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'''Ferdinand „Fred“ Löwenberg''' (* [[19. April]] [[1924]] in [[Breslau]]/Schlesien; [[30. Mai]] [[2004]] in [[Berlin]]) war ein [[Widerstand gegen den Nationalsozialismus|Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus]], Verfolgter des Naziregimes.
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[[Datei:Fred-Löwenberg.jpg|miniatur|Fred Löwenberg auf dem Vereinigungskongress der VVN-BdA im Oktober 2002 in Berlin]]
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'''Ferdinand „Fred“ Löwenberg''' (* 19. April 1924 in [[Breslau]]/Schlesien; † 30. Mai 2004 in [[Berlin]]) war ein [[Widerstand gegen den Nationalsozialismus|Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus]], Verfolgter des Naziregimes.
   
 
== Leben ==
 
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Ferdinand Löwenberg wurde am 19. April 1924 als Kind jüdischer Sozialdemokraten in Breslau geboren. Löwenberg wurde eine Berufsausbildung in der [[Zeit des Nationalsozialismus]] verwehrt. Im Alter von 19 Jahren wurde er von der [[SS]] in das [[KZ Buchenwald]] verschleppt. Die Solidarität der Mitgefangenen prägte ihn als jungen Menschen stark. Er wurde als Nichtkommunist von Kommunisten herangezogen und sei „ein richtiger Teilnehmer am Widerstand“ (Löwenberg) geworden. Der „rote Kapo“ [[Robert Siewert]] bewahrte Löwenberg von der Verschickung nach [[KZ Auschwitz|Auschwitz]]. Fred Löwenbergs jüngerer Bruder, [[Martin Löwenberg]], wurde ebenfalls von den Faschisten in ein Konzentrationslager verschleppt und musste [[Zwangsarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus|Zwangsarbeit]] leisten.
   
[[Bild:Fred-Löwenberg.jpg|thumb|Fred Löwenberg auf dem Vereinigungskongress der VVN-BdA im Oktober 2002 in Berlin]]
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Fred Löwenberg hat trotz eigener negativer Erfahrungen für freundschaftliche und gutnachbarschaftliche [[Deutsch-polnische Beziehungen|Beziehungen zu Polen]] plädiert: wenig bekannt ist, dass Löwenberg nach der Befreiung vom Nationalsozialismus als Mitverantwortlicher für die deutsche Selbstverwaltung in Breslau (von der russischen Kommandantur eingesetzt) von polnischen Mitbürgern denunziert wurde und in ein Gefängnis gebracht wurde, wo er mit den Peinigern des Dritten Reiches einsitzen musste. Selbst seine Kinder erfuhren von dieser für Löwenberg auch physisch schwierigen Zeit wenig, um deren Verhältnis zu Polen nicht zu belasten. Die Aussage eines polnischen Wärters, der Löwenberg als seinen Retter während des Dritten Reiches erkannte, führte nach vielen Monaten zu Löwenbergs Freispruch und zur Milderung des praktisch schon geschriebenen (Todes-) Urteils.
Ferdinand Löwenberg wurde am 19. April 1924 als Kind jüdischer Sozialdemokraten in Breslau geboren. Löwenberg wurde eine Berufsausbildung in der Nazizeit verwehrt. Im Alter von 19 Jahren wurde er von der [[SS]] in das [[KZ Buchenwald]] verschleppt. Die Solidarität der Mitgefangenen hatten ihn als jungen Menschen stark geprägt. Er wurde als Nichtkommunist von Kommunisten herangezogen und „ein richtiger Teilnehmer am Widerstand“ (Löwenberg) geworden. Der „rote Kapo“ [[Robert Siewert]] bewahrte Fred von der Verschickung nach [[KZ Auschwitz|Auschwitz]]. Fred Löwenbergs jüngerer Bruder, [[Martin Löwenberg]], wurde ebenfalls von den Faschisten in ein Konzentrationslager verschleppt und musste [[Zwangsarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus|Zwangsarbeit]] leisten.
 
   
Fred Löwenberg hat trotz eigener negativer Erfahrungen für freundschaftliche und gutnachbarschaftliche Beziehungen zu Polen plädiert: wenig bekannt ist, dass Fred nach der Befreiung vom Faschismus als Mitverantwortlicher für die deutsche Selbstverwaltung in Breslau (von der russischen Kommandantur eingesetzt) von polnischen Mitbürgern denunziert wurde und in ein Gefängnis gebracht wurde, wo er mit den Peinigern des Dritten Reiches einsitzen musste. Selbst den Kindern von Fred wurde von dieser für Fred auch physisch schwierigen Zeit wenig erzählt, um deren Verhältnis zu Polen nicht zu belasten. Nur durch die Aussage eines polnischen Wärters, der Fred als seinen Retter während des Dritten Reiches erkannte, wurde Fred nach vielen Monaten freigesprochen und das praktisch schon geschriebene sehr harte Urteil korrigiert.
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[[Datei:Fred Löwenberg Grabstätte.jpg|miniatur|Grabstätte von Fred Löwenberg auf dem VdN-Ehrenhain des Zentralfriedhofs Friedrichsfelde]]
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Nach der [[Befreiung vom Nationalsozialismus|Befreiung]] gehörte er zu denjenigen, die ihre bitteren Erfahrungen aus den Jahren der Verfolgung zur Grundlage eines neuen, politischen Lebens machten. Dazu gehörte das gemeinsame Handeln von [[Kommunisten]] und [[Sozialdemokraten]] und so organisierte sich Löwenberg bei der Münchener [[Sozialdemokratische Partei Deutschlands|SPD]] und war gleichzeitig stellvertretender Kreisvorsitzender der [[Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes]]. Wegen des [[Unvereinbarkeitsbeschluss|Unvereinbarkeitsbeschlusses]] der SPD wurde er 1950 aus der SPD ausgeschlossen und stieß zur [[Sozialistische Aktion|Sozialistischen Aktion]]. Aufgrund der Kontakte von [[Sozialistische Einheitspartei Deutschlands|SED]] mit der Sozialistischen Aktion wurde Löwenberg wegen „Geheimbündelei“ angeklagt und während eines in der Öffentlichkeit vielbeachteten Verfahren vor dem Bundesgerichtshof zu neunzehn Monaten Haft verurteilt. Mit der Verabschiedung des [[Godesberger Programm|Godesberger Programmes]] verlor Löwenberg die letzte Bindung an die Sozialdemokratie und arbeitete für die 1956 verbotene [[KPD]] und übersiedelte 13 Jahre später, 1969, nach [[Ostberlin]] und war vor allem publizistisch tätig. Fred Löwenberg arbeitete mehrere Jahre für die Wirtschaftszeitung ''[[Horizont (DDR-Zeitschrift)|Horizont]]'', später für die ''Neue Deutsche Bauernzeitung''. In beiden Zeitungen publizierte er vor allem außenwirtschaftliche Themen. ''Außenwirtschaft aktuell'' war eine äußerst beliebte und stark besuchte Vortragsreihe von Fred Löwenberg, die er u. a. für die [[Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse|URANIA Gesellschaft der DDR]] in den 70er und 80er Jahren hielt. Diese Veranstaltungsreihe fand zumeist vor überfüllten Tagungsräumen statt. Hier wurden neben den Auslandsthemen auch innenpolitische Fragen angesprochen.
Nach der Befreiung gehörte er zu denjenigen, die ihre bitteren Erfahrungen aus den Jahren der Verfolgung zur Grundlage eines neuen, politischen Lebens machten. Dazu gehörte das gemeinsame Handeln von [[Kommunisten]] und [[Sozialdemokraten]] und so organisierte sich Löwenberg bei der Münchener [[Sozialdemokratische Partei Deutschlands|SPD]] und war gleichzeitig stellvertretender Kreisvorsitzender der [[Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes]]. Wegen des [[Unvereinbarkeitsbeschluss|Unvereinbarkeitsbeschlusses]] der SPD wurde er 1950 aus der SPD ausgeschlossen und stieß zur [[Sozialistische Aktion|Sozialistischen Aktion]]. Aufgrund der Kontakte von [[SED]] mit der [[Sozialistische Aktion|Sozialistischen Aktion]] wurde Löwenberg wegen „Geheimbündelei“ angeklagt und zu neunzehn Monaten Haft verurteilt. Mit der Verabschiedung des [[Godesberger Programm|Godesberger Programmes]] verlor Löwenberg die Illusionen in die Sozialdemokratie und arbeitete für die 1956 verbotene [[KPD]] und übersiedelte 13 Jahre später, 1969, nach Ostberlin und war vor allem publizistisch tätig. Fred Löwenberg arbeitete mehrere Jahre für die Wirtschaftszeitung ''Horizont'', später für die ''Neue Deutsche Bauernzeitung''. In beiden Zeitungen publizierte er vor allem außenwirtschaftliche Themen. ''Außenwirtschaft aktuell'' war eine äußerst beliebte und stark besuchte Vortragsreihe von Fred Löwenberg, die er u.a. für die [[Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse|URANIA Gesellschaft der DDR]] in den 70er und 80er Jahren hielt. Hier wurden auch Themen angesprochen und offen diskutiert, die auch einen kritischen Blick auf die Gegebenheiten in der DDR ermöglichten. Aufgrund seiner Verfolgung und seines Widerstandes im [[Drittes Reich|Dritten Reich]] konnte Fred Löwenberg 1984, mit 60 Jahren, in Rente gehen. Dies ermöglichte ihm jedoch noch mehr Zeit für seine Vortragstätigkeit und Jugendarbeit, die ihm besonders wichtig waren.
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Aufgrund seiner Verfolgung und seines Widerstandes im [[Drittes Reich|Dritten Reich]] konnte Fred Löwenberg 1984, mit 60 Jahren, in Rente gehen. Dies ermöglichte ihm jedoch noch mehr Zeit für seine Vortragstätigkeit und Jugendarbeit, die ihm besonders wichtig waren.<ref>Aus der langjährigen Ehe mit Olga Löwenberg (* 17. Juni 1926; 18. März 1980) sind die drei Söhne Rolf (* 15. September 1955), Frank (* 22. Mai 1963) und Rainer (* 25. März 1967) hervorgegangen.</ref>
   
 
Nachdem 1990 im Osten Deutschlands der Interessenverband der Verfolgten des NS-Regimes ([[IVVdN]]) gegründet worden war, war er einige Jahre verantwortlicher Redakteur der Verbandszeitschrift [[antifa|Antifa (Zeitschrift)]].
 
Nachdem 1990 im Osten Deutschlands der Interessenverband der Verfolgten des NS-Regimes ([[IVVdN]]) gegründet worden war, war er einige Jahre verantwortlicher Redakteur der Verbandszeitschrift [[antifa|Antifa (Zeitschrift)]].
   
Löwenberg hat sich mit großem Engagement für die im Oktober 2002 erfolgte Vereinigung von [[VVN-BdA]] (West) und [[VVdN-BdA]] (Ost) zu einer generationsübergreifenden gesamtdeutschen Organisation eingesetzt.
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Löwenberg hat sich mit großem Engagement für die im Oktober 2002 erfolgte Vereinigung von [[Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten|VVN-BdA]] (West) und [[VVdN-BdA]] (Ost) zu einer generationsübergreifenden gesamtdeutschen Organisation eingesetzt.
   
Fred Löwenberg war bis zum Ende seines Lebens Vorsitzender der „Berliner Vereinigung ehemaliger Teilnehmer am Antifaschistischen Widerstand, Verfolgter des Naziregimes und Hinterbliebener e.V.“. Ein großer Erfolg war u.a. die Anerkennung der BVVdN durch den Paritätischen Wohlfahrtsverband und die Einbeziehung von BVVdN-Mitgliedern in Geschichstprojekte des Berliner Senates und anderen öffentlicher Einrichtungen.
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Er war bis zum Ende seines Lebens Vorsitzender der „Berliner Vereinigung ehemaliger Teilnehmer am Antifaschistischen Widerstand, Verfolgter des Naziregimes und Hinterbliebener e.&nbsp;V.“. Ein großer Erfolg war u.&nbsp;a. die Anerkennung der BVVdN durch den [[Paritätischer Wohlfahrtsverband|Paritätischen Wohlfahrtsverband]] und die Einbeziehung von BVVdN-Mitgliedern in Geschichtsprojekte des Berliner Senates und anderen öffentlicher Einrichtungen. Fred Löwenberg hat dabei diese Tätigkeit als sehr politische Aufgabe verstanden und sich intensiv in die öffentliche politische Diskussion eingebracht.
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Viele junge Menschen der 90er Jahre und des angefangenen 21. Jahrhunderts ist Fred Löwenberg als unkomplizierter Gesprächspartner in Erinnerung. So hat er auch an nächtlichen Diskussionen in Wohngemeinschaften und besetzten Häusern teilgenommen.
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Seine Heimatverbundenheit zu Schlesien führte ihn kurz nach seinem 80. Geburtstag nochmals in seine Geburtsstadt Breslau.
   
Fred Löwenberg verstarb nach kurzer Erkrankung am 30. Mai 2004.
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Fred Löwenberg verstarb nach kurzer Erkrankung am 30. Mai 2004. Zur Beerdigung Anfang Juli auf dem Friedhof Berlin Friedrichsfelde kamen neben vielen Weggefährten auch eine beachtliche Anzahl junger Menschen, die in Fred Löwenberg mehr als einen politischen Freund gesehen haben.
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Die [[Shoah Foundation|SHOA-Stiftung]] von [[Steven Spielberg]] hat mit Fred Löwenberg ein Video über sein Leben aufgenommen und archiviert<ref>Archiv Nr.: 11319</ref>.
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== Einzelnachweise ==
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<references />
   
 
== Weblinks ==
 
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* '' [http://www.nadir.org/nadir/archiv/Antifaschismus/Themen/Pogrom_9_Nov/brosch/interv.htm Interview mit Fred Löwenberg]
 
* '' [http://www.nadir.org/nadir/archiv/Antifaschismus/Themen/Pogrom_9_Nov/brosch/interv.htm Interview mit Fred Löwenberg]
 
* '' [http://www.berlin.de/ba-marzahn-hellersdorf/aktuelles/presse/archiv/20030430.12196.html Pressemitteilung der Hauptstadt Berlin]
 
* '' [http://www.berlin.de/ba-marzahn-hellersdorf/aktuelles/presse/archiv/20030430.12196.html Pressemitteilung der Hauptstadt Berlin]
* '' [http://www.bundesarchiv.de/cgi-bin/opacs/vollanz.pl?db=sap&index=6&zeilen=10&kurzzeilen=Keine&search=B4.+DDR.+Wissenschaften-SBZ&back=regmaske.pl&shownums=34174&print=d-html.spr&code=p-html.spt OPAC der Bibliothek der SAPMO-DDR: Satzanzeige]
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* '' [http://www.denkmal-berlin.de/2004/bernstein.htm erinnern und gestalten. treffpunkt berliner jugendinitiativen]
 
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[[Kategorie:Widerstand gegen den Nationalsozialismus]]
 
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[[Kategorie:Häftling im KZ Buchenwald]]
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[[Kategorie:Mitglied der VVN-BdA]]
 
[[Kategorie:SPD-Mitglied]]
 
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Aktuelle Version vom 22. November 2010, 12:56 Uhr

Fred-Löwenberg

Fred Löwenberg auf dem Vereinigungskongress der VVN-BdA im Oktober 2002 in Berlin

Ferdinand „Fred“ Löwenberg (* 19. April 1924 in Breslau/Schlesien; † 30. Mai 2004 in Berlin) war ein Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, Verfolgter des Naziregimes.

Leben Bearbeiten

Ferdinand Löwenberg wurde am 19. April 1924 als Kind jüdischer Sozialdemokraten in Breslau geboren. Löwenberg wurde eine Berufsausbildung in der Zeit des Nationalsozialismus verwehrt. Im Alter von 19 Jahren wurde er von der SS in das KZ Buchenwald verschleppt. Die Solidarität der Mitgefangenen prägte ihn als jungen Menschen stark. Er wurde als Nichtkommunist von Kommunisten herangezogen und sei „ein richtiger Teilnehmer am Widerstand“ (Löwenberg) geworden. Der „rote Kapo“ Robert Siewert bewahrte Löwenberg von der Verschickung nach Auschwitz. Fred Löwenbergs jüngerer Bruder, Martin Löwenberg, wurde ebenfalls von den Faschisten in ein Konzentrationslager verschleppt und musste Zwangsarbeit leisten.

Fred Löwenberg hat trotz eigener negativer Erfahrungen für freundschaftliche und gutnachbarschaftliche Beziehungen zu Polen plädiert: wenig bekannt ist, dass Löwenberg nach der Befreiung vom Nationalsozialismus als Mitverantwortlicher für die deutsche Selbstverwaltung in Breslau (von der russischen Kommandantur eingesetzt) von polnischen Mitbürgern denunziert wurde und in ein Gefängnis gebracht wurde, wo er mit den Peinigern des Dritten Reiches einsitzen musste. Selbst seine Kinder erfuhren von dieser für Löwenberg auch physisch schwierigen Zeit wenig, um deren Verhältnis zu Polen nicht zu belasten. Die Aussage eines polnischen Wärters, der Löwenberg als seinen Retter während des Dritten Reiches erkannte, führte nach vielen Monaten zu Löwenbergs Freispruch und zur Milderung des praktisch schon geschriebenen (Todes-) Urteils.

Fred Löwenberg Grabstätte

Grabstätte von Fred Löwenberg auf dem VdN-Ehrenhain des Zentralfriedhofs Friedrichsfelde

Nach der Befreiung gehörte er zu denjenigen, die ihre bitteren Erfahrungen aus den Jahren der Verfolgung zur Grundlage eines neuen, politischen Lebens machten. Dazu gehörte das gemeinsame Handeln von Kommunisten und Sozialdemokraten und so organisierte sich Löwenberg bei der Münchener SPD und war gleichzeitig stellvertretender Kreisvorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. Wegen des Unvereinbarkeitsbeschlusses der SPD wurde er 1950 aus der SPD ausgeschlossen und stieß zur Sozialistischen Aktion. Aufgrund der Kontakte von SED mit der Sozialistischen Aktion wurde Löwenberg wegen „Geheimbündelei“ angeklagt und während eines in der Öffentlichkeit vielbeachteten Verfahren vor dem Bundesgerichtshof zu neunzehn Monaten Haft verurteilt. Mit der Verabschiedung des Godesberger Programmes verlor Löwenberg die letzte Bindung an die Sozialdemokratie und arbeitete für die 1956 verbotene KPD und übersiedelte 13 Jahre später, 1969, nach Ostberlin und war vor allem publizistisch tätig. Fred Löwenberg arbeitete mehrere Jahre für die Wirtschaftszeitung Horizont, später für die Neue Deutsche Bauernzeitung. In beiden Zeitungen publizierte er vor allem außenwirtschaftliche Themen. Außenwirtschaft aktuell war eine äußerst beliebte und stark besuchte Vortragsreihe von Fred Löwenberg, die er u. a. für die URANIA Gesellschaft der DDR in den 70er und 80er Jahren hielt. Diese Veranstaltungsreihe fand zumeist vor überfüllten Tagungsräumen statt. Hier wurden neben den Auslandsthemen auch innenpolitische Fragen angesprochen. Aufgrund seiner Verfolgung und seines Widerstandes im Dritten Reich konnte Fred Löwenberg 1984, mit 60 Jahren, in Rente gehen. Dies ermöglichte ihm jedoch noch mehr Zeit für seine Vortragstätigkeit und Jugendarbeit, die ihm besonders wichtig waren.[1]

Nachdem 1990 im Osten Deutschlands der Interessenverband der Verfolgten des NS-Regimes (IVVdN) gegründet worden war, war er einige Jahre verantwortlicher Redakteur der Verbandszeitschrift Antifa (Zeitschrift).

Löwenberg hat sich mit großem Engagement für die im Oktober 2002 erfolgte Vereinigung von VVN-BdA (West) und VVdN-BdA (Ost) zu einer generationsübergreifenden gesamtdeutschen Organisation eingesetzt.

Er war bis zum Ende seines Lebens Vorsitzender der „Berliner Vereinigung ehemaliger Teilnehmer am Antifaschistischen Widerstand, Verfolgter des Naziregimes und Hinterbliebener e. V.“. Ein großer Erfolg war u. a. die Anerkennung der BVVdN durch den Paritätischen Wohlfahrtsverband und die Einbeziehung von BVVdN-Mitgliedern in Geschichtsprojekte des Berliner Senates und anderen öffentlicher Einrichtungen. Fred Löwenberg hat dabei diese Tätigkeit als sehr politische Aufgabe verstanden und sich intensiv in die öffentliche politische Diskussion eingebracht. Viele junge Menschen der 90er Jahre und des angefangenen 21. Jahrhunderts ist Fred Löwenberg als unkomplizierter Gesprächspartner in Erinnerung. So hat er auch an nächtlichen Diskussionen in Wohngemeinschaften und besetzten Häusern teilgenommen. Seine Heimatverbundenheit zu Schlesien führte ihn kurz nach seinem 80. Geburtstag nochmals in seine Geburtsstadt Breslau.

Fred Löwenberg verstarb nach kurzer Erkrankung am 30. Mai 2004. Zur Beerdigung Anfang Juli auf dem Friedhof Berlin Friedrichsfelde kamen neben vielen Weggefährten auch eine beachtliche Anzahl junger Menschen, die in Fred Löwenberg mehr als einen politischen Freund gesehen haben.

Die SHOA-Stiftung von Steven Spielberg hat mit Fred Löwenberg ein Video über sein Leben aufgenommen und archiviert[2].

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Aus der langjährigen Ehe mit Olga Löwenberg (* 17. Juni 1926; † 18. März 1980) sind die drei Söhne Rolf (* 15. September 1955), Frank (* 22. Mai 1963) und Rainer (* 25. März 1967) hervorgegangen.
  2. Archiv Nr.: 11319

Weblinks Bearbeiten

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