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Holger Wulschner (* 8. Dezember 1963 in Wriezen) ist ein deutscher Springreiter.

Biografie Bearbeiten

Holger Wulschner gilt als der bekannteste Springreiter der neuen Bundesländer. Er lebt in Passin bei Güstrow, ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Mit sieben Jahren begann er in der Nähe seines damaligen Heimatorts Neurüdnitz zu reiten. Im Alter von 15 Jahren gewann er die DDR-Jugendmeisterschaft der Springreiter. Bereits im jugendlichen Alter beschloss er, Pferde und Reiten zu seinem Beruf zu machen. Dies setzte er nach Abschuss der Schule um und machte in der LPG Zäckericker Loose eine Ausbildung zum Facharbeiter für Pferdezucht. In den folgenden Jahren arbeitete er bei der Zwischenbetrieblichen Einrichtung Schweineproduktion Schlaitz als Bereiter und Gestütwärter. Im Rahmen dieser Tätigkeit ritt er auch das Pferd Missouri. Mit diesem trat er, vielfach eigenfinanziert, auch bei Turnieren in anderen Staaten des Warschauer Paktes an.

Nach der deutschen Einheit trat er im November 1990 beim Weltcupturnier in der Berliner Deutschlandhalle an. Hier erreichte er als einziger Reiter aus den neuen Bundesländern die Qualifikationsprüfung und gewann damit ein Preisgeld von 1000 Mark. Darauf hin kam es zu einem internationalen Interesse an dem ihm zur Verfügung gestellten Pferd Missouri, es kam zu Kaufgeboten von einer Million Mark. Da sein Arbeitgeber, der ZBE Schweineproduktion Schlaitz, aufgrund gefallener Schweinepreise in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war, drängte die dortige Belegschaft auf einen Verkauf des Pferdes. Zu diesem Zeitpunkt machte Wulschner Bekanntschaft mit dem Berliner Hausverwalter Herbert Herzog. Dieser plante zu diesem Zeitpunkt, eine Reitanlage in Passin zu sanieren und war auf der Suche nach einem Ausbilder. Wulschner nahm das Angebot an, Herbert Herzog kaufte in Folge Missouri.

In Folge war Holger Wulschner bemüht, reiterliche Erfahrungen von westdeutschen Springreitern zu bekommen. Franke Sloothaak wies ihn ab, jedoch bekam er Hilfe von Ulrich Kirchhoff, zu dem Wulschner bis heute einen freundschaftlichen Umgang pflegt. Kirchhoff machte Holger Wulschner mit dem Dressurtraining vertraut. Bei Paul Schockemöhle lernte er in einem dreimonatigen Praktikum, wie ein Reitstall gemanagt wird. In Folge wurde Wulschner Teilhaber der Reitanlage in Passin.

Im September 1992 fanden Kontrolleure beim CHI Donaueschingen in Missouris Blut ein Anabolikum, Nandrolon. Wulschner gab hierzu an, dass er das Mittel zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht kannte. Die FEI sperrte ihn daraufhin für drei Monate. Da die Substanz als Doping zählt, war er folglich auch bei den nächsten Olympischen Spielen 1996 in Atlanta, für die ihn Herbert Meyer als Ersatzreiter vorgesehen hatte[1], nicht teilnehmen. In Folge dieser Ereignisse reagierte Wulschner trotzig, wollte es allen zeigen. Hierbei setzte er sich jedoch so stark unter Druck, dass er schlecht ritt, er war nach eigener Aussage "am Punkt, mit dem Sport aufzuhören". Seine Ehefrau Iris und die Familie Herzog hielten ihn davon ab. In der nachfolgenden Zeit gelang ihm als Teil der deutschen Mannschaft der endgültige internationale Durchbruch mit den zweiten Plätzen in den Nationenpreisen in Washington 1994 und in Modena 1995. Zu seinen bisher größten Erfolgen zählen die Siege bei den Großen Preisen von Hickstead, Linz, Hamburg und Rotterdam sowie der Sieg im Deutschen Springderby 2000. In Hamburg gelang ihm mit Capriol das bisher einmalige Kunststück, neben den beiden Qualifikationen auch das Finale zu gewinnen. 1997 nahm er am Weltcupfinale teil.

Am 1. Juli 2003 machte er sich selbstständig und betreibt seitdem mit seinem Team eine Anlage in Groß Viegeln in der Nähe von Rostock.

Das Jahr 2008 wurde zu einem der erfolgreichsten in seiner Karriere, so gewann er die Großen Preise von Nörten-Hardenberg und Hickstead und wurde 8. im Großen Preis von Aachen. In Aachen hatte er ein Jahr zuvor den Preis von Europa gewonnen. Das Jahr 2009 hingegen war vor allem durch Verletzungen seiner Turnierpferde geprägt.

Wulschner plant, gemeinsam mit dem aus Hamburg stammenden Turnierveranstalter Herbert Ulonska erstmals im Dezember 2010 auf seiner Anlage in Dummerstorf-Groß Viegeln ein internationales Springreitturnier auszutragen.[2] Zuvor hatte er bereits im Dezember 2005 und 2006 je ein nationales Turnier ausgetragen.[3]

Sein Sohn Benjamin ist, derzeit (2010) in Österreich, ebenfalls als Springreiter tätig.[4]

aktuelle und ehemalige Turnierpferde Bearbeiten

Sein zurzeit erfolgreichstes Pferd ist der Wallach Clausen. Mitte 2008 machte Clausens damaliger Besitzer, Siegfried Kludt, im Rahmen des CHIO Aachen medial auf sich aufmerksam. Nachdem es bereits verschiedentlich Kaufangebote für Clausen gegeben hatte, entschied sich Kludt dafür, das Pferd zu einem symbolischen Preis hälftig an Holger Wulschner zu verkaufen, da dieses Pferd für Wulschner das Pferd seines Lebens ist. Um einen Verkauf unmöglich zu machen, verschenkte Kludt die restlichen Anteile am Pferd an seine minderjährige Tochter.[5]

  • Clausen (* 1996), brauner Holsteiner Wallach, Vater: Calato, Muttervater: Corleone[6]
  • Cefalo (* 1999), brauner Holsteiner Hengst, Vater: Caretino, Mutter: Echse (stammt ab von Laurin, Echse ist ebenfalls die Mutterstute von Hinrich Romeikes Olympiasiegerpferd Marius)[7][8]
  • Little Liberty (* 2000), brauner Oldenburger Wallach, Vater: Liberty Son, Muttervater: Don Carlos[9]
  • Rabea (* 2001), Oldenburger Fuchsstute, Vater: Landor S, Muttervater: Raphael[10]
  • Salieri (* 1989), Hannoveraner Rapphengst, Vater: Salvano, Muttervater: Servus, aus dem Sport verabschiedet, Salieri hat als Zuchthengst verschiedene Nachkommen, der bekannteste ist der Hannoveraner Salinero (das Erfolgspferd von Anky van Grunsven)[11][12]
  • Capriol (* 1988), dunkelbrauner Holsteiner Hengst, Vater: Capitol, Muttervater: Ladykiller xx, aus dem Sport verabschiedet[13]
  • Prinz Oldenburg (* 1985), Oldenburger Schimmelhengst, Vater: Picasso, Muttervater: Pik Bube, aus dem Sport verabschiedet[14]
  • Missouri (* 1982), Hengst, aus dem Sport verabschiedet, im Herbst 1995 an Paul Schockemöhle verkauft, Pferd nahm mit einem von P. Schockemöhle trainierten saudi-arabischen Reiter an den Olympischen Spielen teil[1]

Erfolge Bearbeiten

  • 2010: 1. Platz im Großen Preis der VR Classics (CSI 3* Neumünster) mit Cefalo, 2. Platz im Großen Preis von Redefin (CSI 2*) mit Little Liberty, 1. Platz im zweiten Großen Preis des Gera Summer Meetings 2010 (CSI 1*) mit Cassius, 1. Platz im Großen Preis von Tschernjachowsk (CSI 4*) mit Rabea
  • 2009: 1. Platz in der Weltcup-Wertungsprüfung von Tschernjachowsk (CSI 3*-W) mit Cefalo
  • 2008: 8. Platz Hamburger Derby mit Cool-Man, 1. Platz im Großen Preis von Nörten-Hardenberg mit Clausen, 1. Platz im Großen Preis von Hickstead (CSIO 5*) mit Clausen, 6. Platz Großer Preis von Balve (CSN***, Rahmenturnier der deutschen Meisterschaft) mit Cefalo, 2. Platz im Nationenpreis von CSIO***** Calgary/CAN mit Clausen, 1. Platz im Nationenpreis von CSIO***** Calgary/CAN mit Clausen
  • 2007: 3. Platz Großer Preis der Hansestadt Hamburg mit Clausen, 4. Platz Großer Preis von Aachen mit Clausen, 1. Platz Nationenpreis CSIO**** Dublin/IRL mit Clausen
  • 2006: 1. Platz Großer Preis CSI*** Neustadt-Dosse mit Clausen, 2. Platz Großer Preis CSN Verden mit Clavio, 1. Platz Großer Preis CSN Mannheim mit Clausen, 1. Platz Großer Preis CSI*** Nörten-Hardenberg mit Clausen, 2. Platz Großer Preis CSI*** Redefin mit Clausen, 6. Platz Großer Preis CSIO***** Calgary/CAN mit Clausen, 1. Platz der Riders Tour Teamwertung (als Teil des Sprehe Feinkost-Teams)
  • 2005: 4. Platz Weltcup-Springen CSI-W Leipzig mit Clausen
  • 2004: 2. Platz Großer Preis des Bremer Pferdesport Festivals mit Dublin
  • 2003: 2. Championat von Bremen mit Dublin
  • 2002: 1. Platz Nationenpreis CSIO Rotterdam mit Cabrol Amicor
  • 2001: 3. Platz Deutsches Spring-Derby Hamburg, 1. Platz Hardenberg Trophy Nörten-Hardenberg mit Salieri, 7. Platz Gesamtwertung Goldzack Riders Tour
  • 2000: 1. Platz Deutsches Springderby Hamburg, 1. Platz Preis der Nationen CSIO Linz
  • 1998: 1. Platz Großer Preis Berlin-Brandenburg, 1. Platz Großer Preis Hamburg
  • 1996: 4. Platz Hamburger Derby
  • 1995: 2. Platz Nationenpreis CSIO Modena
  • 1994: 2. Platz Nationenpreis CSIO Washington
  • 1993: 1. Platz Nationenpreis CSIO-W Sopot
  • 1992: 3. Platz Nationenpreis CSIO Prag

(Stand: 12. September 2010)

Deutsche Meisterschaften:

  • 2008: Platz 10
  • 2007: Platz 9 und 10
  • 2006: Platz 8
  • 2003: Platz 9
  • 2002: Platz 6
  • 1999: Silbermedaille
  • 1998: Platz 4
  • 1996: Bronzemedaille
  • 1994: Platz 12
  • 1992: Platz 13

(Stand: 19. Juli 2010)

Weblinks Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. 1,0 1,1 Meldung „Missouri kommt nach Passin zurück“ vom 21. November 1996
  2. Internetseite des Christmas-Event – CSI Groß Viegeln
  3. Internetseite des Christmas Jump Rostock 2005 und 2006
  4. CSI*** Wiener Neustadt: Nachbarschaftsduell, St. Georg, 11. Oktober 2010
  5. Artikel „Ungewöhnliche Geste bringt Reitsportszene zum Staunen – Der Holsteiner Wallach Clausen an Holger Wulschner verkauft“ vom 12. Juli 2008
  6. FEI-Pferdedatenbank: Clausen
  7. FEI-Pferdedatenbanke: Cefalo
  8. Nachkommen von Echse, Übersicht auf paardenfokken.nl
  9. Grußwort auf der Internetseite von Holger Wulschner, Stand 27. Juli 2010
  10. FEI-Pferdedatenbank: Rabea
  11. FEI-Pferdedatenbank: Salieri
  12. Liste der Nachkommen von Salieri, Übersicht auf paardenfokken.nl
  13. Artikel zu Capriol auf der Seite des Reiterhofs Passin
  14. Artikel zu Prinz Oldenburg auf der Seite des Reiterhofs Passin


Kopie vom 16.02.2011, Quelle: Wikipedia, Artikel, Autoren in der Wikipedia
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