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Friedrich Schlotterbeck

Friedrich Schlotterbeck ca. 1940

Albert Friedrich (genannt Frieder) Schlotterbeck (* 6. Januar 1909 in Reutlingen; † 7. April 1979 in Groß Glienicke war ein deutscher Widerstandskämpfer und Autor.

Leben Bearbeiten

Frieder war der Sohn des Metallarbeiters Gotthilf Schlotterbeck und seiner Frau Maria; er lernte Tischler und wurde nach der Ausbildung arbeitslos. Seit 1923 war er Mitglied des Kommunistischen Jugendverbands Deutschlands (KJVB) als Instrukteur in Ostsachsen. Am 1. Dezember 1933 wurde er festgenommen und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt und ab Mai 1937 in „Schutzhaft“ genommen.

Als er am 28. August 1943 aus dem KZ Welzheim entlassen wurde, arbeitete Schlotterbeck mit seiner ganzen Familie und seiner Braut Else Himmelheber im Stadtteil Luginsland in Stuttgart-Untertürkheim aktiv gegen das NS-Regime. Im Mai 1944 wollten Else Himmelheber und Friedrich Schlotterbeck heiraten, eine Woche vor dem geplanten Termin wurde die Gruppe durch Eugen Nesper an die Gestapo verraten. Auf getrennten Wegen versuchten die Mitglieder der Gruppe in die Schweiz zu entkommen. Schlotterbeck gelang als einzigem die Flucht.

Am 10. Juni 1944 wurden die Eltern Maria und Gotthilf Schlotterbeck mit ihrer Tochter Gertrud Lutz verhaftet. Weitere Festnahmen gab es an den folgenden Tagen. In der Stuttgarter Gestapozentrale wurden sie monatelang verhört und vermutlich auch gefoltert, ohne dass sie Angaben über ihre Verbindungen und ihre Untergrundtätigkeit machten. Am 27. November 1944 wurden seine Verlobte Else Himmelheber, seine Schwester Gertrud Lutz sowie seine Eltern von Stuttgart nach Dachau transportiert und dort ohne Gerichtsverhandlung am 30. November 1944 erschossen. Sein Bruder Herman Schlotterbeck wurde, nachdem er wochenlang untergetaucht war, ebenfalls verhaftet. Nach monatelanger Haft und Folter im KZ Welzheim wurde er am 19. April 1945 in einem Wald bei Riedlingen durch den durch den SS-Mann Albert Rentschler erschossen.

Frieder Schlotterbeck hatte nach seiner geglückten Flucht in der Schweiz die Journalistin Anna von Fischer, geschiedene Leibbrand, kennengelernt und 1951 geheiratet. Im Juni 1945 kehrte er nach Stuttgart zurück und erfuhr erst dort vom Schicksal seiner Familie und seiner Freunde. Er veröffentlichte bereits 1946 sein erstes autobiografisches Buch Wegen Vorbereitung zum Hochverrat hingerichtet. Später fasste er seine Erinnerungen aus den Jahren 1933 bis 1945 in seinem Buch „Je dunkler die Nacht, desto heller leuchten die Sterne“ zusammen.

Nach Deutschland zurückgekehrt, wurde er Vorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) in Württemberg, engagierte sich als Präsident des Deutschen Roten Kreuz in Baden-Württemberg und war gleichzeitig Mitglied der KPD-Landesleitung. Er nahm Wilfriede Lutz auf, die Tochter seiner Schwester Gertrud, die im Alter von zwei Jahren der Mutter bei der Verhaftung weggenommen wurde.

Gemeinsam mit Anna von Fischer übersiedelte er im April 1948 in die Sowjetische Besatzungszone, nachdem ihm in Stuttgart zunehmend Schwierigkeiten aufgrund seiner kommunistischen Gesinnung gemacht wurden. Frieder Schlotterbeck wurde Stadtrat für Kultur in Dresden. So kam er in Kontakt mit Künstlern wie Martin Hellberg, der seine geradlinige Art schätzte woraus eine langjährige Freundschaft zwischen beiden entstand. Seine direkte Art wurde ihm in der DDR zum Verhängnis, er verlor Anfang 1951 sein Amt als Stadtrat und ging Mitte April 1951 als Bergarbeiter der SDAG Wismut (Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft ins Erzgebirge. Als Mitglieder der SED geriet das Paar bei der Überprüfung von Westemigranten in das Visier der Zentralen Parteikontrollkommission (ZPKK) und des gerade gegründeten Ministeriums für Staatssicherheit. Am 15. Februar 1951 wurde Schlotterbeck wegen „Spionageverdachts“ aus der SED ausgeschlossen. Schlotterbeck wurde bezichtigt, ein V-Mann der Gestapo gewesen zu sein, vor allem wurden ihm seine Kontakte zu Noel H. Field und Herta Jurr-Tempi in der Schweiz vorgeworfen. Die ZPKK ordnete die Einstampfung seines Buches „Je dunkler die Nacht, desto heller die Sterne“ an.

Am 15. Februar 1953 wurden er und seine Frau verhaftet und beide am 27. April 1954 vom 1. Strafsenat des Bezirksgericht Rostock wegen „Verbrechens gemäß Artikel 6 der DDR in Verbindung mit einem Vergehen gegen die Kontrollratsdirektive 38“ und wegen „verbrecherischen Beziehungen zu dem amerikanischen Agenten Noel H. Field“« zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Strafe wurde 1954 zu drei Jahren Haft reduziert.

Friedhof GrossGlienecke

Grabsteine von Anne und Friedrich Schlotterbeck in Groß Glienicke

Er wurde am 15. Februar 1956 nach genau drei Jahren Haft freigelassen. Es folgte dann bei einer nichtöffentlichen „Rehabilitierung“ (Strafregistertilgung) die Wiederaufnahme in die SED.

Frieder und Anna (genannt Annie) Schlotterbeck lebten dann in Groß Glienicke (Bezirk Potsdam) und arbeiteten als Schriftsteller und Hörspielautoren. Gemeinsam schrieben sie u.a: Die Memoiren der Frau Viktoria(1962). Sie waren eng befreundet mit der Schriftstellerin Christa Wolf und deren Mann Gerhard. Zu den bekanntesten Werken von Frieder Schlotterbeck gehören Im Rosengarten von Sanscoussi (1968), eine polemische Abrechnung mit der preußischen Geschichte. Friedrich Schlotterbeck starb am 7. April 1979 - Christa Wolf hielt die Grabrede.

Literatur Bearbeiten

  • Friedrich Schlotterbeck: Wegen Vorbereitung zum Hochverrat hingerichtet..., Verlag Die Zukunft Reutlingen, 1947
  • Friedrich Schlotterbeck: Je dunkler die Nacht... Erinnerungen eines deutschen Arbeiters 1933-1945, Gabriele Walter Verlag, Stuttgart 1986, ISBN 3-925440-10-0
  • Julius Schätzle: Stationen zur Hölle - Konzentrationslager in Baden und Württemberg 1933-1945, Röderberg-Verlag, Frankfurt 1974, ISBN 3-87682-035-9
  • Martin Hellberg: Im Wirbel der Wahrheit, Henschelverlag, Berlin 1978
  • Martin Hellberg: Mit scharfer Optik, Henschelverlag, Berlin 1982
  • Anna Schlotterbeck: Die verbotene Hoffnung- Aus dem Leben einer Kommunistin, Facta Oblita Verlag, Hamburg 1990, ISBN 3-926827-31-9
  • Christa Wolf: Ein Tag im Jahr 1960 - 2000, Luchterhand Verlag, München 2003, ISBN 3-630-87149-6

Weblinks Bearbeiten

Literatur von und über Friedrich Schlotterbeck im Katalog der DDB


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