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Josef Angenfort (genannt: Jupp Angenfort) (* 9. Januar 1924 in Düsseldorf) schloss sich als deutscher Kriegsgefangener in der Sowjetunion dem Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD) an. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er Politiker der KPD und später der DKP.

Angenfort wurde in einer katholischen Eisenbahnerfamilie in Düsseldorf geboren. Nach seiner Schulzeit wurde er in die Wehrmacht eingezogen und geriet als 19-jähriger im Oktober 1943 in der Sowjetunion in Kriegsgefangenschaft.

In Gesprächen mit sowjetischen Soldaten und deutschen Antifaschisten „begann ein Prozess der Erkenntnis“, wie er selber sagte. Er wurde Mitglied des NKFD und leistete unter deutschen kriegsgefangenen Soldaten Überzeugungsarbeit gegen Krieg und Nationalsozialismus.

1949 kehrte er in seine Heimatstadt Düsseldorf zurück, wurde Mitglied und bald darauf Vorsitzender der kommunistischen Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend in Westdeutschland. Deren Funktionäre setzten sich aus KPD-Kadern zusammen, die Mitglieder gehörten jedoch nur etwa zur Hälfte der KPD an. Die FDJ beanspruchte die Funktion einer Sammlungsbewegung, war aber zugleich auch eine Kaderreserve für die Partei.

Angenfort wurde 1951 für die KPD der jüngste Landtagsabgeordnete in Nordrhein-Westfalen.

Die Freie Deutsche Jugend in Westdeutschland beteiligte sich 1951 an der Vorbereitung einer Volksbefragung zur Wiederbewaffnung der Bundesrepublik. Am 24. April 1951 erging ein Verbotsbeschluss der Bundesregierung (GMBI. 1951, S.85), der die Volksbefragung gegen Remilitarisierung, deren Ausschüsse sowie vier namentlich genannte Organisationen (die VVN, die FDJ, den Gesamtdeutschen Arbeitskreis für Land- und Forstwirtschaft und das Deutsche Arbeiterkomitee) beschuldigte, „einen Angriff auf die verfassungsmäßige Ordnung des Bundes“ zu unternehmen bzw. sich gegen die „verfassungsmäßige Ordnung“ zu richten; sie seien „daher durch Artikel 9 Absatz 2 GG kraft Gesetzes verboten“.

Am 26. Juni 1951 entschloss sich die Bundesregierung zu einem weiteren Verbotsbeschluss gegen die FDJ in Westdeutschland (GMBI. 1951, S.149 ff.), der das Verbot vom 24. April noch einmal wiederholte und die Landesregierungen ersuchte, „jede Betätigung im Sinne der FDJ zu unterbinden“. Die FDJ habe gegen die im gesamten Bundesgebiet erlassenen Demonstrationsverbote verstoßen, „zum Ungehorsam gegen geltende Anordnungen aufgerufen“ und damit „den Bundeskanzler und den Bundespräsidenten bei der Ausübung staatlicher und politischer Befugnisse“ behindert.

Seine Immunität als Landtagsabgeordneter der KPD in NRW konnte Jupp Angenfort als Vorsitzenden der FDJ in Westdeutschland im März 1953 nicht vor der Festnahme durch die Sicherungsgruppe Bonn des Bundeskriminalamts bewahren. Er wurde wegen Hochverrats angeklagt und vom Bundesgerichtshof wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens, wegen Geheimbündelei und Zugehörigkeit als Rädelsführer zu einer verfassungsfeindlichen Vereinigung zu einer fünfjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Gegen ihn wurde wohl das erste Zuchthausurteil eines bundesdeutschen Gerichts wegen einer politischen Straftat nach 1945 gefällt. Im April 1957 wurde Angenfort von Bundespräsident Theodor Heuss begnadigt.

Als er im Februar 1962 erneut festgenommen wurde, floh Angenfort von einem Gefangenentransport, ging in die Illegalität und setzte sich später in die DDR ab.

Nach der Konstituierung der DKP im Jahre 1968 reiste Angenfort mehrfach zu Auftritten auf Parteiveranstaltungen in die Bundesrepublik ein, dabei wurde er im Jahre 1969 festgenommen, jedoch am 25. April wieder auf freien Fuß gesetzt.

Lange Jahre war Jupp Angenfort Mitglied der illegalen Leitung der KPD und dann Präsidiumsmitglied der DKP. Von 1988 bis 2002 war er Landesvorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA); heute ist er einer ihrer Landessprecher in Nordrhein-Westfalen und Mitglied des Bundesausschusses der VVN-BdA. An der Schaffung einer einheitlichen gesamtdeutschen VVN-BdA (die VVN hatte sich 1953 in der DDR aufgelöst) wirkte Jupp Angenfort erfolgreich mit.

In Lauscha war zu DDR-Zeiten eine Jugendherberge nach Jupp Angenfort benannt.

Literatur

  • Manfred Gebhardt: Jupp Angenfort. Ein Porträt. Kongress-Verlag, Berlin 1962
  • Michael Herms, Hinter den Linien Westarbeit der FDJ 1945–1956, Berlin 2001

Filme

  • Als der Staat rot sah - Justizopfer im Kalten Krieg. Regie: Hermann G. Abmayr. Dokumentation, D 2006

Weblinks

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