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Sociocybernetics, Medellin 2017

Michael Paetau's Lecture at the 14. International Conference of Sociocybernetics, Medellin, Colombia, June 20-23, 2017

Michael Paetau (* 15. August 1947 in Hamburg) ist ein deutscher Soziologe und Kommunikationswissenschaftler. Er leitet das von ihm gegründete Internationale Zentrum für Soziokybernetische Studien und ist Vorsitzender des Vereins Wissenskulturen e.V. Er lehrte Kom­munika­tions- und Medi­en­sozi­olo­gie an ver­schiede­nen Uni­ver­sitäten, war acht Jahre Mit­glied im Leitungsgremium des Research Com­mit­tee on Socio­cy­ber­net­ics (RC51) der International Sociological Association (ISA)[1] und von 2010 bis 2014 Her­aus­ge­ber des Jour­nal of Socio­cy­ber­net­ics.[2] Michael Paetau ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Bonn und Bogotá. Seine Beobachtungen der kolumbianischen Gesellschaft publiziert er in seinem Blog "Kolumbianisches Tagebuch".[3]

Werdegang Bearbeiten

Paetau studierte in Hamburg und Marburg Soziologie, Wirtschaftswissenschaften und Philosophie. Er beendete sein Studium in Marburg mit einer geldtheoretischen Arbeit über Karl Marx. 1989 promovierte er mit einer Arbeit über Mensch-Maschine Kommunikation an der Universität Bremen. In Marburg wurde er Mitte der 1970er Jahre durch seinen Philosophie-Lehrer Hans Heinz Holz erstmals mit philosophischen Fragen der zu dieser Zeit lebhaft diskutierten neuen Wissenschaftsdisziplin Kybernetik konfrontiert. Diesen Diskursfaden nahm er erst Jahre später wieder auf, nachdem er 1980 in die Gruppe Technikfolgen-Abschätzung im GMD-Forschungszentrum Informationstechnik in Sankt Augustin bei Bonn berufen worden war (damals: Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung).

Seit 1980 setzte Paetau sich mit den soziologischen Fragen, die durch die sogenannte digitale Revolution aufgeworfen wurden, auseinander.[4] Er konzentriert sich insbesondere auf die Fragen der Veränderungen der gesellschaftlichen Kommunikationsverhältnisse durch den Einsatz computergestützter Kommunikationssysteme.

Von 1995–1998 leitete er die Forschungsgruppe "Kultur - Medien - Technik" des Instituts für Angewandte Informationstechnik des GMD-Forschungszentrums Informationstechnik in Sankt Augustin. Von 1998–2002 leitete er die Forschungsgruppe "Soziale Systeme" des GMD-Instituts für Autonome Intelligente Systeme und war von 1999 bis 2002 Sprecher des Forschungsbereichs "Informed Sustainability". In dieser Zeit war er u.a. an der Entwicklung des in der Nachhaltigkeitsforschung vielzitierten Drei-Säulen-Modells der Nachhaltigkeit beteiligt.

Von 2004 bis 2005 ver­trat er den Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der Universität Siegen, und von 2002 bis 2004 den für Kommunikationswissenschaft an der Universität Duisburg-Essen. In den Jahren davor lehrte er Kom­mu­nika­tion­s- und Techniksozi­olo­gie an den Uni­ver­sitäten Mar­burg und Bonn. 2011 und 2012 lehrte Paetau Medi­en­sozi­olo­gie an der Universität Bielefeld.

Politische Aktivitäten Bearbeiten

Als Student trat Michael Paetau 1970 der "Assoziation Marxistischer Studenten - Spartakus" (AMS Spartakus) in Hamburg bei, einer Vorläuferorganisation des Marxistischen Studentenbundes Spartakus, an dessen Gründung er 1971 beteiligt war. In den 80er Jahren engagierte er sich in den Projekten zu einer grundlegenden demokratischen und pluralistischen Erneuerung sozialistischer Transformationsansätze. Sein Einsatz war dabei stark beeinflusst vom Diskurs der Kybernetik zweiter Ordnung und ihrer Konsequenzen für die Gestaltung einer demokratischen Gesellschaft. Nach dem Scheitern dieser Bemühungen zog er sich Ende der 1980er Jahre aus der Politik zurück.

2009 engagierte er sich erneut politisch und trat der zwei Jahre zuvor gegründeten Piratenpartei bei. [5] Und auch hierbei spielten die grundlegenden Prinzipien der Kybernetik zweiter Ordnung eine zentrale Rolle.[6] 2012 kandidierte er als Direktkandidat der Bonner Piratenpartei für die Landtagswahl Nordrhein-Westfalen. Diese Wahl wurde zum bislang größten Wahlerfolg der Piratenpartei, die mit 20 Abgeordneten in den nordrhein-westfälischen Landtag einziehen konnte.

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. RC51 on Sociocybernetics
  2. Journal of Sociocybernetics
  3. Kolumbianisches Tagebuch
  4. Becker, B.; Paetau, M. (Eds.): Virtualisierung des Sozialen. Die Informationsgesellschaft zwischen Fragmentierung und Globalisierung. Frankfurt am Main: Campus 1997
  5. [1] Michael Paetau: Piraten am Kreuzweg der Wissensordnung. Das Argument 295, 2011, S. 902 - 911
  6. [2] Michael Paetau: Kybernetik und flüssige Demokratie. In: Kahrs, H. (Hg.): Piratenzauber. Über eine Gesellschaft, die Freibeuter hervorbringt. Köln 2013: PapyRossa, S. 173-187

WeblinksBearbeiten


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