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Giessener Wingolf Chargierter-1861

Chargierter des Gießener Wingolf 1861

Der Gießener Wingolf ist eine christliche, überkonfessionelle Studentenverbindung. Sie wurde nach verschiedenen Vorstufen am 15. August 1852 an der damaligen hessischen Landesuniversität in Gießen, der Ludoviciana, gegründet. Der Gießener Wingolf ist damit die älteste nicht-schlagende Korporation in Gießen und im damaligen Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Der große Anteil an evangelischen Theologen unter seinen Mitgliedern machte ihn zu einer bestimmenden Kraft innerhalb der Evangelischen Landeskirche von Hessen-Nassau[1]. In Gießen wurde ab den 1890er Jahren das Bundesarchiv des Wingolfsbundes eingerichtet und die wesentlichen historischen Arbeiten zum Wingolf geleistet.

Eine besondere Bedeutung hat der Gießener Wingolf für die hessische Landesgeschichte, da der sogenannte Kaufmann-Will-Kreis mit einer Reihe Gießener Wingolfiten und dem Gießener Wingolfshaus verbunden wird. Eine weit über Gießen hinausgehende Bedeutung hatten auch mehrere Mitglieder des Gießener Wingolf, so einer der bedeutendsten Schüler Justus von Liebigs, Jacob Volhard, Theologen wie Ferdinand Kattenbusch und der als „Prediger von Buchenwald“ bekannt gewordene Pfarrer Paul Schneider. Der Gießener Wingolf ist Mitglied im Wingolfsbund und war seit 1854 achtmal dessen präsidierende Verbindung (Vorort).

Geschichte Bearbeiten

Vorgeschichte Bearbeiten

Der ritterliche Kahl - um 1819

„Gießener Schwarzer“ um 1819

Am Ende der Napoleonischen Befreiungskriege 1815 verstärkte sich nach knapp 25 Jahren politischer und wirtschaftlicher Instabilität in Mitteleuropa die Hinwendung zu religiösen Fragen. Diese orientierte sich weniger an der rationalen Theologie im Zuge der Aufklärung als vielmehr an einer neuen verinnerlichten, pietistischen Strömung. Gleichzeitig ist in den studentischen Vereinigungen ein deutliches religiöses Moment festzustellen; so trugen 1814 die Mitglieder der „Teutschen Lesegesellschaft“ in Gießen (Vorläufer der Gießener Schwarzen) als Zeichen ihres christlichen Prinzips ein Kreuz am schwarzen Barett, sie verfochten neben dem National-Vaterländischen eine strenge christliche Sittlichkeit und Keuschheit[2]. Das erste Wartburgfest 1817 (anlässlich des 300. Jahrestages von Luthers Thesenanschlag) erlebte nicht nur die Verbrennung der „alten Zöpfe“, sondern als viel zentralere Veranstaltung die gemeinsame Feier des Abendmahles. Es existierte also in den frühen burschenschaftlichen Bestrebungen bereits ein deutlicher protestantischer Akzent. Doch im Zuge der politischen Radikalisierung und Konflikte nach den Karlsbader Beschlüssen 1819 und dem Hambacher Fest 1832 wurden die christlichen Beweggründe zunehmend vom Politischen, Nationalen und Duellwesen innerhalb der Studentenschaft zurückgedrängt.

Den politischen Bestrebungen entgegengesetzt verbreitete sich in der Studentenschaft die Strömung des damals sogenannten „neuerwachten Glaubensleben“ oder auch Neupietismus. Sie war typischerweise keine kirchliche Bewegung, sondern entwickelte sich in den 1830er Jahren in kleineren, bürgerlichen Zirkeln und „Erbauungskränzchen“. Die einflussreichsten Theologen dieser Richtung der Erweckungstheologie waren beispielsweise August Neander und August Tholuck. Die Zentren dieser Bewegung an den Universitäten waren zunächst Berlin, Halle, Erlangen und Bonn. An der hessischen Landesuniversität in Gießen waren hingegen fast ausschließlich Dozenten des theologischen Rationalismus vertreten; Studenten mit erweckungstheologischem Hintergrund aus Hessen-Darmstadt nahmen ihr Studium bis in die 1830er Jahre an anderen Universitäten auf. So finden sich aus Gießen stammende Studenten als Mitglieder der frühen CStV Uttenruthia Erlangen 1839, des Erbauungskränzchens in Jena 1841 und des ersten Berliner Wingolfsvereins 1841.[3]

Rosenbund 1841 und Allemannia 1844 Bearbeiten

Giessener Wingolf E-Wolff-1852

Gießener Wingolfit in altdeutscher Tracht, 1852

Um Prinzessin Elisabeth von Preußen bildete sich nach ihrer Hochzeit mit Karl Wilhelm Ludwig von Hessen 1836 am Hof und der Hofkirche in der Residenzstadt Darmstadt ein von Berlin beeinflusstes Sammelbecken des „neuerwachten Glaubenslebens“. In diesem Darmstädter Umfeld wuchs auch Gustav Baur (1816–1889) auf, der 1841 als Privatdozent und 1847 als Professor für Theologie in Gießen lehrte. Sein jüngerer Bruder Wilhelm Baur (1826–1897) gründete ab 1840/41 einen christlich-literarischen Kreis am Gymnasium in Darmstadt, dessen „Bundesbrüder“ besonders die Autoren des Göttinger Hainbundes und Klopstock verehrten. Mit dieser literarischen Prägung, der erweckungstheologischen Absicht und dem Willen zur jugendlichen Verbrüderung hatte dieser Kreis, der sogenannte „Rosenbund“, Anteil an den geistigen Wurzeln der späteren Wingolfsverbindungen.[4] Die Mitglieder des Rosenbundes bezogen ab 1843 die Landesuniversität in Gießen. Hier trafen sie jedoch ausschließlich auf Corps, ohne dass ein christliches Moment vertreten wäre. So gründeten sie 1844 die burschenschaftliche Reformverbindung Allemannia, die das Duell ablehnte und auf einem christlichen Fundament stand[5]. Die Allemannia entwickelte sich zu einem Sammelbecken all jener, die das bisherige Verbindungsleben im Zuge des „Progreß“ ablehnten. Diese Allemannia nahm noch im selben Jahr Kontakt zum Bonner Wingolf auf und bat um ein Treffen, „um sich vom Corpsunwesen loszusagen“. [6] Dies bedeutete: Ablehnung von Duell, Mensur und exzessiven Trinksitten, stattdessen Streben nach christlicher Lebensführung. Zu weiteren Kontakten kam es jedoch nicht, da sich die Allemannia in drei Verbindungen aufspaltete, darunter die besonders von Theologen dominierte Cattia von 1845. Die Cattia löste sich nach der Märzrevolution 1850 auf; ein Mitglied trat später dem Gießener Wingolf als geistiger Nachfolgeverbindung bei.[7]

Gründung 1852 Bearbeiten

Giessen Wingolfshaus Gleiberg

Burg Gleiberg

Auch nach 1848 behielt Gustav Baur seinen theologischen Kreis bei. Ein weiterer Bruder von ihm, Hermann Baur, bezog 1851 die Gießener Universität und es formierte sich aus diesem Kreis ein wingolfitischer Verein. Zentrale Personen waren der vom Marburger Gymnasium (unter August Vilmar) kommende Otto Zöckler sowie zwei Mitglieder des sogenannten „Nassauer Hofs“ (Vorläuferkreis der Gießener Burschenschaft Germania 1851) Otto Schlapp und Friedrich Meyer. Gefördert und unterstützt wurde dieser noch lose Verein durch den Rektor der Universität Friedrich Gotthilf Osann (1794–1858). Der Verein nahm Kontakte zu den Wingolfen in Halle und Marburg auf. Nach dem Besuch des Wartburgfestes des Wingolfs 1852 in Eisenach beschlossen die 14 Mitglieder des Vereins die Gründung eines Wingolf. Am 1. Juli 1852 wurde die Statuten verabschiedet und die Stiftung am 15. August in der Gaststätte „Zum schwarzen Walfisch“ auf der bei Gießen gelegenen Burg Gleiberg vollzogen. Das 1852 festgelegte (und bis heute gültige) Prinzip zeigt Züge der Theologie Schleiermachers („Durchdringung aller Lebensbereiche“) und ist von seinem Wesen her überkonfessionell angelegt, wie die gesamte damalige Erweckungsbewegung nicht konfessionell gebunden war. Das Prinzip lautet:

„Der Wingolf ist eine Studentenverbindung, die es sich zur Aufgabe macht, den Glauben an Christum, welcher die ganze Menschheit erfüllen soll, zu dem Grunde zu machen, durch welchen sie sowohl das wissenschaftliche Treiben als auch das persönliche Leben allseitig läutern und durchdringen soll.“

Im Gegensatz zu anderen Verbindungen (auch Wingolfsverbindungen) legten die Gießener Statuten die Führung der Verbindung in die Hände von zwei Präsides (Erster (x) und Zweiter (xx) Präses), die alle sechs Wochen neu gewählt wurden. Die Bezeichnungen Senior und Kneipwart wurden explizit vermieden.

Die ersten Jahre bis 1870 Bearbeiten

EM Arndt Brief-1860

Brief Ernst Moritz Arndts vom 2. Januar 1860 an den Gießener Wingolf

Giessener Wingolf 1863

Exbummel der Aktivitas 1863

Die Verbindung bekam rasch großen Zulauf, so dass 1854 als dritte Charge die des Fuchsmajor eingeführt wurde. Daher wird bis heute im Unterschied zu anderen Korporationen dieser als xxx bezeichnet. Regelmäßige Treffen mit dem Bonner Wingolf wurden in Burbach (Siegerland), mit dem Marburger Wingolf auf der Burg Staufenberg (Staufenberger Konvention) abgehalten. Selbst August Tholuck besuchte 1854 die Gießener, um die Kontakte zu Halle zu vertiefen. Bei den Besuchen der Aktivitas in Bonn wurden die Vorlesungen des emeritierten Ernst Moritz Arndt gehört, mit dem der Gießener Wingolf in Korrespondenz trat. Arndt sah den Wingolf als Bundesgenossen „gegen die alten Erbübel deutscher Universitäten“ (Duelle und Trinkgelage). Bereits 1854 leitete Gießen den Kommers des Wartburgfestes des Wingolfs, 1858 wurde der Verbindung die Präsidentschaft des Wartburgfestes übertragen. Im selben Jahr konstituierte sich eine erste Altherrenorganisation, die als „Philisterausschuß“ bis zur Gründung des eigentlichen Philistervereins 1871 bestand und als erste Altherrenorganisation im Wingolfsbund gilt. Als Gegengewicht zum Gießener Senioren-Convent wurde im Wintersemester 1861/62 zusammen mit den Gießener Burschenschaften Alemannia und Germania der Gießener Präsiden-Convent (PC) gegründet.[8]

Die politischen Verwerfungen nach dem deutsch-deutschen Krieg 1866 trafen auch den Wingolf, wo teilweise die Annexion etlicher Gebiete durch Preußen zu Konflikten führte. 1867 übernahm Gießen den Vorsitz des Bundes und versuchte mit dem Entwurf einer gänzlich neuen Verfassung für den Wingolfsbund einen geeigneten Ausgleich zwischen Einzelverbindung und Wingolfsbund zu finden. Dieser Gießener Entwurf wurde 1869 angenommen und gilt bis heute in ihren Grundzügen als vorbildlich und richtungsweisend für den Wingolfsbund.

Giessen-Universitaet-Gedenkstein-1871

Gedenkstein im alten Botanischen Garten der Universität Gießen

Etliche Mitglieder mussten an dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 als Kombattanten, Feldgeistliche oder Lazarettärzte teilnehmen. Von den drei gefallenen Angehörigen der Gießener Ludwigs-Universität, zu deren Gedenken im Botanischen Garten ein Monolith errichtet wurde, waren zwei Mitglied des Gießener Wingolf.

Kaiserreich Bearbeiten

Giessener Wingolf Wingolfshaus-1895

Wingolfshaus 1895

Kurz vor Gründung des Kaiserreiches wurde die Altherrenschaft 1870 in einem in Frankfurt am Main stattfindenden sogenannten „Frankfurter Philistertag“ zusammengeführt, der zunächst zweijährlich und ab 1890 jährlich stattfand[9]. Durch die nun auch im Wingolfsbund erscheinenden „Wingolfsblätter“ konnte der Kontakt deutschlandweit intensiviert werden. Der Gießener Wingolf schloss sich gemeinsam mit dem Bonner, Marburger und Heidelberger Wingolf 1873 zu einer Konvention (Kartell) zusammen und trafen sich seither regelmäßig zunächst in Limburg an der Lahn, schließlich in Diez zur Diezer Konvention. Innerhalb des Wingolfsbundes kam es zu prinzipiellen Streitfragen über die Auslegung des christlichen Prinzips und zur Ablehnung des Duells auch bei Mitgliedern, denen der damalige Ehrenkodex als Offiziere die Satisfaktion mit der Waffe und damit das Duell auferlegte. Ein Streit zwischen dem Leipziger Wingolf und dem Hallenser Wingolf führte zur Auflösung des Wingolfsbundes. In dieser Zeit übernahm der Gießener Wingolf kommissarisch den Vorsitz des Bundes, organisierte das „Wartburgfest ohne Wingolfsbund“ 1878 und legte die Grundlage zur Wiedergründung im selben Jahr.

Oft wechselnde Kneiplokale und eine größer werdende Aktivitas führten zum Wunsch nach einem eigenen Haus. Anlässlich des 40. Stiftungsfestes 1892 wurde der Bau beschlossen, im folgenden Jahr der „Hessische Wingolfsverband e.V.“ als Bauträger gegründet und Anleihen bei den Mitgliedern erworben. Die Grundsteinlegung erfolgte am 27. Juli 1893, nur ein Jahr später konnte das durch das Architekturbüro Stein & Meyer errichtete Wingolfshaus in der neu erschlossenen Wilhelmstraße im oberen Universitätsviertel eingeweiht werden.[9][10] Damit besaß der Gießener Wingolf nach dem Corps Hassia und dem gleichzeitig entstandenen und benachbarten Haus des Corps Starkenburgia das dritte Verbindungshaus in Gießen.

Bereits zuvor wurde die Geschichte des Wingolfsbundes durch den Gießener Theologen und Historiker Hans Waitz erforscht und die Gründung eines Bundesarchives für die umfangreichen Akten des Wingolfsbundes angemahnt. Dieses wurde in den 1890er-Jahren im Gießener Wingolfshaus eingerichtet und ermöglichte Waitz die Publikation der „Geschichte des Wingolfsbundes“ (1896, 1904 und 1926) und die „Geschichte der Wingolfsverbindungen“ (1913). Zusammen mit den heraldischen Publikationen von Hermann Knodt gilt daher der Gießener Wingolf als Zentrum der Erforschung der Wingolfsgeschichte.

Weimarer Republik Bearbeiten

Nach Ende des Ersten Weltkrieges kam es im Zuge der politischen Instabilitäten und der erschwerten Studienbedingungen zu einer Politisierung der Studentenschaft. Obwohl der Gießener Wingolf eine politische Positionierung oder ein nationales Prinzip wie bei den Burschenschaften in seiner Geschichte stets abgelehnt hatte, da sie mit dem höheren christlichen Prinzip nicht vereinbar seien, wurde nun unter Protest etlicher älterer Mitglieder eine Verpflichtung zu „vaterländischer Gesinnung“ in der Satzung verankert. Dieser Irrweg bestimmte in großen Teilen die Entwicklung der Verbindung in der Weimarer Republik. Um die Folgen der Wirtschaftskrise für sozial schwächere Studenten zu mildern und ihnen eine Mitgliedschaft im Wingolf zu ermöglichen, wurde 1924 ein eigener Unterstützungsfonds, die „Patenschaftskasse“, eingerichtet. Im selben Jahr erschienen erstmals die noch heute publizierten „Mitteilungen aus dem Gießener Wingolf“.

Zeit des Nationalsozialismus Bearbeiten

Die nationalsozialistische Machtübernahme führte im Gießener Wingolf zu einem mehrfachen Spannungsfeld. Unter großem Bedenken führte der zentralistisch geführte Verband Alter Wingolfiten (VAW) einen Arierparagraphen durch, der zum Austritt einiger Philister aus dem Gießener Wingolf führte. Die aktive Verbindung wurde durch einen Konflikt zwischen Gegnern und Befürwortern der Diktatur geprägt. Der damalige Fuchsmajor Karl Zeiß versuchte als Angehöriger der Bekennenden Kirche die Mitglieder gegen politische Einflüsse zu wappnen und organisierte einen Kreis von Studenten, die an den illegalen Predigerseminaren der BK in Frankfurt am Main teilnahmen.[11][12] Andere vom Nationalsozialismus überzeugte Gießener Wingolfiten kämpften gegen die politisch oppositionell gesinnten Bundesbrüder. Die Weigerung der Zwangseingliederung der Verbindung in den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund führte zur Vertagung des Gießener Wingolf am 31. Oktober 1935. Der Philisterverein wurde erst am 2. Februar 1939 nach einem Liquidationsverfahren aufgelöst.


Wingolfshaus Bearbeiten

Giessen Wilhelmstrasse 40 detail 61270

Wingolfshaus 2013

Das Gießener Wingolfshaus liegt im oberen Universitätsviertel in der Wilhelmstraße 40 und dient der Verbindung als Korporationshaus sowie als Studentenwohnheim mit elf vermietbaren Zimmern. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde nach Plänen des Architekturbüros Stein & Meyer im oberen Universitätsviertel in der damals neu erschlossenen Wilhelmstraße erbaut und am 18. Juli 1894 eingeweiht. Nach der Auflösung des Gießener Wingolfs 1935 erhielt dieser das Gebäude erst 1957 wieder zurück; zwischenzeitlich diente es unter anderem als Standesamt, Frauenarbeitsschule und Jugendheim.[12]

Das Wingolfshaus liegt von der Wilhelmstraße etwa 35 Meter entfernt und wird zu dieser von einer zum Grundstück gehörenden Parkanlage getrennt. Das renaissancehaft im Historismus erbaute Gebäude wird durch den linksseitigen Risalit, die Säulenhalle und den oktogonalen Turm bestimmt.[10][13]

Wappen und Farben Bearbeiten

Die Couleur des Gießener Wingolf besteht aus dem schwarz-weiß-goldenen Band mit goldener Percussion (Einrahmung), einer schwarzen Studentenmütze, dem Zipfelbund und der goldenen Bundesnadel des Wingolfsbundes. Füchse tragen ein schwarz-goldenes, Schülerfüchse ein gold-schwarzes und Konkneipanten ein weiß-schwarz-weißes Band. Inaktive Burschen und Philister können anstelle einer Studentenmütze ein Tönnchen tragen. Die Kneipjacken der Verbindung sind schwarz.

Das Wappen des Gießener Wingolf ist ein gevierter Schild mit folgendem Inhalt: rechts oben das Jerusalemkreuz, links oben der preußische Adler, rechts unten das bis 1916 geltende alte Gießener Stadtwappen (ein nach rechts aus einem geflügelten kleinen gotischen g schreitenden Löwen unter einer dreispitzigen Krone[14]) und links unten ein Lorbeerkranz um das Gründungsdatum. Im Zentrum des Wappens findet sich das Mittelschild mit der Trikolore des Wingolfsbundes.

Wappen des Gießener Wingolf
Giessener Wingolf Wappen-1852
Giessener Wingolf Wappen-1865
Giessener Wingolf Wappen-1894
Gründungswappen 1852 Couleurkrug 1865 seit 1884 (Wappenfenster)

Bekannte Mitglieder Bearbeiten

  • Otto Zöckler (1833–1906), evangelischer Theologe
  • Jacob Volhard (1834–1910), Chemiker, Chemiehistoriker, Schüler und Biograph Justus von Liebigs
  • Friedrich Meyer (1832–1891), Rektor der Diakonissenanstalt Neuendettelsau, Nachfolger von Wilhelm Löhe
  • Julius Wilbrand (1839–1906), Chemiker
  • Georg Schlosser (1846–1926), Pionier der Gefängnisseelsorge und der Inneren Mission
  • Theodor Schäfer (1846–1914), Pionier der Körperbehindertenfürsorge
  • Ferdinand Kattenbusch (1851–1935), ev. Theologe, Begründer der Konfessionskunde
  • Gustav Krüger (1862–1940), ev. Kirchenhistoriker, Rektor der Universität Gießen
  • Alfred Kaufmann (1868–1946), Pfarrer und Orientalist, Gründer des Kaufmann-Will-Kreises
  • Otfried Praetorius (1878–1964), Gymnasialprofessor und Genealoge
  • Eduard Zentgraf (1882–1973), Ordinarius für Forstwissenschaft
  • Ernst Steiner (1885–1942), Pfarrer in Hausen bei Gießen, 1942 von der Gestapo ermordet
  • Ludwig Clemm (1893–1975), hessischer Landeshistoriker und Direktor des Hessischen Staatsarchiv Darmstadt
  • Paul Schneider (1897–1939), Pfarrer und Märtyrer, „Prediger von Buchenwald“
  • Friedrich Maurer (1898–1984) Germanist, Sprachwissenschaftler, Mitgründer des Instituts für deutsche Sprache in Mannheim
  • Heinrich Steitz (1907–1998), evangelischer Theologe, Kirchenhistoriker
  • Otto Völzing (1910–2001), Prähistoriker und Ausgräber des Löwenmenschen
  • Karl Zeiß (1912–1994), ev. Pfarrer, Pionier der Sportseelsorge, „Olympiapfarrer“
  • Karl Dienst (1930–2014), ev. Theologe und Kirchenhistoriker
  • Ulrich Karthaus (* 1935), Germanist, Literaturwissenschaftler
  • Andreas Mehl (* 1945), Ordinarius für Alte Geschichte (Universität Halle/S.)
  • Hans-Jürgen Irmer (* 1952), Politiker (CDU), ausgetreten 2000
  • Roland Freese (* 1958), forensischer Psychiater
  • Oliver Holtemöller (* 1971), Wirtschaftswissenschaftler (Universität Halle/S.)

Quelle: Gesamtverzeichnis des Wingolfs, 1991

Bilder Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

  • Anonymus: Aus dem Wingolf, Halle 1853 (bei Plötz), zum Gießener Wingolf: S. 147–156
  • Anonymus: Aus dem Wingolf — Eine Blüthenlese, Marburg 1860, 2. Aufl. Erlangen 1866, 3. Aufl. Halle/Erlangen 1875
  • Hans Waitz: Geschichte des Wingolfbundes aus den Quellen mitgeteilt und dargestellt. Darmstadt 1896, 2. Aufl. 1904, 3. Aufl. 1926 (Verlag Johannes Waitz)
  • Friedrich Waas: Der Gießener Wingolf. In: Hans Waitz (ed.): Geschichte der Wingolfsverbindungen, Darmstadt 1914 (Verlag Johannes Waitz)
  • Christian G. Schüttler: Festschrift zur 50. Wiedergründung des Gießener Wingolf, Gießen 1998

Weblinks Bearbeiten

Anmerkungen Bearbeiten

  1. Karl Dienst: Politik und Religionskultur in Hessen und Nassau zwischen 'Staatsumbruch' (1918) und 'nationaler Revolution' (1933): Ursachen und Folgen, Peter-Lang-Verlagsgruppe, Frankfurt 2010 ISBN 978-3631604694, S. 137–147
  2. Jürgen Setter: Kleine Geschichte der Verbindungen in Gießen, Verlag Sandre Friesland, 1983, S. 30f
  3. O. Imgart; in: Aus dem Gießener Wingolf; 14 (1938), Nr. 2, S. 44
  4. Ausführliche Beschreibung des Rosenbundes in: Karl Esselborn (Hg.): Wilhelm Baur. Lebenserinnerungen; Darmstadt 1911
  5. Jürgen Setter: Kleine Geschichte der Verbindungen in Gießen, Verlag Sandre Friesland, 1983, S. 39–40
  6. Aus den Tagebüchern des stud. theol. Raillard; in: Wingolfsnachrichten 1936, S. 80
  7. Herman Haupt: Zur Geschichte der Gießener Cattia (1845–1850); in: Burschenschaftliche Blätter, 17 (1902), S. 25–30
  8. Friedrich Waas: Geschichte des Gießener Wingolfs. In: Hans Waitz (Hrsg.): Geschichte der Wingolfsverbindungen. Darmstadt 1914, S. 288–289.
  9. 9,0 9,1 Jürgen Setter: Kleine Geschichte der Verbindungen in Gießen, Verlag Sandre Friesland, 1983, S.217
  10. 10,0 10,1 https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/GGBOHUTWEJTNCUM6B455YMWYKCM5LVHC?viewType=list&thumbnail-filter=on&query=wingolf+gie%C3%9Fen&rows=20&isThumbnailFiltered=true&offset=0&firstHit=ELDIQMRNSWN4IGYBZESYHPMX7GRSQAJQ&lastHit=lasthit&hitNumber=2
  11. Karl Dienst: Zwischen Wissenschaft und Kirchenpolitik: zur Bedeutung universitärer Theologie für die Identität einer Landeskirche in Geschichte und Gegenwart. Peter-Lang-Verlagsgruppe, 2009. S.42
  12. 12,0 12,1 Gießener Allgemeine vom 19. August 2011: Ein »Schloss« mit wechselvoller Geschichte
  13. http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/404718/
  14. https://www.giessen.de/index.phtml?La=1&sNavID=1894.115&mNavID=1894.115&object=tx%7C1894.114.1&kat=&kuo=1&sub=0


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