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Pfleger

Helmut Pfleger am 23. Oktober 2008

Helmut Pfleger (* 6. August 1943 in Teplitz-Schönau) ist ein deutscher Schach-Großmeister.

Leben Bearbeiten

Helmut Pfleger ist Sohn des Unternehmers Robert Pfleger.

Den meisten Schachinteressierten ist er durch seine häufigen Auftritte im Westdeutschen Rundfunk bekannt. Mehrere Jahrzehnte standen die WDR-Sendungen Pflegers für einen Großteil der Schach-Berichterstattung im deutschen Fernsehen. Früher moderierte der 1971 an der Universität München promovierte Mediziner, der hauptberuflich Internist und Psychotherapeut mit eigener Praxis ist, Telekollegsendungen im bayerischen Fernsehen über Chemie, Biologie oder Bewegungstherapie. Schachsendungen moderiert er seit 1977, oft gemeinsam mit Vlastimil Hort. Besonderen Stellenwert hatte dabei Schach der Großmeister, die live ausgestrahlte Übertragung der Partie um den Fernsehschachpreis, an der sich seit 1983 Größen wie Anatoli Karpow oder Wladimir Kramnik beteiligten. In der letzten Ausgabe am 22. August 2005 standen sich Pfleger und Hort selbst gegenüber und kommentierten für die Zuschauer ihre Züge.

Den Großmeistertitel errang er 1975.[1] Bis Mitte der 1980er Jahre gehörte er zu den besten deutschen Schachspielern und war bis in die 1990er Jahre aktiver Spieler für den SC 1868 Bamberg in der Schachbundesliga. Pfleger ist vielfacher deutscher Nationalspieler. In den Jahren 1968 und 1970 spielte er bei den Mannschaftsweltmeisterschaften der Studenten jeweils am 1. Brett für Deutschland und erreichte 13 Punkte aus 19 Partien. Zwischen 1964 und 1982 nahm er an sieben Schacholympiaden teil und erzielte dabei 55 Punkte aus 80 Partien.[2] Als bestes Ergebnis seiner Schachkarriere schätzt er seine 12,5 Punkte aus 15 Partien bei der Olympiade 1964 in Tel Aviv-Jaffa ein, bei der die nur aus Amateuren bestehende deutsche Mannschaft einen dritten Platz erreichte.[3] Außerdem spielte er von 1965 bis 1983 bei vier Mannschafts-Europameisterschaften (12,5 Punkte aus 27 Partien) sowie 1985 bei der Mannschafts-Weltmeisterschaft (3,5 Punkte aus 9 Partien).

Im Jahr 1981 führte er während eines eigens zu diesem Zweck durchgeführten Schachturniers in Grünwald sportmedizinische Untersuchungen an den Spielern durch, um zu belegen, dass es sich bei Schach um Leistungssport handelt.

Pfleger publizierte zahlreiche Schachbücher mit wechselnden Ko-Autoren, darunter eine Reihe von Werken zu den Schachweltmeisterschaften von 1981 bis 1995. Zusammen mit Eugen Kurz und Gerd Treppner gab er im Jahr 2003 ein vom Deutschen Schachbund empfohlenes Lehrbuch Schach Zug um Zug heraus. In der Wochenzeitung Die Zeit verfasst er schließlich seit Jahren eine beliebte wöchentliche Kolumne zum Thema Schach.[4]

Seine Elo-Zahl beträgt 2477 (Stand: Februar 2009). Er nimmt jedoch seit 1998 kaum noch am Turniergeschehen teil.

Auszeichnungen Bearbeiten

  • 1975 - Silbernes Lorbeerblatt
  • 1976 - Goldene Ehrennadel des Deutschen Schachbundes[5]
  • 1981 - Goldener Gong für „Schach zum Anfassen“[6]
  • 2009 - Breitensport-Ehrenpreis des Deutschen Schachbundes[7]

Veröffentlichungen Bearbeiten

  • (mit Otto Borik): Schach-WM '81. Karpow−Kortschnoi. Falken-Verlag, Niedernhausen 1981, ISBN 9783806805833
  • (mit Eugen Kurz): Schach: TV-Worldcup '82. Turnier der Schachgroßmeister. Falken-Verlag, Niedernhausen 1982, ISBN 3806841330
  • (mit Eugen Kurz): Turnier der Schachgroßmeister '83. Falken-Verlag, Niedernhausen 1983, ISBN 3806807183
  • (Hrsg.): Die besten Partien deutscher Schach-Großmeister: Klaus Darga, Hans-J. Hecht, Robert Hübner, Barbara Hund, Erik Lobron, Helmut Pfleger, Lothar Schmid, Wolfgang Unzicker. Falken-Verlag, Niedernhausen 1983, ISBN 3806841217
  • (mit Horst Metzing): Schach: Spiel, Sport, Wissenschaft, Kunst. Hoffmann und Campe, Hamburg 1984, ISBN 3455082289
  • (mit Otto Borik und Michael Kipp-Thomas): Schach-WM '85. Karpow−Kasparow. Falken-Verlag, Niedernhausen 1985, ISBN 380680785X
  • (mit Ephraim Kishon und Ossi Weiner): Der Schachcomputer: Gegner und Freund. Nymphenburger, München 1986, ISBN 3485016969
  • (mit Otto Borik und Michael Kipp-Thomas): Die Schach-Revanche. Karpow/Kasparow 1986. Falken-Verlag, Niedernhausen 1986, ISBN 3806808317
  • (mit Otto Borik und Michael Kipp-Thomas): Schach-WM 87. Karpow/Kasparow. Falken-Verlag, Niedernhausen 1987, ISBN 3806809100
  • (mit Otto Borik): Schach-WM 1990. Kasparow−Karpow. Falken-Verlag, Niedernhausen 1991, ISBN 3806811229
  • (mit Gerd Treppner): So denkt ein Schachmeister. Strategische und taktische Analysen. Edition Olms, Zürich 1993, ISBN 3283003173
  • (mit Hartmut Metz): Schach-WM 1993. Kasparow−Short / Karpow−Timman. Edition Olms, Zürich 1994 (2. Auflage), ISBN 3283002762
  • (mit André Behr): Schach-WM 1995. Kasparow−Anand. Edition Olms, Zürich 1995, ISBN 3283002959
  • (mit Eugen Kurz und Gerd Treppner): Schach Zug um Zug. Bauerndiplom, Turmdiplom, Königsdiplom. Bassermann, München 2003, ISBN 3806827052

Die Schachkolumnen in der Wochenzeitung Die Zeit wurden auch in Buchform veröffentlicht: Schachkabinett (1987, ISBN 3806808775); Taktik und Witz im Schach (1992, ISBN 3283002525); Schwupps, da war der Bauer weg (1998, ISBN 3283003548); Schachpuzzle-Buch (2002, ISBN 3283004501); Schach Knockouts (2006, ISBN 3283004560); Zeit-Schachspalten (2009, ISBN 9783283010126). Regelmäßige Schachkolumnen erscheinen auch im Deutschen Ärzteblatt. Außerdem veröffentlichte er für ChessBase zwei DVDs Die schönsten Partien der Schachgeschichte.

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Willy Iclicki: FIDE Golden book 1924-2002. Euroadria, Slovenia, 2002, S. 76
  2. MEN'S CHESS OLYMPIADS - Pfleger, Helmut (Germany) auf OlimpBase (englisch)
  3. New In Chess, Nr. 5, 2008, S. 98
  4. Schachspalte Pflegers in der ZEIT
  5. Ehrungen im Bereich des Deutschen Schachbundes
  6. Hinweis auf Pfleger als Preisträger 1981 auf der Gong-Website
  7. Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft 2008/2009

Weblinks Bearbeiten


Kopie vom 16.02.2011, Quelle: Wikipedia, Artikel, Autoren in der Wikipedia
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