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Robert Enke
Robert Enke 3
Robert Enke 2008 vor einem Spiel
Personalia
Geburtstag 24. August 1977
Geburtsort JenaDDR
Sterbedatum 10. November 2009
Sterbeort Neustadt am RübenbergeDeutschland
Größe 186 cm
Position Tor

Robert Enke (* 24. August 1977 in Jena; † 10. November 2009 in Neustadt am Rübenberge) war ein deutscher Fußballtorwart.

Leben Bearbeiten

Robert Enke entstammte einer sportbegeisterten Familie. Sein Vater Dirk, ein promovierter Psychotherapeut, war ein erfolgreicher 400-Meter-Hürdenläufer, seine Mutter Handballspielerin. Enke legte auf dem Jenaer Sportgymnasium sein Abitur ab. Er plante ein Studium, entschied sich dann aber für eine Karriere im Profifußball.[1] Robert Enke war verheiratet. Seine leibliche Tochter starb 2006 im Alter von zwei Jahren an einem angeborenen Herzfehler. Im Mai 2009 adoptierte das Ehepaar ein zwei Monate altes Mädchen.

Enke und seine Frau engagierten sich für den Tierschutz und lebten mit zahlreichen Haustieren auf einem Bauernhof.[1] Für die Organisation PETA stellte sich Robert Enke für ein Plakat zur Verfügung, das sich gegen Verarbeitung und Verwendung von Pelzen richtete. Insbesondere protestierte er gegen die Nutzung von Katzen- und Hundefellen aus China. Eine weitere Kampagne hatte das Motto „Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke“.

Karriere Bearbeiten

Vereine Bearbeiten

Robert Enke spielte als Jugendlicher – nicht nur als Torwart, sondern zeitweise auch als Feldspieler – zunächst bei Jenapharm Jena, ab 1985 für den FC Carl Zeiss Jena. 1995 stand er im Profikader des Zweitligisten und kam unter Trainer Eberhard Vogel als Ersatztorhüter zu drei Einsätzen. In seinem ersten Spiel als Profi stand er im November 1995 gegen seinen späteren Klub Hannover 96 zwischen den Pfosten. Im Jahr darauf, zur Saison 1996/97, wechselte Enke zum Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Dort saß er zunächst zwei Jahre auf der Ersatzbank, bis er in der Saison 1998/99 unter Friedel Rausch Stammtorhüter wurde. Diese Position behielt er unter dessen Nachfolger Rainer Bonhof bei. Enke brachte konstant gute Leistungen, konnte aber letztlich Mönchengladbachs Abstieg in die Zweite Bundesliga nicht verhindern.

Im Sommer 1999 wechselte Enke nach Portugal zu Benfica Lissabon. Unter dem deutschen Trainer Jupp Heynckes wurde er Leistungsträger und Mannschaftskapitän. Der Lissabonner Traditionsclub erreichte allerdings in den folgenden drei Spielzeiten nur mittelmäßige Ergebnisse. Enke wechselte daher 2002 nach Spanien in die Primera División zum FC Barcelona unter Trainer Louis van Gaal. Hier erlitt seine Karriere jedoch einen Knick. Enke wurde nur in einem Pokalspiel, in zwei Champions-League-Spielen und lediglich einmal in einem Ligaspiel eingesetzt.

Ein Ausleihgeschäft im Sommer 2003 mit dem türkischen Verein Fenerbahçe Istanbul unter dem Trainer Christoph Daum geriet zu einem Desaster. Enkes erstes Spiel ging verloren, worauf ihn die eigenen Fans mit Gegenständen bewarfen. Daraufhin löste Enke seinen Vertrag und wurde vorübergehend vereinslos. Obwohl er formal noch immer bei Barcelona unter Vertrag stand, ließ er sich im Januar 2004 in die spanische Zweite Liga ausleihen. Beim CD Teneriffa konnte er sportlich wieder überzeugen.

Im Sommer 2004 wechselte Enke zu Hannover 96 und kehrte damit in die Bundesliga zurück. Von Beginn an war er ein Leistungsträger der Mannschaft. Mehrfach wurde er in Umfragen des Fachmagazins Kicker von den Bundesligaspielern zum besten Torwart gewählt. Ab 2007 war Enke Kapitän der Mannschaft von Hannover 96. Erstmals in seiner Karriere verlängerte er einen Profivertrag, als er sich bis 2010 an Hannover band.

Nationalmannschaft Bearbeiten

Von 1997 bis 1999 absolvierte Robert Enke 15 Spiele für die deutsche U-21-Nationalmannschaft. 1999 wurde er von Trainer Erich Ribbeck erstmals in die A-Nationalmannschaft berufen und reiste mit zum Konföderationen-Pokal 1999 in Mexiko. Dort wurde er jedoch nicht eingesetzt. Nach seinem Wechsel ins Ausland im selben Jahr geriet er aus dem Blickfeld der Nationalmannschaft. Erst 2006, als er bei Hannover 96 bereits seit zwei Jahren wieder in der Bundesliga spielte, wurde Enke vor der WM 2006 von Jürgen Klinsmann in den erweiterten Kader der Nationalmannschaft berufen. Am Turnier nahm er jedoch nicht teil.

Nach der WM wurde Enke zunächst wieder in den Kader der Nationalmannschaft berufen und fuhr als Ersatztorwart zu Länderspielen. Im März 2007 gab er sein Länderspieldebüt unter dem Bundestrainer Joachim Löw in einem Freundschaftsspiel gegen Dänemark (0:1).[2] In der Hierarchie der Nationalmannschaft stand Enke im folgenden Jahr hinter Jens Lehmann und gleichauf mit Timo Hildebrand. An der EM 2008 nahm er als offizielle Nummer zwei im deutschen Tor teil, hinter Lehmann und vor René Adler.

Nach der EM und dem Rücktritt Jens Lehmanns wurde Robert Enke einer der Anwärter für dessen Nachfolge als Stammtorhüter. Enke wurde allerdings nicht ausdrücklich als neue Nummer eins im Tor der Nationalmannschaft benannt, so dass er sich der Konkurrenz von René Adler, Tim Wiese und Manuel Neuer stellen musste. Sein erstes Pflichtspiel bestritt er am 6. September 2008 in der WM-Qualifikation gegen Liechtenstein. Das Qualifikationsspiel gegen die russische Fußballnationalmannschaft im Oktober 2008 musste er jedoch wegen einer Handverletzung absagen[3]; erst Ende März 2009 kehrte er für das Rückspiel gegen Liechtenstein – nunmehr nach einer Verletzung René Adlers – zur Nationalmannschaft zurück.[4] Insgesamt hütete er in sechs von elf Spielen der Nationalmannschaft in der Saison 2008/09 das Tor. Sein letztes Länderspiel war das WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan am 12. August 2009, das in Baku 2:0 gewonnen wurde.[5]

Die Rückspiele gegen Aserbaidschan (9. September 2009) sowie gegen Russland und Finnland (10. und 14. Oktober 2009) konnte Enke nicht bestreiten. Sein Ausfall wurde mit einer bakteriellen Infektion begründet[6][7]; im Nachhinein gab Enkes Vater jedoch bekannt, dass der tatsächliche Grund Enkes Depressionen gewesen seien.[8] Auch für die Mitte November 2009 geplanten Freundschaftsspiele gegen Chile und die Elfenbeinküste wurde Enke, der kurz zuvor sein Comeback in der Bundesliga gegeben hatte, nicht nominiert.[9]

Im Rahmen der Nationalmannschaft engagierte sich Robert Enke auch als DFB-Integrationsbotschafter.

Tod Bearbeiten

Am 10. November 2009 nahm sich Enke an einem Bahnübergang im niedersächsischen Eilvese, unweit seines Wohnorts Empede, durch Schienensuizid das Leben.[10] Noch zwei Tage zuvor hatte er am 12. Bundesliga-Spieltag beim 2:2 vor heimischer Kulisse gegen den Hamburger SV für Hannover 96 das Tor gehütet. In einer Pressekonferenz wurde bekanntgegeben, dass er seit 2003 mehrfach wegen Depressionen in psychiatrischer Behandlung war.[11] In seinem Abschiedsbrief bat er Angehörige und Ärzte um Entschuldigung.[12]

Enke Traueraktion erster Todestag

Gedenken an der AWD-Arena 2010 am 1. Todestag

Sein Suizid löste europaweit eine tiefe Bestürzung aus. Noch am Abend seines Todes wurde ihm in einer Schweigeminute bei einem Pokalspiel seines ehemaligen Vereines FC Barcelona gedacht. In der Marktkirche zu Hannover fand am 11. November eine Trauerandacht statt, anschließend nahmen rund 35.000 Menschen an einem Trauermarsch in Richtung AWD-Arena teil. Das für den 14. November geplante Freundschaftsspiel der Nationalmannschaft gegen Chile wurde vom DFB abgesagt. Am 15. November fand eine Gedenkfeier in der AWD-Arena in Hannover statt. Martin Kind, Präsident des Vereins Hannover 96, Christian Wulff, zu damaliger Zeit Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußballbundes, Stephan Weil, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover, sowie der katholische Pfarrer Heinrich Plochg richteten Worte an die rund 40.000 Trauergäste. Der Sarg Enkes war im Mittelkreis des Stadions aufgebahrt. Die Trauerfeier wurde in Deutschland auf fünf Fernsehprogrammen live übertragen; die anschließende Beerdigung fand im engsten Familienkreis statt.[13][14] Beim Länderspiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen die Elfenbeinküste am 18. November 2009 wurde vor dem Spiel in einer Gedenkminute an ihn gedacht. Dabei wurde ein Film eingespielt, der Szenen aus dem Leben Enkes zeigte, außerdem legte Mannschaftskapitän Michael Ballack symbolisch ein Robert-Enke-Trikot mit der Nummer 1 auf einen leeren Platz der Auswechselbank. Die Spieler der Elfenbeinküste liefen im Gedenken mit T-Shirts auf, auf denen ein Foto von Enke sowie sein Geburts- und Sterbedatum standen. Am darauffolgenden Bundesligaspieltag wurde seiner in allen Stadien in einer Schweigeminute gedacht.

Kurze Zeit nach Enkes Tod gab am 20. November 2009 mit Andreas Biermann erstmals ein Fußball-Profi bekannt, dass er sich wegen Depressionen in stationärer Behandlung befindet. Er teilte in einer Pressekonferenz mit, dass er am 20. Oktober einen Selbstmordversuch unternommen hatte. Der Tod des Nationaltorwarts Robert Enke habe ihn zum Schritt an die Öffentlichkeit bewogen.

Am 10. November 2010, dem ersten Todestag, trafen sich am Kröpcke in Hannover etwa 1.800 Menschen nach einem Aufruf im sozialen Netzwerk Facebook. Sie hielten zur Todesstunde von Robert Enke um 18.24 Uhr eine Schweigeminute und marschierten anschließend zur AWD-Arena. Vor der AWD-Arena war ein Gedenkzelt aufgestellt in dem die Sachen die die Fans letztes Jahr vorm Stadion abgelegt hatten ausgestellt wurden. Auch konnten sich die Fans in sogenannte "Bücher der Gedanken" eintragen.[15]

Ehrungen Bearbeiten

Robert-Enke-Strasse

Lage der Robert-Enke-Straße

Enke Robert Straßenschild Hannover

Straßenschild in Hannover, im Hintergrund die AWD-Arena

Im Jahr 2006 wurde Robert Enke zu Niedersachsens Sportler des Jahres[16] und 2007 zu Niedersachsens Fußballer des Jahres gewählt.

Vierzehn Monate nach Enkes Tod benannte die Stadt Hannover ein Teilstück des Arthur-Menge-Ufers in Robert-Enke-Straße um. Am 17. Januar 2011 enthüllte Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil das neue Straßenschild. Sowohl die AWD-Arena als auch die Geschäftsstelle von Hannover 96 sind zukünftig an der zwischen der Beuermannstraße und der Brücke am Courtyard by Marriott-Hotel verlaufenden Robert-Enke-Straße zu finden.[17]

ErfolgeBearbeiten

Nationalmannschaft Bearbeiten

Robert-Enke-Stiftung Bearbeiten

Der Deutsche Fußball-Bund, Hannover 96 und die Deutsche Fußball Liga haben eine nach Enke benannte Stiftung gegründet und mit einem Kapital von 150.000 Euro ausgestattet. Zweck der Stiftung ist die Förderung von Maßnahmen und Einrichtungen, die der Aufklärung über die Krankheit Depression bzw. Kinder-Herzkrankheiten und/oder der Erforschung oder Behandlung dieser Krankheiten dienen.[18] Robert Enkes Witwe, Teresa Enke, hat den Vorstandsvorsitz der Stiftung übernommen.[19]

Literatur Bearbeiten

Weblinks Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. 1,0 1,1 vgl. Robert Enke. In: Internationales Sportarchiv 20/2008 vom 13. Mai 2008 (re), ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 38/2009 (aufgerufen am 10. November 2009 via Munzinger Online)
  2. Statistik zum Spiel gegen Dänemark. Deutscher Fußball-Bund e.V. (DFB), abgerufen am 12. November 2009.
  3. Enke erleidet Handbruch. Spiegel Online, 9. Oktober 2008, abgerufen am 12. November 2009.
  4. Enke spielt gegen Liechtenstein. sueddeutsche.de, 26. März 2009, abgerufen am 14. November 2009.
  5. Statistik: Alle Spiele. Deutscher Fußball-Bund e.V. (DFB). Abgerufen im 2009-11-13.
  6. Torhüter Enke fällt gegen Aserbaidschan aus. Spiegel Online, 7. September 2009, abgerufen am 14. November 2009.
  7. Bakterien-Infektion: Enke fällt aus. Spiegel Online, 18. September 2009, abgerufen am 12. November 2009.
  8. Er hielt sich nicht mehr aus. Der Spiegel 47/2009, 16. November 2009, S. 158, abgerufen am 8. Februar 2010.
  9. Enke nicht nominiert – Trainer Bergmann „nicht einverstanden“. RP Online, 6. November 2009, abgerufen am 14. November 2009.
  10. POL-H: Mann auf Bahnübergang tödlich verletzt Neustadt-Eilvese. news aktuell GmbH. 2009-11-10. Abgerufen im 2009-11-13.
  11. Ein Leben ohne Ausweg. Stuttgarter Zeitung, 12. November 2009, abgerufen am 14. November 2009.
  12. Tod von Robert Enke. Spiegel Online, 11. November 2009, abgerufen am 11. November 2009.
  13. Trauerfeier im Hannoveraner Stadion – Emotionaler Abschied von Robert Enke. www.sportschau.de, 15. November 2009, abgerufen am 11. April 2010.
  14. knerger.de: Das Grab von Robert Enke
  15. Gedenken an Enke zieht Tausende zum Stadion in Hannover in HAZ vom 10. November 2010
  16. Ball des Sports Niedersachsen. www.balldessports.de, 26. Oktober 2009, abgerufen am 11. November 2009.
  17. Robert-Enke-Straße eingeweiht
  18. Robert Enke Stiftung -Stiftung - Stiftungszweck. Abgerufen am 12. Juli 2010.
  19. Robert Enke Stiftung - Gremien - Vorstand. Abgerufen am 10. Mai 2010.


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