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Die Hambach-Gesellschaft ist ein eingetragener Verein (e.V.) in Deutschland für historische Forschung und politische Bildung. .

Gründung Bearbeiten

Im Frühjahr 1832 planten Neustädter Bürger, am 26. und 27. Mai den Jahrestag der bayerischen Verfassung von 1818 mit einem Fest zu feiern. Dem von Philipp Jakob Siebenpfeiffer umfunktionierten Aufruf in der liberalen Presse folgten etwa 20 bis 30.000 Gäste aus Deutschland und dem benachbarten Ausland. Man wollte nach Wegen suchen, „für Abschüttelung innerer und äußerer Gewalt, für Erstrebung gesetzlicher Freiheit und deutsche Nationalwürde“. Unter den Teilnehmern waren nicht nur Besitz- und Bildungsbürger, Kaufleute und wohlhabende Handwerksmeister, die die Initiative ergriffen hatten, sondern auch Studenten, Gesellen, Kleinbauern und Tagelöhner. Warum aber waren Zeitgenossen und Nachwelt von diesem Fest so tief beeindruckt? Zum einen wurde dadurch sichtbar, zu welch einer für damalige Verhältnisse ungeheuren Massenbewegung die demokratische und freiheitliche Opposition angewachsen war, zum anderen horchte man auf, mit welcher Kühnheit die Macht- und Herrschaftsstrukturen in den deutschen Fürstenstaaten in Frage gestellt, gesellschaftliche Reformen und ein deutscher Nationalstaat gefordert wurden. Nachdem aber denjenigen, die das verlangt hatten, in der Revolution von 1848 / 49 die Chance zum politisch-gesellschaftlichen Wandel erhalten hatten und sie scheiterten, geriet auch das Hambacher Fest zunächst im allgemeinen Bewusstsein in Misskredit und Vergessenheit. Umso heller strahlte der Mythos bei allen, die die freiheitlichen Traditionen der deutschen Geschichte fortführen wollten. Und so war es nicht erstaunlich, dass nach der Weimarer Republik sich auch die Bundesrepublik in diese Kontinuität stellte.

Seinen sichtbarsten Ausdruck fand dies bei den vom Land Rheinland-Pfalz mit breiter Unterstützung der Region organisierten Feiern zum 150. Jahrestag des Festes 1982. Dazu wurde das Hambacher Schloss so renoviert, dass es seitdem als Ort von Veranstaltungen unterschiedlicher Art dienen kann und eine viel beachtete, lange gezeigte Jubiläumsausstellung konzipiert. Dies sowie die begleitenden Veranstaltungen fanden deutschlandweit Beachtung und haben nachdrücklich zu einer erhöhten Wertschätzung des Hambacher Festes und der von ihm ausgehenden Impulse geführt. Daran knüpfte das Komitee, das die Feiern vorbereitet hatte, an, indem es die Beschäftigung mit den Ideen und Forderungen von 1832 verstetigen und institutionalisieren wollte. An die praktische Umsetzung solcher Überlegungen machten sich zunächst zwei Neustädter, Stadtarchivar Claus-Peter Westrich und Rechtsanwalt Hans Schröter. Mit einigen Gleichgesinnten, u.a. Joachim Kermann vom Landesarchiv Speyer, dem Vorsitzenden des Literarischen Vereins der Pfalz, Wolfgang Diehl, und dem Hambacher Ortsvorsteher, Benno Zech, kamen sie überein, einen eingetragenen Verein zu gründen und entwarfen dessen Konzept wie dessen Satzung.

Nach Abschluss der Arbeiten lud der Vorbereitungsausschuss zur Gründungsversammlung der „Hambach-Gesellschaft für historische Forschung und politische Bildung e. V.“ am 8. Juni 1986 auf das Schloss ein. Nachdem den etwa 80 Anwesenden die Ziele wie die Satzung der parteipolitisch und konfessionell unabhängigen Gesellschaft vorgestellt worden waren, entschlossen sich 49 zum Beitritt und wählten einen Gründungsvorstand. Er traf sich am 9. September des Jahres, um die erste ordentliche Mitgliedersammlung vorzubereiten. Zwei Monate später kam diese im Alten Hambacher Rathaus zusammen, das seitdem Tagungsstätte ist. Die Satzung wurde endgültig verabschiedet und ein Vorstand unter dem Vorsitz des Stadtarchivars von Neustadt, Claus-Peter Westrich, auf drei Jahre gewählt. Ihm folgte lange Jahre Rechtsanwalt Hans Schröter, der den weiteren Ausbau erfolgreich vorwärtstrieb. Seit 2014 wird die Hambach-Gesellschaft von Wilhelm Kreutz von der Universität Mannheim geführt.

Tätigkeit Bearbeiten

Seit ihrem Bestehen ist die Hambach-Gesellschaft den beiden Zielen, die in ihrem Namen zum Ausdruck kommen verpflichtet. Sie pflegt die historische Forschung durch öffentliche Vorträge, wissenschaftliche Kolloquien und vor allem durch die jährliche Herausgabe eines Jahrbuchs. Das mit dem Schlagwort „Hambach“ abgesteckte Feld wird dabei sachlich wie zeitlich weit gefasst. Ein Schwerpunkt liegt auf den demokratischen und liberalen Bewegungen, die zum Hambacher Fest geführt haben und von ihm ausgegangen sind, bis zum Höhepunkt der Revolution von 1848 / 49. Doch wird auch den Wurzeln solcher Traditionen bis in die Aufklärung des 18. Jahrhunderts nachgespürt und deren Auswirkungen vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart untersucht. Die Entwicklung wird nicht allein auf die Politik reduziert, der Blick geht auch auf Recht, Verfassung, Wirtschaft, Gesellschaft und vor allem das geistige Leben. Die Einflüsse von draußen finden ebenso Beachtung wie die gesamteuropäischen Zusammenhänge. Durch Vorträge und Tagungen bemüht sich die Gesellschaft vor allem darum, mit Hilfe anerkannter Fachleute das Bewusstsein um „Hambach“ in der Heimat des Festes von 1832 wach zu halten, hingegen werden durch die Publikationen Interessenten im In- und Ausland erreicht.

Die Hambach-Gesellschaft kann aufgrund dieser Forschungen für sich in Anspruch nehmen, erneut das Interesse auf einige vergessene „Hambacher“ gelenkt wie die Sicht auf einige führende Aktivisten und geistigen Wegbereiter ergänzt oder revidiert zu haben. Schließlich wurden Vorgeschichte, das weitere Umfeld des Hambacher Festes wie auch der sich darum rankende und bis heute fortwirkende Mythos einer erneuten kritischen Deutung unterzogen. Die Linien wurden aber auch nach vorne bis in die Gegenwart ausgezogen – mit einem Schwergewicht auf Parlamentarismus, demokratischen Bewegungen und Parteien wie auch der Behauptung der Freiheit im Namen der Menschenrechte in den Diktaturen des 20. Jahrhunderts. Im Jahrbuch zum 175jährigen Jubiläum wurde dann eine Bestandsaufnahme solcher Bemühungen vorgelegt.

Ihrem Auftrag zur politischen Bildung im Sinne der Hambacher Tradition kommt die Gesellschaft vor allem durch Podiumsdiskussionen auf dem Hambacher Schloss nach. Hier führen renommierte Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Publizistik in aktuelle Themen ein, die sie im anschließenden Disput vertiefen. So wurde im 60. Jahr ihres Bestehens der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland unter der Fragestellung „Das Grundgesetz und was daraus geworden ist“ gedacht. Frühere Themen waren die Rechte der Frauen in der heutigen Gesellschaft, Fragen der Bildung und der Medien, aber auch schon mal sportliche, politisch-gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte des Fußballs. Diese Veranstaltungen finden stets eine angemessene Resonanz in den Medien und bei der interessierten Öffentlichkeit regen Zuspruch. Der selbst gestellten Aufgabe, auch mit künstlerischen Mitteln in die Öffentlichkeit zu wirken, wurde durch Ausstellungen, Buchpräsentationen, Lesungen und szenische Darstellungen nachgekommen.

Die Hambach-Gesellschaft will also durch wissenschaftliche Arbeit die demokratischen Traditionen der deutschen Geschichte für heute fruchtbar machen und zugleich die für ein demokratisches Gemeinwesen unverzichtbaren Kenntnisse, Tugenden und Werte verbreiten helfen. Sie bietet Fachwissenschaftlern, Landeskundlern wie politisch oder historisch Interessierten ein Forum, um sich in diesem Sinne einzusetzen. Daher würden die rund 100 Mitglieder jeden herzlich begrüßen, der sich ihnen anschließen möchte.

Siehe auch Bearbeiten

Weblinks Bearbeiten


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