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Kuzorra87

Kuzorra bei der Saisoneröffnung auf Schalke 1987

Ernst Kuzorra (* 16. Oktober 1905 in Gelsenkirchen; † 1. Januar 1990 ebenda) war ein deutscher Fußballspieler.

Kuzorra spielte in den 1920er bis 1940er Jahren für den FC Schalke 04 und wurde mit der Mannschaft sechsmal Deutscher Meister und einmal Tschammerpokalsieger. Zusammen mit seinem Schwager Fritz Szepan schuf er den so genannten Schalker Kreisel. 1950 beendete er mit 45 Jahren seine aktive Laufbahn als Spieler.

Leben Bearbeiten

Frühe Jahre Bearbeiten

Kuzorra, Sohn des aus Ostpreußen stammenden Bergmanns Karl Kuzorra und seiner Frau Bertha,[1] arbeitete nach seiner Schulzeit zunächst auf der Zeche Consolidation, bis er sich ab Mitte der 20er Jahre ganz auf den Fußball konzentrierte.

1926 stieg der Club in die damals höchste westdeutsche Spielklasse auf. Ein Jahr später schaffte „Clemens“, wie seine Kameraden Kuzorra riefen, den Sprung in die Nationalmannschaft und spielte beim 2–2 gegen die Niederlande auf der halblinken Position.

1928 war der Stürmer beim den Olympischen Spielen Amsterdam dabei, kam jedoch nicht zum Einsatz. 1930 wurde seine internationale Karriere aufgrund einer Sperre gegen die Schalker Spieler (wegen unerlaubter Geldzuwendungen) für ein Jahr unterbrochen. Kuzorra hatte damals für 1.000 Mark im Monat als Profi in Wien spielen können, hielt jedoch Schalke die Treue. 1930 machte sich Kuzorra durch zwei Länderspiele in ganz Deutschland einen Namen: zum 5–0 über die Schweiz steuerte er drei Tore bei. Das sich anschließende sensationelle 3–3 im „Mutterland“ des Fußballs gegen England war für ihn eines der prägenden Ereignisse seiner internationalen Karriere.

Ära Schalke Bearbeiten

Die „Ära Schalke“ begann 1933, als der Verein erstmals ein Endspiel um die deutsche Meisterschaft erreichte, allerdings 0–3 gegen Fortuna Düsseldorf unterlag. Ein Jahr später glückte den „Königsblauen“ ein 3–1 gegen den favorisierten 1. FC Nürnberg. In dieser Begegnung hielt Kuzorra trotz eines Leistenbruchs durch, erzielt kurz vor Abpfiff den Schalker Siegtreffer, brach zusammen und wurde zur lebenden Legende. In den nächsten Zehn Jahren jagte ein Erfolg den anderen: 1935 deutscher Meister, 1937 Meister und Pokalsieger (erster Gewinner des „Doubles“), 1939 zum vierten Mal Meister durch ein 9–0 über den SK Admira Wien. Ein Jahr zuvor hatte Kuzorra gegen Ungarn sein zwölftes und letztes Länderspiel (sieben Tore) bestritten. Weitere Einsätze im DFB-Trikot verhinderte Reichstrainer Otto Nerz, der mit Kuzorras Art, unverblümt seine Meinung zu sagen, nicht zurechtkam.

Das Schalker Erfolgsrezept, der „Kreisel“ (genaues, schnelles, Kurzpassspiel), stellte die Gegner auch bei den Meisterschaftsspielen 1940 und 1942 vor unlösbare Probleme. Der Dresdner SC unterlag mit 1–0; im Jahr darauf verlor Schalke mit 3–4 gegen den SK Rapid Wien. Bei Schalkes sechstem Titel zog Vienna Wien 1942 mit 0–2 den Kürzeren.

1935/36 trainierte Kuzorra den heutigen Schalker Erzrivalen Borussia Dortmund. Er vertrat dabei den offiziell ersten professionellen Trainer Fritz Thelen, ebenfalls ein ehemaliger Spieler des FC Schalke 04. Zur damaligen Zeit gab es die heutige Rivalität zwischen beiden Clubs noch nicht und Kuzorra selbst hatte verwandtschaftliche und freundschaftliche Beziehungen in das Dortmunder Borsigplatzviertel.

Sowohl Kuzorra, der gleichermaßen genialer Spieler wie vorbildlicher Kämpfer war, als auch sein Vereinskamerad und Schwager Fritz Szepan hatten Mitte der 40er Jahre den Zenit ihres Könnens überschritten. Sie halfen nach Ende des Zweiten Weltkrieges noch beim Neuaufbau der Schalker Mannschaft in der westdeutschen Oberliga. Kuzorra war noch bis Ende 1948 aktiv und nahm zwei Jahre später gemeinsam mit seinem Schwager Szepan mit einem Spiel gegen Atlético Mineiro in der Schalker Glückauf-Kampfbahn offiziell Abschied.[2].

Ruhestand Bearbeiten

Am 19. April 1971 wurde Kuzorra in der WAZ mit der Kritik zitiert, das 0–1 der Schalker am vorangegangenen Samstag gegen Arminia Bielefeld sei eine „schwache Schalker Vorstellung“ und ferner „keine 18 DM für die Tribünenkarte wert“ gewesen. Später stellte sich heraus, dass eben dieses Spielergebnis für 100.000 DM Bestechungsgeld „gekauft“ worden war, ein Schlüsselereignis im sogenannten Bundesligaskandal.

1985 wurde Ernst Kuzorra zum Ehrenbürger von Gelsenkirchen ernannt. Er starb am Neujahrstag 1990 in Gelsenkirchen mit 84 Jahren.

Nachleben Bearbeiten

Eine starke Diskussion entstand dazu in den 1990er Jahren, als vermehrt Stimmen zu einer Umbenennung des Kuzorra-Platzes und einer Aberkennung der Gelsenkirchener Ehrenbürgerschaft aufkamen, da Ernst Kuzorra zusammen mit seinen Mitspielern Fritz Szepan und Hans Bornemann am 1. Mai 1937 in die NSDAP eingetreten war (Mitgliedsnummer 5 415 713).

Die diskutierten Maßnahmen wurden jedoch nie vollzogen, der Name des Platzes wurde nicht geändert. Nach heutiger Einschätzung dürfte es für einen populären Spieler wie Kuzorra schwer gewesen sein, sich Vereinnahmungsversuchen durch die damalige Politik zu widersetzen. Zeitzeugen beschrieben ihn grundsätzlich als unpolitischen Menschen. In einzelnen Fällen kritisierte er jedoch offen die nationalsozialistische Sportpolitik. Als im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1941 Schalke 04 gegen den SK Rapid Wien nach einem 3–0-Vorsprung noch mit 3–4 unterlag, vermutete er eine Manipulation. In Richtung des Reichssportführers Hans von Tschammer und Osten äußerte er den Verdacht: „Dass wir hier verloren haben, war Politik, kein Sport“.[3]

Verschiedenes Bearbeiten

Weil der damalige Vereinspräsident des FC Schalke 04, Günter Eichberg (der „Sonnenkönig“), nicht rechtzeitig zur Beerdigung erschien, aber unbedingt auf dem offiziellen Foto der Beisetzung zu sehen sein wollte, wurden nach der Beisetzung Kuzorras der Trauerzug und die Kranzniederlegung ein zweites Mal durchgeführt.

Ein Bonmot zu Ernst Kuzorra wird dem ehemaligen Bundespräsident Johannes Rau zugeschrieben: Auf die Frage, ob Fußballstadien nicht auch einmal nach Frauen benannt werden sollten, soll er geantwortet haben: „Und wie soll dann bitte so ein Stadion heißen? Vielleicht Ernst-Kuzorra-seine-Frau-ihr-Stadion?“.

Literatur Bearbeiten

  • Champions. 100 große Fußballer und ihre Erfolge. Gondrom-Verlag, S. 97

Weblinks Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Stefan Goch, Norbert Silberbach: Zwischen Blau und Weiß liegt Grau; Essen 2005; ISBN 3-89861-433-6; S. 212
  2. Vereinschronik FC Gelsenkirchen-Schalke 1904 e.V.
  3. vgl. Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten in NRW, Fußball im Nationalsozialismus WM - SPEZIAL: Fußball im Nationalsozialismus


Kopie vom 16.02.2011, Quelle: Wikipedia, Artikel, Autoren in der Wikipedia
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