmusikkorps Hannover folgt. Im Anschluss werden die Standarten des Verbandes Hannoverscher Schützenvereine und des Niedersächsischen Sportschützenverbandes getragen. Es folgen die Ehrengäste aus Schützenwesen und Politik, wie der hannoversche Oberbürgermeister. Sie gehen teils zu Fuß oder werden in einer doppelstöckigen Kutsche gefahren. Zum Vorzug gehört auch das Collegium ehemaliger Bruchmeister, von dem Holzpapageien als Zielscheiben mitgeführt werden. In den vier Hauptzügen wechseln sich die Elemente des Schützenausmarsches ab. Je ein Zug wird von einem der vier aktuellen Bruchmeister angeführt, wobei der 1. Zug eine weiße Standarte zugeteilt bekommt, der 2. Zug eine rote, der 3. Zug eine gelbe und der 4.  Zug eine grüne Standarte. Diese vier Farben sind offenbar den Flaggen der Stadt Hannover entnommen (alt: Rot-Gelb-Grün; seit 1897: Rot-Weiß).

Erscheinungsbild des Schützenausmarsches Bearbeiten

Anders als beispielsweise beim Neusser Schützenumzug marschieren in Hannover männliche und weibliche Schützen. Sie tragen Jacken in grünen oder grauen Farbtönen zu schwarzen Hosen/Röcken. Der Damen-Schießclub Linden ist abweichend für curryfarbene Jacken bekannt.

An den Jacken haben viele Schützen Orden und Plaketten hängen, manche auch Schärpen. Federn, Gamsbärte oder Eichenlaub zieren die Hüte. Es werden Standarten der Schützenvereine sowie der Spielmannszüge und deren Lyra-Glockenspiele gezeigt. Häufig verwendete Symbole sind Kleeblätter (aus dem Wappen von Hannover), das Sachsenross und Zielscheiben.

Die Schützen bekommen während des Umzugs oft Blumensträuße von Angehörigen überreicht. In Hannover wird im Gegensatz zu Neuss nicht im Gleichschritt marschiert. Waffenattrappen werden kaum mitgeführt.

Akustisch wird die Veranstaltung von der gespielten Musik bestimmt, insbesondere vom Klang der Spielmannszüge, der sich aus Querpfeifen, Marschtrommeln und Lyra-Glockenspielen ergibt. Das Liedgut reicht von (preußischen) Märschen über Schlager bis zu aktuellen Hits. Oft werden die Heimatlieder Ihr lustigen Hannoveraner, Auf der Lüneburger Heide und das Niedersachsenlied gespielt.

Weblinks Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. http://www.svb.hostingkunde.de/events/schuetzenausmarsch-hannover.htm
  2. https://www.youtube.com/watch?v=EIQw3qrfT7s „heute“-Nachrichten im ZDF am 1. Juli 1990; ab 22:38
  3. http://www.spielmannszug-wittmund.de/cms/component/option,com_frontpage/Itemid,1/limit,6/limitstart,12/
  4. http://www.musikzug-moehnsen.de/schuetzenausmarsch.html
  5. http://www.nwzonline.de/ammerland/kultur/schuetzenausmarsch-in-hannover-im-visier_a_1,0,540060773.html


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