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Fatmire Bajramaj
Fatmire Bajramaj
Personalia
Geburtstag 1. April 1988
Geburtsort GjurakovcJugoslawien
Position Mittelfeld/Sturm

2 Stand: 16. September 2010


Fatmire „Lira“ Bajramaj (* 1. April 1988 in Gjurakovc, Jugoslawien, heute Kosovo) ist eine deutsche Fußballspielerin kosovo-albanischer Herkunft. Die Mittelfeldspielerin und Stürmerin spielt in der Bundesliga für den 1. FFC Turbine Potsdam und gehört zum Kader der deutschen Nationalmannschaft.

Leben Bearbeiten

Familie und Kindheit im Kosovo Bearbeiten

Bajramaj wurde als zweites Kind des Kfz-Mechanikers Ismet und der Hausfrau Ganimet Bajramaj geboren. Sie hat einen älteren und einen jüngeren Bruder. Die Familie lebte auf einem Bauernhof in dem Dorf Gjurakovc, welches sich in der Nähe der Stadt Peć befindet. Das Kosovo war zur damaligen Zeit eine autonome Provinz Serbiens. Im Rahmen der sogenannten Antibürokratischen Revolution wurde der Autonomiestatus 1989 aufgehoben. Als Folge wurde die albanische Bevölkerungsmehrheit von den Serben unterdrückt.

Anfang der 1990er Jahre musste jeder Albaner eine Loyalitätserklärung gegenüber dem serbischen Staat unterschreiben. Bajramajs Vater verweigerte die Unterschrift und verlor seine Arbeit. Im Mai 1993 erhielt ihr Vater eine Vorladung auf das örtliche Polizeipräsidium. Daraufhin beschloss die Familie zu fliehen.[1]

Flucht nach Deutschland Bearbeiten

Mit den letzten Ersparnissen der Familie und geliehenem Geld von Verwandten erkaufte Bajramajs Vater Plätze in einem von einer Schlepperbande organisierten Bus nach Deutschland. Um von serbischer Seite nicht entdeckt zu werden, nahm der Bus eine Route über Mazedonien, Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Tschechien. Während andere Passagiere an der Grenze zu Ungarn den Bus verlassen mussten, durfte die Familie Bajramaj weiterfahren. Die fünftägige Flucht endete in Kassel, wo die Familie von einem in Deutschland lebenden Verwandten abgeholt und nach Remscheid gebracht wurde.[2]

In Deutschland Bearbeiten

Nachdem die Familie zunächst in einem Asylbewerberheim gewohnt hatte, fand Bajramajs Vater 1994 eine Arbeitsstelle als Bauarbeiter in Mönchengladbach. Seit 2001 haben alle Familienmitglieder die Deutsche Staatsangehörigkeit. Bajramaj machte zunächst den Hauptschulabschluss und erwarb danach auf der Abendschule die Mittlere Reife. Nach der Schule begann sie eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten, die sie jedoch im zweiten Lehrjahr abgebrochen hat. Seit dem 1. Juli 2007 ist sie bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr Soldatin auf Zeit. Ihr Dienstgrad ist Hauptgefreiter.[3] Im Oktober 2009 erschien ihre Autobiografie Mein Tor ins Leben – Vom Flüchtling zur Weltmeisterin.

Bajramaj war Botschafterin für World Vision[4] [5] [6] und ist Botschafterin des Europäischen Jahres 2010 zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung.

Fußball Bearbeiten

Karriere als Vereinsspielerin Bearbeiten

DJK/VfL Giesenkirchen / FSC Mönchengladbach Bearbeiten

Bajramaj begann als Erstklässlerin mit dem Fußball spielen. Ihre Leidenschaft für den Sport hielt sie vor ihrem Vater geheim. Er wollte nicht, dass seine Tochter Fußball spielt und verbot ihr mehrmals die Teilnahme an einem Schulturnier. Im Alter von acht Jahren ging Bajramaj heimlich zu einer Trainingsgruppe des lokalen Vereins DJK/VfL Giesenkirchen. In der vierten Klasse fälschte sie die Unterschrift ihres Vaters, um an einem Schulturnier teilnehmen zu können.[7]

Mit etwa zehn Jahren nahm sie mit ihrer Mannschaft regelmäßig an Meisterschaftsspielen teil. Mit Notlügen gegenüber ihrem Vater versuchte sie, ihr Geheimnis zu bewahren. Da ihr älterer Bruder Fatos im gleichen Verein spielte, musste sich Fatmire mit ihrem Bruder über die Spieltermine absprechen, da ihr Vater regelmäßig die Spiele seines Sohnes besuchte. Eines Tages vergaßen die Geschwister, sich abzusprechen. Da beide gleichzeitig ein Spiel hatten, wurde Fatmire von ihrem Vater entdeckt. Nach einer Aussprache erlaubte ihr Vater, dass sie mit dem Fußballspielen weitermachen darf. Bajramaj wechselte daraufhin zum FSC Mönchengladbach.

FCR 2001 Duisburg (2004 bis 2009) Bearbeiten

2004 wechselte die technisch sehr begabte Mittelfeldspielerin zum FCR 2001 Duisburg. Am 5. September 2004 debütierte Bajramaj in der Bundesliga beim 6:0-Auswärtssieg beim VfL Wolfsburg. Ihr erstes Bundesligator folgte am 31. Oktober 2004 beim 5:2-Auswärtssieg gegen den FFC Heike Rheine.[8] Mit 19 von 22 möglichen Einsätzen wurde sie auf Anhieb zur Stammspielerin. In der Saison 2004/05 wurde Duisburg Vizemeister hinter dem 1. FFC Frankfurt. Ein Jahr später wurde Duisburg erneut Vizemeister und erreichte im DFB-Pokal das Halbfinale. Mit 14 Saisontoren trug Bajramaj zur erneuten Vizemeisterschaft in der Saison 2006/07 bei. Außerdem erreichte sie mit ihrer Mannschaft das Pokalfinale gegen den 1. FFC Frankfurt. Kurz vor der Halbzeit gab sie die Vorlage zum Ausgleichstreffer durch Sonja Fuss. Das Spiel endete unentschieden und wurde durch Frankfurt nach Elfmeterschießen gewonnen. Mit Duisburg gewann sie 2009 den UEFA Women’s Cup sowie den DFB-Pokal. Im DFB-Pokalfinale gelang ihr dabei der Führungstreffer gegen ihren zukünftigen Verein.

1. FFC Turbine Potsdam (seit 2009) Bearbeiten

Den Wechsel nach Potsdam zur Saison 2009/10 trat Bajramaj zusammen mit Corina Schröder an.[9] Ihr erstes Pflichtspiel für Turbine absolvierte sie am 20. September 2009 beim 3:0-Auswärtssieg beim 1. FC Saarbrücken. Beim DFB-Hallenpokal 2010 wurde Bajramaj zur besten Spielerin gewählt. Mit Turbine gewann sie 2010 die deutsche Meisterschaft und die Champions League.

Karriere als Nationalspielerin Bearbeiten

Als im Jahre 2003 erstmals eine U-15-Nationalmannschaft spielte, stand Bajramaj im Aufgebot. 2005 erreichte sie mit der U-19-Nationalmannschaft das Halbfinale der Europameisterschaft. Am 20. Oktober 2005 debütierte sie in der A-Nationalmannschaft im Spiel gegen Schottland. Im Sommer 2006 gewann sie mit der U-19-Nationalmannschaft die Europameisterschaft. Bei der U-20-Weltmeisterschaft erreichte sie mit der deutschen Auswahl das Viertelfinale. Ende Januar 2007 nahm sie mit der deutschen A-Nationalmannschaft an einem Vier-Nationen-Turnier in der Volksrepublik China teil. Im Spiel gegen England erlitt sie eine Schultereckgelenksverletzung.

Sie nahm mit der deutschen Nationalmannschaft an der WM 2007 teil und wurde dort Weltmeisterin. Für die Olympischen Sommerspiele 2008 wurde sie ebenfalls nominiert. Im Spiel um Platz drei gegen Japan wurde Bajramaj in der 62. Minute beim Stand von 0:0 eingewechselt und konnte bereits sieben Minuten später zur 1:0-Führung treffen. Kurz vor Schluss erzielte sie noch das 2:0 und sicherte damit dem deutschen Team die Bronzemedaille.

Erfolge Bearbeiten

als Vereinsspielerin Bearbeiten

als Nationalspielerin Bearbeiten

Auszeichnungen Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. vgl. Bajramaj, Seite 41/42
  2. vgl. Bajramaj, Seite 44-53
  3. bundeswehr.de: „Ich will Europameister werden“ – Fatmire Bajramaj im Interview
  4. André Tucic: Erst WM, dann Kinder kriegen
  5. Siwi Tri Puji.B: Fatmire Bajramaj, Muslimah yang Turut Harumkan Nama Jerman.
  6. Bajramaj sheh të ardhmen larg futbollit in Televizioni Koha vom 8. März 2010.
  7. vgl. Bajramaj, Seite 83
  8. soccermagazin.de: Alle Spiele von Fatmire Bajramaj
  9. ffc-turbine.de: Top-Neuzugänge beim 1. FFC Turbine Potsdam

Weblinks Bearbeiten


Kopie vom 16.02.2011, Quelle: Wikipedia, Artikel, Autoren in der Wikipedia
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