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junge Welt
Junge Welt
Beschreibung Tageszeitung
Sprache Deutsch
Verlag Verlag 8. Mai (Deutschland)
Erstausgabe 12. Februar 1947
Erscheinungsweise täglich / Wochenende
Chefredakteur Arnold Schölzel
Herausgeber LPG junge Welt e. G.
Weblink jungewelt.de
ISSN 0941-9373

Die junge Welt (jW) ist eine überregionale deutsche Tageszeitung mit linkem, marxistisch orientierten Selbstverständnis. Redaktionssitz ist Berlin, Regionalbüros bestehen in München und Bremen. Sie war von 1947 bis 1990 das Zentralorgan der FDJ.

Die Junge Welt in der DDR Bearbeiten

Die Junge Welt wurde am 12. Februar 1947 in der Sowjetischen Besatzungszone gegründet. Erster Chefredakteur war der Kommunist und antifaschistische Widerstandskämpfer Adolf Buchholz. Sie erschien zunächst wöchentlich im Verlag Neues Leben, ab 1. Januar 1950 zweimal wöchentlich und ab März 1952 als Tageszeitung sechsmal in der Woche im neu gegründeten Verlag Junge Welt. Ab dem 12. November 1947 führte sie den Untertitel Zentralorgan der Freien Deutschen Jugend, ab dem 1. März 1952 den Untertitel Organ des Zentralrats der FDJ.

Die Auflage überschritt 1977 die Millionengrenze und lag Anfang 1990 bei 1,6 Mio. Exemplaren. Damit war sie zuletzt die auflagenstärkste Tageszeitung der DDR noch vor dem SED-Zentralorgan Neues Deutschland. Anders als ein Abonnement anderer Printmedien in der DDR war der Bezug unproblematisch. Letzter Chefredakteur vor der Wende war Hans-Dieter Schütt, den Uwe Stolzmann vom Deutschlandradio Kultur als brillanten Autor, Feingeist - und zugleich als Scharfmacher bezeichnete, „kurz: ein Demagoge“.[1]

Insgesamt 19 Zeitungen und Zeitschriften wurden in Regie des FDJ-eigenen Verlages Junge Welt publiziert. Damit sollte die Jugend im staatskonformen Sinne beeinflusst und die kommunistische Erziehung der jungen Generation gefördert werden.

Seit der deutschen Wiedervereinigung Bearbeiten

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die junge Welt privatisiert und wechselte mehrmals den Besitzer. Jens König, später taz-Redakteur, wurde zum ersten Chefredakteur nach der Wende. Die Auflage brach rasch ein, 1994 erfolgte mit der konzeptionellen Hilfe von konkret-Herausgeber Hermann L. Gremliza ein Neustart. Nach nur acht Monaten als Chefredakteur wurde Günter Kolodziej, heute stellvertretender Senatssprecher in Berlin, im November 1994 von Oliver Tolmein abgelöst. Anfang April 1995 wurde dennoch die Produktion der Tageszeitung junge Welt durch den Eigentümer eingestellt. Ein Teil der Redaktion führte die Zeitung daraufhin in Eigenregie weiter, Chefredakteur Tolmein schloss sich dem nicht an und wurde durch den früheren Kulturchef Klaus Behnken ersetzt. Der Umfang der Zeitung wurde von 24 auf 16 Seiten reduziert, die Ressorts Frauen, Medien und Ökologie gestrichen.

1997 kam es zu einer Besetzung der Redaktionsräume durch einen Großteil der Mitarbeiter, nachdem Chefredakteur Klaus Behnken durch den Geschäftsführer Dietmar Koschmieder abgesetzt worden war. Letzterer produzierte mit drei ihm gegenüber loyal gebliebenen Redakteuren während der Besetzung Notausgaben, bis die Auseinandersetzung mit dem Ausscheiden der Besetzer aus der Redaktion endete. Die Redaktionsmehrheit hatte während der Besetzung die Wochenzeitung Jungle World als Gegenprojekt gegründet und führte diese anschließend weiter. Behnkens Nachfolger wurde Holger Becker, einer der drei loyal gebliebenen Redakteure. Nachdem es zu Auseinandersetzungen mit der Geschäftsleitung und der die Zeitung herausgebenden Genossenschaft gekommen war, wurde er jedoch im Februar 2000 durch Arnold Schölzel ersetzt; mit ihm verließen Werner Pirker und Ulrike Schulz, die beiden anderen im Konflikt von 1997 der jungen Welt treugebliebenen Mitarbeiter, die Zeitung, Pirker kehrte allerdings später als Autor zurück. Das Ressort Innenpolitik wurde von 2002 bis 2005 von Ulla Jelpke geleitet, die zuvor Mitglied des Deutschen Bundestages war und die Zeitung anschließend wieder in Richtung Parlament verließ.

Seit 1995 befindet sich die junge Welt im Besitz der von ihren Lesern getragenen Linke Presse Verlags- Förderungs- und Beteiligungsgenossenschaft junge Welt e. G. (Vorbild war das Genossenschaftsmodell der taz) und kann so auf größere Einnahmen durch Anzeigen und auf finanzielle Unterstützung durch Parteien verzichten, was sie gegenüber anderen Zeitungen unabhängiger macht. Sie erscheint im Verlag 8. Mai, der ebenfalls von Akteuren der Tageszeitung gegründet wurde. Seit dem Frühjahr 1998 ist die Beteiligungsgenossenschaft Mehrheitseignerin am Verlag 8. Mai GmbH. Im Januar 2007 gehörten der LPG junge Welt eG 610 Personen an, im Jahr 2010 waren es mehr als 1000 Genossen[2].

Der Umfang der Zeitung beträgt an Werktagen 16 Seiten, am Wochenende erscheint zusätzlich die achtseitige Beilage Faulheit und Arbeit. Des Weiteren erscheinen in der jungen Welt regelmäßig Beilagen u. a. zu den Themen Literatur, Antifa, Krieg/Frieden, Feminismus, Fußball, Wirtschaft etc. Sie ist regelmäßig auf den Buchmessen in Frankfurt am Main, Leipzig und Havanna vertreten. Im September 2004 wurde vom Tabloid- auf das Berliner Format umgestellt. Dieser ungewöhnliche Schritt - der Trend ging zu dieser Zeit in einigen Ländern vom Broadsheet- zum Tabloid-Format und wurde so 2007 auch von der Frankfurter Rundschau vollzogen - war der Zeitung durch Veränderungen in der Druckerei aufgezwungen worden. Die junge Welt verwendet die alte Rechtschreibung.

Reichweite Bearbeiten

Nach eigenen Angaben erreicht die Printausgabe 50.000 Leser. Ein unabhängig von der Zeitung erhobener Wert zur bezahlten Auflage existiert nicht, da die junge Welt diese nicht prüfen lässt. Nach Eigenangaben lag die Auflage seit dem Neustart von 1994 nicht mehr über 20.000. Ende 2010 betrug die verkaufte Auflage nach Eigenangaben 17.000 Exemplare.[3]

1996 initiierte die junge Welt eine Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz, die seitdem mit jeweils etwa tausend Besuchern jährlich am zweiten Sonnabend im Januar organisiert wird. Schwerpunkt sind Vorträge und Diskussionen zu Erfahrungen linker Bewegungen und Parteien weltweit und die politischen Entwicklungen in Deutschland.

Die Zeitung nimmt am jährlichen bundesweiten Fotowettbewerb Blende mit einer eigenen Ausschreibung für Hobbyfotografen teil. Für drei Hauptthemen und ein Jugendthema werden Bilder prämiert und ausgestellt. Im Jahr 2006 reichten 137 Teilnehmer 657 Beiträge für die Blende ein.

Seit einem Relaunch im Februar 2006 ist die junge Welt auch im Internet vollständig zu lesen, das Archiv ist für die zurückliegenden drei Monate frei zugänglich. Das Artikel-Archiv reicht bis 1997 zurück. Besucher können politische, soziale und kulturelle Veranstaltungen und Aktivitäten aus dem linken Spektrum in einem Terminkalender ankündigen. Beilagen und Serien sind ebenfalls online verfügbar. Ein RSS-Feed wird angeboten. Im Monatsdurchschnitt kam die Internetseite der jW 2006 nach Eigenangaben auf 3,4 Millionen Seitenaufrufe.

Chefredakteure Bearbeiten

Bisherige Chefredakteure der Jungen Welt (unvollständig):

Zeitraum Name Anmerkungen
1947 Adolf Buchholz Erster Chefredakteur
August 1947 – Februar 1948 Horst Brasch War 1965-1969 stellvertretender DDR-Kulturminister
Februar 1948 - September 1949 Rudolf Mießner[4] später Mitarbeiter des Fernsehens der DDR
September 1949 – Januar 1952 Heinz Stern[4] später Chefreporter des „Magazins
1952 – 1960 Joachim Herrmann War 1978–1989 SED-Politbüromitglied
1960 – 1966 Dieter Kerschek Später Chefredakteur der Berliner Zeitung
1966 – 1971 Horst Pehnert Später stellvertretender Minister für Kultur und Leiter der Hauptverwaltung Film
1971 – 1977 Klaus Raddatz Später stellvertretender Vorsitzender des Staatlichen Komitees für Fernsehen der DDR
1977 – 1984 Dieter Langguth Später stellvertretender Leiter der Abteilung „Agitation“ des ZK der SED
1984 – Herbst 1989 Hans-Dieter Schütt Letzter Chefredakteur vor der Wende, heute beim Neuen Deutschland
1989 – 1994 Jens König
1994 Günter Kolodziej
1994 – 1995 Oliver Tolmein
1995 – 1997 Klaus Behnken
1997 – 2000 Holger Becker
seit 2000 Arnold Schölzel

Positionierung und Kritik Bearbeiten

Positionen Bearbeiten

Das Selbstbild der jungen Welt ist das einer unabhängigen marxistischen Tageszeitung, sie versteht sich als Teil einer linken Gegenöffentlichkeit. Die junge Welt propagiert die Notwendigkeit einer antikapitalistisch orientierten Linken, die das Ziel einer sozialistischen Gesellschaft verfolgt. Ihre Hauptlinie ist gegen die neoliberale Ideologie und Politik gerichtet. Das Credo von junge Welt kennzeichnet eine antifaschistische Traditionslinie, die Bekämpfung von Neofaschismus, Antisemitismus und Fremdenhass sowie die Verteidigung einer historischen Legitimität der DDR. Innenpolitisch ist die sozialpolitische Berichterstattung prägend. Die Reformpolitik der Bundesregierung wird abgelehnt. Viel Raum erhalten Initiativen gegen Sozialabbau, gewerkschaftliche Aktivitäten und Arbeitskämpfe. Umfassend werden auch Entwicklungen und Debatten in der Linkspartei.PDS und der WASG sowie später der Partei Die Linke, aber auch in kleineren linken Parteien und Gruppierungen, wie der DKP und der SAV, dargestellt.

Im Bereich internationaler Politik vertreten die Autoren der jungen Welt überwiegend einen antiimperialistischen Ansatz; zu nennen sind hier insbesondere Werner Pirker und Rüdiger Göbel. Dies fand seinen Ausdruck beispielsweise in der Unterstützung der umstrittenen Kampagne 10 Euro für den irakischen Widerstand der Antiimperialistischen Koordination durch einige jW-Autoren. Die Zeitung vertritt antizionistische Positionen, so wurde auch ein Artikel des Leiters des Politischen Büros der Hamas, Chalid Maschal, aus The Guardian in der Zeitung nachgedruckt.[5]

Einschätzung des Verfassungsschutzes Bearbeiten

Die junge Welt wird vom Verfassungsschutz des Bundes beobachtet. In mehreren Verfassungsschutzberichten wird die Zeitung als „ein bedeutendes Printmedium im linksextremistischen Bereich“ bezeichnet.[6] Sie pflege „eine traditionskommunistische Ausrichtung und propagiert die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft“. Der Verfassungsschutz vertritt weiterhin die Ansicht, dass einzelne Mitglieder der Redaktion und ein großer Teil der Autoren dem „linksextremistischen Spektrum“ zuzuordnen seien. Wiederholt sei festzustellen, dass in Beiträgen der jW (etwa über Kurdistan oder Irak) Gewalt als Mittel im Kampf gegen Kapitalismus und Imperialismus anerkannt werde. Über ausländische Guerilla- und Terrororganisationen wie die kolumbianische FARC oder die baskische ETA werde wohlwollend und unkritisch berichtet. Sie würden zu „Befreiungsbewegungen“ umgedeutet.[7][8]

Rudolf van Hüllen, Referatsleiter beim Bundesamt für Verfassungsschutz, ordnet in einem Artikel für die Bundeszentrale für politische Bildung die jW in die Kategorie als „organisationsunabhängiges, linksextremistisches“ Periodikum ein, das „traditionskommunistische Vorstellungen“ bediene.[9] Weiterhin wird die antizionistische Einstellung des Blattes kritisiert und ihm eine Verharmlosung antisemitischer Positionen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad vorgeworfen.[10]

Kritik von Seiten der Antideutschen Bearbeiten

Während beispielsweise nach Ansicht von Oskar Lafontaine die junge Welt „die einzige deutsche Tageszeitung“ sei, „die die Besetzung des Iraks infolge eines völkerrechtswidrigen Krieges beim Namen nennt“, werfen insbesondere die sogenannten Antideutschen der jungen Welt Antisemitismus und Antiamerikanismus vor.[11] In diesem Zusammenhang steht auch die Spaltung der Redaktion im Jahr 1997, aus der die bis heute erscheinende Wochenzeitung Jungle World hervorging. Ivo Bozic wirft in der Jungle World dem junge-Welt-Redakteur Werner Pirker einen „rabiaten Antizionismus und „Sympathien für den islamistischen Terror“ im Irak vor, die, ebenso wie der Antiamerikanismus der jungen Welt, selbst im rechtsextremen Lager neuerdings positiv aufgenommen würden.[12]

Beschäftigung ehemaliger MfS-Mitarbeiter Bearbeiten

In die Kritik geriet die Zeitung von Seiten anderer Medien wie Der Spiegel[13] und Die Welt[14] aufgrund der Beschäftigung von früheren Agenten und inoffiziellen Mitarbeitern (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR als Redakteure und Mitarbeiter. So war Chefredakteur Arnold Schölzel unter dem Decknamen „André Holzer“ langjährig als IM tätig. Peter Wolter, ehemaliger Ressortleiter Innenpolitik, wurde als Westjournalist für die Weitergabe von Informationen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.[14] Der ehemalige Agent Rainer Rupp (Deckname „Topas“) arbeitet als Autor für die Zeitung und der ehemalige IM der Terrorabwehr Till Meyer (Deckname „Waldorf“) war auch eine Zeit lang Autor.

Weblinks Bearbeiten

Belege Bearbeiten

  1. Uwe Stolzmann: Selbstanklage eines Verbohrten. In: Deutschlandradio Kultur vom 7. Oktober 2009. Rezension des Buches von Hans-Dieter Schütt: Glücklich beschädigt. Republikflucht nach dem Ende der DDR, Berlin 2009
  2. 1000+x - Rein in die LPG
  3. Der Kampf geht weiter
  4. 4,0 4,1 Martin Broszat, Hermann Weber, Gerhard Braas (Hrsg.): SBZ-Handbuch: Staatliche Verwaltungen, Parteien, gesellschaftliche Organisationen und ihre Führungskräfte in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands 1945–1949. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1993, ISBN 3486552627, S. 689.
  5. Wir werden nicht schweigend sterben. junge Welt 9. Januar 2009
  6. Verfassungsschutzbericht 2009 (S. 131)
  7. Verfassungsschutzbericht 2006
  8. Verfassungsschutzbericht 2007
  9. Rudolf van Hüllen: Linksextremistische Medien, Bundeszentrale für politische Bildung, 16. April 2008
  10. Daniel Kilpert: Antisemitismus von links, Bundeszentrale für politische Bildung, 28. November 2006
  11. haGalil.com: Eine Ausstellung in Schweden und die „junge Welt“, 23. Januar 2004; Jungle World: Gegendarstellung, 17. März 1999
  12. Jungle World: Rotbraunes Waffenarsenal, 1. Februar 2006
  13. Spiegel Online: „Sichtbare Front“, Ausgabe 28/2006
  14. 14,0 14,1 welt.de: „Die schöne junge Welt der Stasiveteranen“, 21. März 2007
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ru:Junge Welt


Kopie vom 16.02.2011, Quelle: Wikipedia, Artikel, Autoren in der Wikipedia
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