FANDOM


Das Haus der Sing-Akademie zu Berlin ist eine Konzerthalle in Berlin, die für die Sing-Akademie zu Berlin erbaut wurde.

Schinkelentwurf Bearbeiten

Sing-Akademie Berlin 1 Entwurf

Schinkels nicht verwirklichter erster Entwurf der Sing-Akademie, 1821

1821 legte der Architekt, Baumeister und Freund Zelters Karl Friedrich Schinkel einen Entwurf für das Gebäude der Sing-Akademie auf dem ihr vom König geschenkten Grundstück hinter der Neuen Wache vor. Schinkel entschied sich für ein zweigeschossiges Gebäude. Der Fußboden des Konzertsaales ist wenige Stufen über ebener Erde und ohne Unterkellerung angeordnet. Auf dem Gebäudefirst wird eine Lyra mit Fischvoluten und Schwanbekrönung und im Giebeldreieck Griechisches emblematisiert.

Der Saal ist im Entwurf zweigeschossig gestaltet. Eine Sockelausbildung umfasst das Saalgrundgeschoss, in dessen Eingangsschmalseite sich die Türen vom Eingangsraum hereinführend befinden, an der Szeneseite das „Amphitheater des Chores“ ansteigend. Die Innenarchitektur des Obergeschosses bietet auf der Sockelausbildung eine Inszenierung von saalrundum angeordneten freistehenden dorischen Säulen. Es ergeben sich hinter den Säulen je Seite eine schmale Seitenempore für je nur eine Sitzreihe. Die rückwärtige Empore über dem Eingangsraum ist mit fünf ansteigenden Sitzreihen besetzt hinter einer zwischengestalteten Galerie als Säulen-Doppelstaffelung. Demgegenüber, hinter dem Podium der Sänger, befindet sich in variabler Raumzuordnung der Kleine Saal, also hinter den vier freistehenden dorischen Säulen. Die sich ergebenden fünf Öffnungen zum „Saal für den Winter und für kleinere Übungen“ erhalten also aus der Idee der Raumvariabilität: „Thüren, welche man nach unten verschwinden lassen kann, wodurch diese beiden Säle vereinigt sind“, wie Schinkel auf der Zeichnung vermerkt. Ein Saal also, einem höchst konzentrierten und streng disziplinierten Architekturwollen verpflichtet, der Vorrangiges dem Dienst am Musikleben schuldet.[1]

Ottmer-Entwurf und Bauausführung Bearbeiten

Sing-Akademie-, Preuß.Nationalversamml

Konstituierende Sitzung der Preußischen Nationalversammlung in der Sing-Akademie zu Berlin 1848, Holzstich

Der Braunschweigische Architekt Carl Theodor Ottmer beließ unter Verwendung des Schinkelentwurfs das Raumangebot einschließlich Kleinem (Winter-) Saal und fügte als eigentliches Gewinnangebot das gesamte Entrée-Erdgeschoss neu ein, so dass der Saal in das Obergeschoss gelegt ist. Der Entwurf brachte die gewünschte eigene Konzerthausstruktur, wobei die Anordnung nur einer Seitenempore dem Saal das Moment einer oft als störend empfundenen Dynamik anstatt architektonische Eindeutigkeit brachte.

Die Bautätigkeiten begannen im Mai 1825 neben dem Festungsgraben. Der hohe Grundwasserstand behinderte die Grabarbeiten, so dass ein ganzes Kellergeschoss tief in die Erde gegraben und der Keller gebaut werden musste, wie Zelter gegenüber Goethe klagte. Beim Richtfest mit dem Rohbau am 25. November 1826 waren die Schinkelschen Gesamtkosten bereits aufgebraucht. Am 8. April 1827, nach zweijähriger Bauzeit, erfolgte die feierliche Einweihung des Hauses, welches fortan der Institution als Heimstätte und Vortragsort diente.

Architekturbezogen interessant ist die für die 1848 abgehaltenen Sitzungen der Preußischen Nationalversammlung gewählte Querbestuhlung gegen die an der Längsseite (Westseite) des Saales befindlichen Fenster. Vom Vortragenden aus betrachtet befindet sich die Bestuhlung in klassischer Symmetrieanordnung. Im Rücken der Querreihen mit Blick zu den Seitenfenstern liegt die Seitenempore. Die Säulenstellung des Kleinen Saales sowie die der Eingangsempore befinden sich im Rücken der Längsbestuhlung. Diese gewählte Sitzanordnung lässt den Redner und die offene Debatte viel stärker im Zentrum des Geschehens stehen, als wenn die übliche „frontale Konzertbestuhlung“ belassen worden wäre.

1865 erfolgte eine innere Umorganisation der Erschließungsräume des Saales nach Plänen des Architekten Martin Gropius, um weitere Zuhörerplätze unter der rückwärtigen Empore zu gewinnen sowie später der Einbau einer Orgel.

1875 wird ein zusätzlicher Treppenhausanbau an der Südwestecke errichtet – in der Architektur mehr Beeinträchtigung, in der Nutzung des Konzerthauses eine flexible Maßnahme.

1888 wird ein zweiter Treppenhausanbau an der Nordwestecke errichtet, die Auflassung des Kleinen Saales – benannt Cäciliensaal – und der Umbau zur endgültigen Podiumsvergrößerung vorgenommen. Das Haus hatte gezeigt, welchen Karriereanstieg der Sing-Akademie es mittragen konnte.[2]

Bedeutung des Hauses Bearbeiten

Direktor Zelter und die Sing-Akademie hatten vielerlei Probleme mit Finanzen und schwierigem Baugrund zu bewältigen. Schinkels Entwurf war zuvor aus Kostengründen verworfen worden. Bereits 1812 hatte Schinkel einen Saalentwurf für die Sing-Akademie bei der Akademie der Künste vorgestellt, der seitens der Akademie wegen eigenen Platzmangels etwas rüde abgelehnt wurde.

Der älteste und größte Konzertsaal Berlins war von Anfang an wegen seiner hervorragenden Akustik viel gerühmt. Hier konzertierten die größten Künstler ihrer Zeit, wie Niccolò Paganini, Franz Liszt, Clara und Robert Schumann, Anton Grigorjewitsch Rubinstein oder Johannes Brahms.
Marlene Dietrich - Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt März1930

„Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ auf Electrola, aufgenommen in der Singakademie 1930, Schellackplatte

Von 1926 bis 1943 entstanden hier eine ganze Reihe von Schallplatteneinspielungen: ab Herbst 1926 machte die Electrola zahlreiche Aufnahmen, so mit der Staatskapelle Berlin unter Dirigenten wie Leo Blech, Erich Kleiber und Otto Klemperer, aber auch der weltbekannte Ufa-Filmsong „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ der großen Marlene Dietrich wurde in der Sing-Akademie aufgenommen (Musik und Text: Friedrich Holländer und seine Jazz-Symphoniker. Electrola EG 1770 (Matr.: BLR 6033-1), 6. Februar 1930). 1932 schloss die Telefunken-Platte einen Exklusivvertrag mit der Sing-Akademie und hatte nunmehr das alleinige Recht für Schallplattenaufnahmen in ihrem Saal; die technischen Aufnahmeeinrichtungen wurden im Keller des Gebäudes untergebracht. Jedes Jahr wurden mehrere hundert Einspielungen gemacht, so mit den Berliner Philharmonikern unter Wilhelm Furtwängler oder Willem Mengelberg, mit Künstlern wie Peter Igelhoff oder Peter Kreuder.[3]

Die Sing-Akademie vermietete den großen Saal jedoch ebenso für zumeist wissenschaftliche Veranstaltungen an die Großen und Bedeutenden ihrer Zeit: Alexander von Humboldt hielt hier seine „Kosmos-Vorlesungen“, Rudolf Virchow einen Vortrag „Goethe als Naturforscher“, Ferdinand Graf von Zeppelin „Die Eroberung der Luft“, Ernst Haeckel Vorträge, unter anderem „Der Kampf um den Entwicklungs-Gedanken“ (3) und „Über unsere gegenwärtige Kenntnis vom Ursprung des Menschen“, Berthold Auerbach „Goethe und die Erzählungskunst“ oder – gehalten jeweils für den Wissenschaftlichen Verein in der Sing-Akademie – der Freund Heinrich Schliemanns, Friedrich Adler, einen Vortrag „Die Weltstädte in der Baukunst“, Heinrich Adolf von Bardeleben „Ueber die Theorie der Wunden und die neueren Methoden der Wundbehandlung“, Alexander Braun „Die Eiszeit der Erde“, Ernst Curtius „Die Akropolis von Athen“ und viele andere.

Vom 22. Mai bis September 1848 tagte die Preußische Nationalversammlung im Gebäude der Sing-Akademie zu Berlin.

Das Haus wurde im Zweiten Weltkrieg 1943 stark beschädigt. Die unschätzbar wertvolle Notenbibliothek war zuvor auf Betreiben des damaligen Sing-Akademie-Direktors Georg Schumann ausgelagert und somit vor der Vernichtung bewahrt worden. Die Sing-Akademie mit Mitgliedern aus der gesamten Stadt Berlin verlegte infolge der Beschädigung des Hauses ihre Arbeit in den Westsektor nach Steglitz (Titania-Palast).

Berlin Maxim-Gorki-Theater

Berlin, Maxim-Gorki-Theater
(1827–1943 Sing-Akademie zu Berlin)

Das Stammhaus am Kastanienwäldchen wurde nach Ende des zweiten Weltkrieges durch die sowjetische Besatzungsmacht beschlagnahmt, unter sowjetische Verwaltung gestellt und 1947 als Theaterhaus des benachbarten Hauses der Kulturen der Sowjetvölker wieder aufgebaut. 1952 zog in das Gebäude das Maxim-Gorki-Theater.

Mitte der 1960er Jahren wurde die Sing-Akademie zu Berlin durch die DDR-Verwaltung kurzerhand aus dem Grundbuch als Eigentümerin des Stammhauses am Kastanienwäldchen widerrechtlich gestrichen und stattdessen „Eigentum des Volkes“ eingetragen. Seit 1991 bemüht sich die Sing-Akademie um Berichtigung der Grundbücher und Rückgabe ihres Eigentums. Inzwischen liegt ein für die Sing-Akademie günstiges rechtskräftiges Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin vor (Urteil der 25. Kammer vom 3. Dezember 2004–VG, AZ: 25 A 240.99)[4]. Danach ist die Sing-Akademie zu Berlin stets Eigentümerin ihres Hauses geblieben. Anzustreben ist lediglich eine Grundbuchänderung auf zivilrechtlichem Weg oder über Verhandlungen mit der Berliner Senatsverwaltung.

Das zum hundertjährigen Bestehen der Institution 1891 auf dem Platz vor dem Haus errichtete, in den 1930er Jahren abgebaute und seit 1947 im Märkischen Museum aufbewahrte Denkmal des Chor-Gründers Carl Friedrich Christian Fasch sollte 2008 an alter Stelle wieder errichtet werden.[5] Eine Umsetzung steht indes bis heute aus.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Redlich, Horst u. Chr.: Das Haus der Chormusik, Berlin 1998, 6 ff
  2. Redlich, Horst u. Chr.: Das Haus der Chormusik, Berlin 1998, 8 ff
  3. Hansfried Sieben: Herbert Grenzebach: ein Leben für die Telefunken-Schallplatte, Düsseldorf 1991, S. 37-39
  4. berlin.de: Sing-Akademie ist Eigentümerin ihres Grundstücks geblieben, Pressemitteilung Berlin, den 3. Dezember 2004
  5.  berlin.de: Haushaltsplan von Berlin für die Haushaltsjahre 2006/2007, Band 8, Einzelplan 12, Seite 130


Kopie vom 17.12.2009, Quelle: Wikipedia, Artikel, Autoren in der Wikipedia
Lokale Autorenseite, Lizenz: GFDL, CC-by-sa 3.0
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA , sofern nicht anders angegeben.