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Otto Rehhagel
Otto Rehhagel 01
Otto Rehhagel
Personalia
Geburtstag 9. August 1938
Geburtsort EssenDeutschland
Position Abwehr / Mittelfeld

2 Stand: 17. Juni 2008

Otto Rehhagel (* 9. August 1938 in Essen) ist ein deutscher Fußballtrainer und ehemaliger Fußballspieler. Mit 820 Spielen als Trainer hält er den Bundesliga-Rekord der meisten Einsätze.

Rehhagel gewann als Trainer u.a. die Deutsche Meisterschaft mit Werder Bremen (1988 und 1993) und dem 1. FC Kaiserslautern (1998). Bei der Europameisterschaft 2004 führte er den Außenseiter Griechenland zum Sieg.

Karriere als Spieler Bearbeiten

1948 trat Rehhagel als Zehnjähriger in den TuS Helene Altenessen ein. Nach Abschluss der Volksschule absolvierte er eine Lehre als Maler und Anstreicher.[1]

Von 1960 bis 1963 spielte er bei Rot-Weiss Essen in der Oberliga West bzw. der 2. Liga West, danach bis 1965 in der 1963 neu gegründeten Bundesliga bei Hertha BSC. Anschließend spielte er von 1966 bis 1972 für den 1. FC Kaiserslautern, wo er auch seine Karriere als Fußballer beendete. Insgesamt absolvierte er in seiner aktiven Zeit 201 Bundesliga-Spiele, in denen er 23 Tore erzielte.

Karriere als Trainer Bearbeiten

Seit dem Sommer 1972 arbeitet Rehhagel als Trainer.

1972- 1980: Saarbrücken, Offenbach, Bielefeld und Fortuna Düsseldorf Bearbeiten

Bis Januar 1973 trainierte er den 1. FC Saarbrücken, anschließend, vom 2. April 1974 bis zum 9. Dezember 1975, Kickers Offenbach, danach vom 29. Februar bis Juni 1976 Werder Bremen, dann Borussia Dortmund. Tiefpunkt war hier die 0:12-Niederlage am letzten Spieltag der Saison 1977/1978 gegen Borussia Mönchengladbach – bis heute das höchste Ergebnis der Bundesligageschichte. Von Oktober 1978 bis Oktober 1979 trainierte Rehhagel das Team von Arminia Bielefeld, danach, ab Oktober 1979, Fortuna Düsseldorf bis Dezember 1980. Mit der Fortuna holte Rehhagel seinen ersten Titelgewinn, den DFB-Pokal 1980.

1981- 1995: Erfolge mit Werder Bremen Bearbeiten

Am 2. April 1981 übernahm Rehhagel zum zweiten Mal das Team von Werder Bremen, diesmal für mehr als 14 Jahre (bis zum Ende der Saison 1994/95). Hier feierte er seine größten Erfolge als Vereinstrainer. 1992 holte das Bremer Team unter Rehhagel den Europapokal der Pokalsieger, 1988 und 1993 die deutsche Meisterschaft sowie 1991 und 1994 den DFB-Pokal.

1995- 1996: FC Bayern München Bearbeiten

Im Juli 1995 wurde Rehhagel vom FC Bayern München verpflichtet. 1996 führte er sein Team im UEFA-Cup bis in das Finale, was gewonnen wurde und zum UEFA-Pokalsieg des FC Bayern München führte. Rehhagel wurde aber unmittelbar vor dem Endspiel von den Münchnern entlassen und durch Franz Beckenbauer ersetzt. Grund dafür war, dass Rehhagel von Anfang an mit dem Vorstand nicht harmonierte und auch von den Münchner Medien sehr skeptisch aufgenommen wurde.[2]

1996- 2000: 1. FC Kaiserslautern Bearbeiten

Am 20. Juli 1996 trat er das Amt als Trainer des in die zweite Liga abgestiegenen 1. FC Kaiserslautern an. Eine Rolle spielte bei der Verpflichtung, dass Rehhagel eine langjährige Freundschaft mit dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden „Atze“ Friedrich verband.[3] Das Ziel „direkter Wiederaufstieg“ wurde letztendlich souverän erreicht.

In der Saison 1997/98 wurde Rehhagel überraschend Deutscher Meister mit dem 1. FC Kaiserslautern. Es war das erste und bisher einzige Mal in der Geschichte der Bundesliga, dass ein Aufsteiger den Titel gewann. Bereits am ersten Spieltag besiegte man im Münchner Olympiastadion den ehemaligen Arbeitgeber Rehhagels, den FC Bayern München, mit 1:0. Wie in der vorigen Zweitligasaison verlor man in der ganzen Spielzeit nur vier Spiele.

1999 und 2000 qualifizierten sich die „Roten Teufel“ jeweils mit einem fünften Tabellenplatz für den UEFA-Pokal. 1999 wurde die Teilnahme an der Champions League durch eine 1:5-Niederlage am letzten Spieltag gegen Eintracht Frankfurt verpasst, 2000 sorgte unter anderem die mäßige Heimbilanz (sechs Niederlagen) für einen bitteren Beigeschmack.

2000/01 startete der FCK schwach in die Saison. Zwischen einem Teil der Fans und dem Trainer hatten sich bereits tiefe Gräben aufgetan.[4] Schließlich trat Rehhagel am 1. Oktober 2000 zurück.[4]

Statistik als Trainer Bearbeiten

Insgesamt hat Otto Rehhagel 820 Mal als Bundesliga-Trainer auf der Bank gesessen. Er hält damit den Ligarekord mit einem Vorsprung von 255 Spielen vor Erich Ribbeck. Er ist der Trainer sowohl mit den meisten Siegen (387), den meisten Unentschieden (205) als auch mit den meisten Niederlagen (228), den meisten Toren (1473) und den meisten Gegentoren (1142) der Bundesligageschichte. Zählt man seine Einsätze als Spieler mit, so war er als bisher einziger Aktiver über 1000 Mal in der Bundesliga dabei. Er war Trainer des Verlierers bei der höchsten Bundesliga-Niederlage (Borussia Dortmund, 0:12 gegen Borussia Mönchengladbach am 29. April 1978), was ihm den Spitznamen Otto Torhagel in Dortmund sicherte, war aber später auch Trainer der Mannschaft mit den wenigsten Gegentoren (Werder Bremen, 1987/88, 22 Gegentore in 34 Spielen (Der Rekord hielt bis 2008), Rehhagel prägte für sein System den Namen „kontrollierte Offensive“ und war Trainer der Torschützenkönige Rudi Völler (1982/83) und Mario Basler (1994/95).

Rehakles 2008

Rehhagel gibt bei einem Spiel der griechischen Nationalmannschaft letzte Anweisungen vor der Einwechslung

2001- 2010: Nationalmannschaft Griechenlands Bearbeiten

Vom 9. August 2001 bis zum 24. Juni 2010 war er Trainer der griechischen Nationalmannschaft. Sein Debüt als griechischer Nationaltrainer am 5. September 2001 beim WM-Qualifikationsspiel in Finnland missglückte jedoch mit einem 1:5 gegen die Nordeuropäer.

Europameister 2004 Bearbeiten

Bei der Fußball-Europameisterschaft 2004 sorgte Otto Rehhagel bereits im Eröffnungsspiel mit einem 2:1-Erfolg gegen die portugiesische Nationalmannschaft für eine Sensation und erreichte auf Grund der besseren Tordifferenz zu Spanien das Viertelfinale. Im weiteren Verlauf des Turniers bezwang die griechische Nationalmannschaft durch konsequente Manndeckung und ihr sehr gut bewertetes Defensivverhalten die hoch gehandelten Favoriten aus Frankreich und Tschechien. Sie stand damit im Endspiel gegen die Gastgeber aus Portugal und entkräftete damit Kritiken wegen ihrer veralteten Spielweise.

Am 4. Juli 2004, auf den Tag genau fünfzig Jahre nach dem Wunder von Bern, wurde der inzwischen als Ehrenbürger von Athen ausgezeichnete Trainer als Außenseiter Europameister, indem er durch einen erneuten Sieg gegen die portugiesische Nationalmannschaft für eine der größten Überraschungen in der europäischen Fußballgeschichte sorgte. Otto Rehhagel war damit der erste ausländische Trainer, der mit einer Nationalmannschaft Europameister wurde.

Auf Grund dieses Triumphes wurde Rehhagel von der Boulevardpresse „Rehakles“ (Ableitung von Herakles) genannt. In Deutschland ist er auch als „König Otto“ bekannt – dies aber bereits seit der Zeit, als er noch Trainer des SV Werder Bremen war.

Das Angebot des DFB, Bundestrainer der deutschen Fußballnationalmannschaft zu werden, lehnte Otto Rehhagel 2004 ab. Zuvor hatte die Elliniki Podosferiki Omospondia (EPO) bereits angekündigt, eine Freigabe nicht erteilen zu wollen, zumal Rehhagel noch einen Vertrag bis 2006 besaß. Sogar die stellvertretende Kulturministerin Griechenlands Fani Palli-Petralia wirkte auf Rehhagel ein: „Notfalls werden wir Sie am Dach des Olympiastadions festbinden, damit Sie nicht weggehen.“

Am 14. November 2005 bestätigte Otto Rehhagel, dass er seinen Vertrag als griechischer Nationaltrainer für weitere zwei Jahre verlängert habe, da er so sehr von der Begeisterung und den Emotionen der Fans, des Verbandes und der Spieler ergriffen war, dass es für ihn keinen anderen Ausweg gab, als seinen Vertrag zu verlängern. Dieses sei für ihn ein einmaliges und noch nie da gewesenes Erlebnis in seinem Leben gewesen, so dass Otto Rehhagel schließlich zu dem am längsten amtierenden Nationaltrainer des griechischen Fußballverbandes avancierte, wobei seine Jahresgage auf ca. 800.000 Euro beziffert wird.

Für die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland konnte sich Griechenland nicht qualifizieren, man schloss die Tabelle in der Qualifikation als Vierter hinter der Ukraine, Türkei und Dänemark ab.

EM 2008 Bearbeiten

Durch einen 1:0-Erfolg in der Türkei am 17. Oktober 2007 gelang Rehhagel mit Griechenland die vorzeitige Qualifikation zur Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz. Den Europameistertitel konnte die griechische Nationalmannschaft nicht erfolgreich verteidigen. Mit drei Niederlagen in der Vorrunde (0:2 gegen Schweden, 0:1 gegen Russland und 1:2 gegen Spanien) schied die Mannschaft unter Otto Rehhagel vorzeitig aus dem Turnier aus.

Rücktritt nach der WM 2010 Bearbeiten

Bei der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika konnte Rehhagel Griechenland zur zweiten WM-Teilnahme nach 1994 führen. Beim Anpfiff des ersten Spiels der Griechen bei der Weltmeisterschaft am 12. Juni 2010 gegen Südkorea war er mit 71 Jahren und 306 Tagen ältester Trainer der Geschichte dieses Wettbewerbes. Griechenland schied trotz eines Sieges (2:1) im zweiten Spiel gegen Nigeria, bei dem die Mannschaft die ersten zwei Tore bei einer WM schoss, bereits in der Vorrunde aus.[5] Daraufhin trat Rehhagel am 24. Juni 2010 zurück.[6]

Spielsystem Bearbeiten

Vielfach wurde in Deutschland kritisiert, dass er keinen modernen Fußball spielen lasse. Insbesondere die Defensivausrichtung und die Rückkehr zum Spiel mit Dreierkette und - während seiner Zeit als Trainer Griechenlands - die „Wiederentdeckung“ des taktischen Spielens mit Libero wurden als rückläufig angesehen. Auf Kritik zu seiner als altmodisch empfundenen Spielstrategie reagierte er in einem Interview mit dem Satz: „Modern spielt, wer gewinnt.“ Ebenso wurde die Ansicht vertreten, gegen Rehhagel spräche sein Mangel an einer in der heutigen Zeit vermeintlich unabdingbaren Kooperationsbereitschaft mit den Medien.

Mit der griechischen Nationalmannschaft bevorzugte Rehhagel meist ein 4-3-3-System. Bei der Europameisterschaft 2004 spielte die griechische Nationalmannschaft mit einem 3-3-3-1 System.

Autoritätsanspruch und Medien Bearbeiten

Charakteristisch für seine Arbeitsweise in der Bundesliga war, dass er, soweit ihm dies sein Status erlaubte, überall die alleinige Autorität über sportliche Belange beanspruchte. In Bremen und Kaiserslautern, wo ihm dies ermöglicht wurde, hatte er Erfolg, in München, wo dies nicht möglich war, bekam er Probleme. Seine Mannschaft musste eine „verschworene Gemeinschaft“ sein und war dies z. B. in Bremen auch weitgehend. Einflussnahme von außen wurde von ihm als störend angesehen, den Anspruch der Öffentlichkeit, über interne Vorgänge informiert zu werden oder Begründungen für Entscheidungen zu erhalten, wies er immer zurück. Typisch für ihn war dementsprechend ein schlechtes Verhältnis zu den Medien, insbesondere den Boulevardmedien und ihren Vertretern, deren Interessen Rehhagel als anmaßend empfand.

Politik Bearbeiten

Otto Rehhagel nahm 1999, von der CDU nominiert, als Mitglied der Bundesversammlung an der Bundespräsidentenwahl teil.

Kontroverses Bearbeiten

  • Nach dem Spiel zwischen Werder Bremen und Arminia Bielefeld am 14. August 1981, bei dem Ewald Lienen durch ein Foul des Bremers Norbert Siegmann erheblich verletzt wurde, bezichtigte ihn Lienen, Siegmann zum absichtlichen Foulspiel aufgestachelt zu haben. Lienen hatte eine zirka fünfundzwanzig Zentimeter lange offene Fleischwunde am Oberschenkel erlitten. Nachdem es vor dem Rückspiel am 23. Januar 1982 zu Morddrohungen gegen Rehhagel gekommen war, trug dieser während des Spiels eine schusssichere Weste und erhielt auf der Trainerbank Polizeischutz.[7]

Ehrungen und Auszeichnungen Bearbeiten

Am 8. August 2004 durfte er die Olympische Fackel über die 2500 m lange Charilaos-Trikoupis-Brücke von Andirrio nach Rio (Griechenland) tragen. Otto Rehhagel wurde von der IFFHS zum Weltnationaltrainer des Jahres 2004 gewählt.

Weitere Auszeichnungen

Erfolge als Trainer Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

  • Norbert Kuntze: Rehhagel. Biographie eines Meistertrainers. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 1999, ISBN 3-89533-273-9
  • Günther Rohrbacher-List: Otto Rehagel. In: Dietrich Schulze-Marmeling (Hrsg.): Strategen des Spiels. Die legendären Fußballtrainer. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2005, ISBN 3-89533-475-8, S. 226-238.
  • Hans-Dieter Schütt: Otto ... find ich gut. Sportverlag, Berlin 1998, ISBN 3-328-00833-0

Weblinks Bearbeiten

Fußnoten Bearbeiten

  1. Kuntze: Rehhagel, Verlag Die Werkstatt, Göttingen 1999, S. 16
  2. Wir hatten keine Wahl – Bayern mußte sich von Otto Rehhagel trennen. In: welt.online. 3. März 1999, abgerufen am 29. Juli 2009.
  3. Kicker-Sonderheft 96/97, S. 175
  4. 4,0 4,1 rp-online.de: Trainer Otto Rehhagel beim 1. FC Kaiserslautern zurückgetreten
  5. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,702264,00.html WM-Gruppe B Rehhagels Griechen scheitern in der Vorrunde
  6. Rehhagel sagt Adio erschienen auf kicker.de am 24. Juni 2010
  7. Sportgeschichte: Foul mit schlimmen Folgen: Siegmann fällt Lienen, Der Westen, 14. August 2008



da:Otto Rehhagel

en:Otto Rehhagel es:Otto Rehhagel




it:Otto Rehhagel ja:オットー・レーハーゲル



ru:Рехагель, Отто


Kopie vom 16.02.2011, Quelle: Wikipedia, Artikel, Autoren in der Wikipedia
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