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Königsberger Burschenschaft Gothia
Wappen der Königsberger Burschenschaft Gothia
Land
Hochschule
Stiftung
Kartell
Rekonstitution
Band
Devise
Frei ist der Bursch!
Wahlspruch
Ehre, Freiheit, Vaterland!
Korporationsverband
Website

Die Königsberger Burschenschaft Gothia ist eine schlagende und farbentragende Studentenverbindung in Göttingen. Gothia vereint Studenten und Alumni der ehemaligen Albertus-Universität, der Georg-August-Universität, sowie der HAWK – Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst und der Privaten Fachhochschule Göttingen. Die Mitglieder werden Königsberger Gothen („Köpi-Gothen“) genannt.

Geschichte Bearbeiten

Königsberg Bearbeiten

Gothenhaus

Königsberger Gothen vor dem neu errichteten Haus am Oberteich

Der Name Gothia findet sich zuerst als Bezeichnung für eines der zahlreichen Kränzchen der allgemeinen Burschenschaft Albertina, die in den 1820er und 1830er Jahren an der Königsberger Universität bestand. Dieses Kränzchen Gothia, zunächst Gothonia genannt, hatte die Farben „rot-gold“ und nach Vereinigung mit dem Kränzchen Arminia im Wintersemester 1840/41 unter dem Namen Gothia die Farben „blau-gold“. Es wurde ein goldgesäumtes blaues Band und eine blau-goldene Mütze getragen.[1] Die Burschenschaft Albertina löste sich 1845 auf, nachdem sich bereits 1843 aus den letzten Mitgliedern der Gothia die Einzelburschenschaft Germania gebildet hatte. Da einerseits die Landsmannschaften (Corps) numerisch nicht stark, sowie in sich und mit den anderen Verbindungen und Studenten zerfallen, andererseits aber die Burschenschaft Germania zu ungewöhnlicher Blüte gelangt war, so galt es, die Superiorität den burschenschaftlichen Händen nicht entwinden zu lassen. So wurde aus der Mitte der Germania eine zweite Burschenschaft gegründet – die Gothia. Am 19. November 1854 traten 8 Mitglieder, darunter der Senior Adolf Ansat, aus der Germania aus und hielten am selbigen Abend die konstituierende Versammlung ab. Mit drei hinzugetretenen „Mulis“ stifteten sie am 22. November 1854 die Burschenschaft Gothia. Als Farben wählten die Stifter „schwarz-gold-blau“ (von unten gelesen). Die Farben „blau-gold“ stammen vom ehemaligen Kränzchen Gothia. Das „schwarz“ wurde hinzugefügt, um neben dem „gold“ eine weitere Farbe der schwarz-rot-goldenen Trikolore zu tragen. Da 1854 in Preußen das Führen des burschenschaftlichen Wahlspruchs Ehre, Freiheit, Vaterland noch immer als Provokation angesehen wurde, verwendete Gothia ihre Devise FREI IST DER BURSCH wie einen Wahlspruch und versteckte den Wahlspruch aller Burschenschaften Ehre, Freiheit, Vaterland als Abkürzungen im Zirkel, der wie Name, Farben und Wappen seit der Gründung unverändert ist. Zunächst sah sich Gothia der Idee des Progresses zugewandt, wenngleich die Mensur bereits seit der Stiftung einen hohen Stellenwert einnahm. Dies äußerte sich vor allem darin, dass unter Einbeziehung der Germania und der Baltia versucht wurde, die burschenschaftliche Allgemeinheit Albertina wiederzubeleben.[2] Nachdem dieses Vorhaben scheiterte, wandte sich Gothia kurzzeitig der arministischen Richtung zu, bevor man sich ab 1862 klar zur germanistischen Ausrichtung des Bundes bekannte.[3]

Zeitweilig hat Gothia das Lebensprinzip gehabt, duldete also keine zusätzlichen Mitgliedschaften zu anderen Verbindungen. Schon vor Gothias Beitritt zum Süddeutschen Kartell (SK) wurde das Lebensprinzip aufgegeben. Was die Kartellverhältnisse der Gothia anbelangt, so trat sie mit ihrer Gründung zu der Germania in ein nahes Freundschaftsverhältnis, das in einem engen Kartell, Verbot des Paukens miteinander und gemeinschaftlichen Versammlungen Ausdruck fand.[4][5] Dieses enge Kartell dauerte bis 1857, wo den Germanen Paukkartell angeboten und auch von ihnen angenommen wurde. Im Jahre 1857 schloss die Gothia ein Kartell mit der Landsmannschaft Teutonia Bonn (später Corps) und der Landsmannschaft Torgovia (später Teutonia) in Halle, zu denen sich noch 1858 die Landsmannschaft Dresdensia in Leipzig gesellte. Dieses Kartell vereinte sich unter anderem auf Grundlage der positiven Stellung zur unbedingten Satisfaktion, war jedoch von kurzer Dauer: Im Sommersemester 1862 trat die Dresdensia aus dem Kartellverband aus, nachdem sie vorher Burschenschaft geworden war, während das Kartell mit den Bonner und Hallenser Teutonen bis 1865 bestand.[6] Dem ersten burschenschaftlichen Zusammenschluss EDC (Eisenacher Deputierten Convent) gehörte Gothia nicht an, trat aber 1885 dem ADC (Allgemeiner Deputierten Convent; ab 1902 „Deutsche Burschenschaft“) bei.[7] Nachdem Burschenschafter des Roten Verbandes und des Süddeutschen Kartells während ihrer Aufenthalte in Königsberg ausschließlich bei Gothia verkehrten, entstand zu beiden Kartellverbänden ein gutes Verhältnis. Schlussendlich trat Gothia am 1. März 1924 in Jena feierlich in das 1861 gegründete Süddeutsche Kartell (SK) ein, welchem sie bis heute angehört.

Als die Deutsche Burschenschaft unter nationalsozialistischen Druck geriet, trat Gothia 1934 aus der DB aus und schloss sich der Alten Burschenschaft an, die aber 1936 auch unter dem Druck der Nazis erlosch. Das gleiche Schicksal ereilte auch Gothia als Einzelburschenschaft, die sich zur KameradschaftHermann von Salza“ zusammenschließen musste. Gothia suspendierte endgültig am 19. Mai 1936. Am 3. Februar 1942 konnte Gothia als einzige Königsberger Studentenverbindung während des Krieges rekonstituieren, da die Mitglieder der im Krieg gegründeten „Freien Schlagenden Verbindung Daidalia“[8] mit Hilfe des Innsbrucker Etschers Fritz Ranzi und späteren Ehrenmitglieds in die Gothia aufgenommen wurden.[9][10] Es konnten sogar während des Krieges drei Schlägerpartien mit dem Corps Saxo-Borussia Berlin in Berlin insgeheim ausgetragen werden. 1944 wurde der Lehrbetrieb an der Albertina eingestellt und der Aktivenbetrieb kam durch die Auswirkungen des Krieges endgültig zum erliegen.

Göttingen Bearbeiten

Die Rekonstitution der Gothia nach der Flucht aus Königsberg erfolgte 1949 in einer Infektionsbaracke auf dem ehemaligen Flugplatz in Göttingen. Zunächst unter dem Namen „Vereinigung ostpreußischer Studenten und Studentinnen Albertina“, konnte Gothia alsbald unter altem Namen auftreten. Besondere Unterstützung erhielt die Gothia von der Burschenschaft Frisia, die vor dem Bezug Gothias in eigene Immobilien ihre Räumlichkeiten für Kneipen, Paukstunden und Archivalien zur Verfügung stellte. Am 30. November 1957 konnte das neugebaute Korporationshaus im Göttinger Ostviertel in Betrieb genommen werden. Die Universitätsstadt Göttingen wurde als neuer Standort gewählt, weil die Georgia-Augusta die Patenschaft für die verlorene Albertina übernommen hatte. Der 1950 wiedergegründeten Deutschen Burschenschaft trat Gothia bei, verließ diese aber 1984, weil die DB immer stärker als rückwärts gewandt erschien.

Wappen und Couleur Bearbeiten

Gothia hat die Farben „schwarz-gold-blau“ (von unten gelesen) mit goldener Perkussion. Dazu wird eine blaue Samtmütze mit goldenem Albertus getragen. Bis in die 1870er Jahre wurde auch die Konfederakta getragen. Wie andere alte Burschenschaften kennt Gothia kein Fuxenband. Die Füxe tragen ebenso wie die Burschen das dreifarbige Band.

Das Wappen zeigt neben Farben und Zirkel, gekreuzte Glockenschläger, vom Uroboros umrahmte Verbrüderungshände, sowie eine Eiche an der Samländischen Steilküste. Im Hintergrund sind eine aufgehende Sonne und ein Blitz zu sehen. Weiterhin zeigt das Wappen das Königsberger Universitätssiegel, auf welchem Herzog Albrecht von Preußen, der Gründer der Albertina zu sehen ist. Der Albertus ist seit 1817 das Abzeichen der Königsberger Burschenschaft. Die Inschrift CIVIS ACAD. ALB. steht für Akademischer Bürger der Albertina.

Häuser Bearbeiten

Palästra Albertina

Palaestra Albertina in Königsberg

Bevor Gothia ein eigenes Haus besaß, kneipte man in verschiedenen Königsberger Lokalitäten. Ab 1896 verfügte Gothia über eigene Räumlichkeiten in der Palaestra Albertina, welches von dem Königsberger Gothen Friedrich Lange als großzügige Gabe an die Königsberger Universität gestiftet wurde. Am 29. Juni 1913 konnte das eigens für die Burschenschaft Gothia erbaute Haus in der Cäcilienallee am Oberteich bezogen werden. Nach der Rekonstitution in Göttingen wurde zunächst eine Infektionsbaracke am alten Flugplatz in Göttingen hergerichtet, bis schließlich das 1957 neu errichtete Haus eingeweiht werden konnte.

Besonderheiten Bearbeiten

Die Königsberger Burschenschaft Gothia pflegt bis heute die besonderen Sitten und Gebräuche des Königsberger Studententums. Anders als bei anderen Königsberger Korporationen, die sich bereits vor dem Zweiten Weltkrieg an den „reichsdeutschen“ Korporationen orientierten, konnte Gothia die Königsberger Eigenheiten behaupten und bis heute bewahren.

  • Der Biercomment der Gothia unterscheidet sich deutlich von den Biercomments anderer Korporationen. Besonders die bis heute gepflegten ostpreußischen Trinksprüche führen bei ungeübten Kneipteilnehmern zu teilweise sehr erheiternden Reaktionen.
  • Neben Bier wird zu vielen Veranstaltungen auch Pillkaller und Meschkinnes getrunken.
  • In regelmäßigen Abständen besuchen Philister und Aktive Gothen die ehemalige Albertina, die heutige Immanuel-Kant-Universität Kaliningrad, zu welcher ein gutes Verhältnis besteht. Außerdem führen die Reisen in das ehemalige Ostpreußen durch das heutige Polen, Masuren, die Kaliningrader Oblast und Litauen.
  • Im Königsberger Dom werden Exponate der Königsberger Burschenschaft Gothia ausgestellt.
  • Das Gothenhaus in der Cäcilienallee 1[11] am Oberteich existiert bis heute und befindet sich in einem hervorragenden Erhaltungszustand. In ihm ist gegenwärtig eine Zahnarztpraxis untergebracht.
  • Im Gegensatz zu anderen Korporationen chargiert Gothia im Frack. Hierzu wird ein Paradekorbschläger geführt.
  • Convente heißen bei Gothia schlicht Versammlungen.
  • Zwanglose Abendschoppen werden „Sobranje“ genannt.

Verhältnisse Bearbeiten

Friedrich Lange

Friedrich Lange, Philister der Burschenschaft Gothia und Stifter der Palaestra Albertina

Die Königsberger Burschenschaft Gothia ist Mitglied in dem seit 1861 bestehenden Süddeutschen Kartell, dem ältesten bis heute bestehenden Zusammenschluss von Burschenschaften.

Kartell Bearbeiten

Ehemalige Kartellverhältnisse Bearbeiten

  • Landsmannschaft (später Corps) Teutonia Bonn (1857–1865)
  • Landsmannschaft (später Corps Teutonia) Torgovia Halle (1857–1865)
  • Landsmannschaft (später Burschenschaft) Dresdensia (1858–1862)
Ernst Burow

Ernst Burow mit seinem Couleurhund

Bekannte Mitglieder Bearbeiten

  • Friedrich Beermann (1912–1975), Jurist, Brigadegeneral, Politiker, Mitglied des Deutschen Bundestages, prägte den Begriff „Staatsbürger in Uniform“
  • Jürgen Borgwardt (1937–2007), Jurist, Hauptgeschäftsführer der Union der leitenden Angestellten, Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande
  • Ernst Burow (1838–1885), Arzt und Gründer des ältesten deutschen Segelvereins Segelclub Rhe
  • Friedhelm Farthmann (* 1930), Jurist, Politiker (SPD), Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen a.D., ehemaliger Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion in NRW, Mitglied des Bundestages, Träger des Verdienstordens des Landes Berlin, Träger des Verdienstordens des Landes NRW, Inhaber der Marie-Juchacz-Plakette
  • Arnold Freymuth (1872–1933), Jurist, Richter, Politiker, Autor, Menschenrechtsaktivist
  • Curt Gagel (1865–1927), Geologe
  • Alexander Herrmann (1900–1981), HNO-Arzt, Hochschullehrer, Ehrenmitglied der griechischen, spanischen und ungarischen oto-laryngologischen Gesellschaften
  • Hermann Theodor Hofmann (1836–1902), Verwaltungsjurist und Kommunalbeamter, Mitglied des Reichstages und des Preußischen Herrenhauses, Ehrenbürger der Stadt Königsberg
  • Leo Koslowski (1921–2007), Chirurg und Hochschullehrer, Vizepräsident der DRF Luftrettung, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, Träger der Wilhelm-Griesinger-Medaille, Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes
  • Friedrich Lange (1849–1927), Chirurg, Förderer gemeinnütziger Einrichtungen
  • Leonhard von Massenbach (1835–1883), preußischer Politiker und Landrat des Obertaunuskreises
  • Helmut Motekat (1919–1996), Germanist, Literaturhistoriker
  • Reinhold Rehs (1901–1971) Jurist, Politiker (SPD, ab 1969 CDU), Mitglied des schleswig-holsteinischen Landtages, Mitglied des Deutschen Bundestages, Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes, Träger der Königsberger Bürgermedaille, Inhaber der Ehrenplakette des BdV
  • Otto Riesser (1882–1949), Pharmakologe und Physiologe, Hochschullehrer

Mitgliederverzeichnis:

  • Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934. S. 1064–1065.

Siehe auch Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

  • Hans-Georg Balder: Die deutschen Burschenschaften. Ihre Darstellung in Einzelchroniken. Hilden 2005, S. 167, 262–263.

Einzelnachweise Bearbeiten

  1.  Rudolf von Gottschall: Aus meiner Jugend. Berlin 1898, S. 89f.
  2.  Paul Rhode: Festschrift zum 50-jährigen Stiftungsfeste der Burschenschaft Gothia. Königsberg i.Pr 1904, S. 69f..
  3.  Paul Rhode: Festschrift zum 50-jährigen Stiftungsfeste der Burschenschaft Gothia. Königsberg i.Pr 1904, S. 87.
  4.  Paul Rhode: Festschrift zum 50-jährigen Stiftungsfeste der Burschenschaft Gothia. Königsberg i.Pr 1904, S. 60f..
  5.  Handbuch des Kösener Corpsstudenten. Fünfte ergänzte und umgearbeitete Auflage. VAC-Druckschriftzentrale, Bochum 1965, S. 248f..
  6.  Paul Rhode: Festschrift zum 50-jährigen Stiftungsfeste der Burschenschaft Gothia. Königsberg i. Pr. 1904, S. 71f.
  7.  Hugo Böttger: Handbuch für den Deutschen Burschenschafter. Carl Heymanns verlag, Berlin 1909, S. 271f..
  8. Daidalia wurde am 15.12.1941 mit den Farben "blau-silber-blau" von Medizinstudenten einer Luftwaffenkompanie gegründet. Das Band wurde unter der Uniform getragen.
  9.  Thomas Thamm: Korporationsstudententum in Königsberg/Preußen 1918 bis 1945. Historia Academica Band 34, Würzburg 1995, S. 138ff..
  10.  Hans Dullenkopf: Dr. phil. Fritz Ranzi, Historiker. In: Gothenmitteilungen. Nachrichtenblatt der Königsberger Burschenschaft Gothia zu Göttingen. Heft 36, Göttingen März 1978, S. 25–28.
  11. E. H. Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 83.

Weblinks Bearbeiten


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