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Erich Ribbeck (* 13. Juni 1937 in Wuppertal) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und -trainer. Zwischenzeitlich betätigte er sich auch im Sportmanagement. Sein gepflegtes Auftreten und seine zivilisierten Umgangsformen verschafften ihm in der Presse Beinamen wie „Sir Erich“ oder „Gentleman“.

Als Spieler trat er unter anderem für Viktoria Köln in der seinerzeit erstklassigen Oberliga West an. Als Trainer gewann er mit Bayer 04 Leverkusen den UEFA-Pokal 1988 und damit den ersten Titel des Vereins. Mit dem FC Bayern München wurde er Vizemeister. Ende der 1990er Jahre wurde er deutscher Nationaltrainer und betreute die in dieser Phase unbeeindruckende DFB-Auswahl bis zum Ende der Fußball-Europameisterschaft 2000. Sein Beitrag zu den Analekten des deutschen Fußballs ist beachtenswert.

Karriere Bearbeiten

Erstligaspieler bei Viktoria Köln Bearbeiten

Als Spieler war er ursprünglich beim SSV 1904 Wuppertal und dessen Nachfolgeverein Wuppertaler SV aktiv und stieg mit dem Verein nach der Saison 1961/62, als der WSV die Vizemeisterschaft hinter Bayer 04 Leverkusen errang, in die seinerzeitig erstklassige Oberliga West auf.

Der solide Verteidiger wechselte zur Saison 1962/63 zur von Hennes Weisweiler trainierten Viktoria Köln und spielte dabei 21 Mal neben dem Jugoslawischen Weltklassetorwart Vladimir Beara und Spielern wie beispielsweise Gero Bisanz, Willibert Kremer, Carl-Heinz Rühl und Jürgen Sundermann, die allesamt später ebenfalls erwähnenswerte Trainerkarrieren haben sollten. Ribbeck beendete seine Karriere als Aktiver bei der Viktoria 1965 nach 34 Einsätzen in der damals zweitklassigen Regionalliga West.[1]

Beginn als Weisweiler-Assistent Bearbeiten

Erich Ribbeck begann seine Trainerkarriere 1965, in direktem Anschluss an seine Zeit als Fußballer, als Assistent der Trainerlegende Hennes Weisweiler, der die gerade in die Bundesliga aufgestiegene Borussia Mönchengladbach trainierte.

Bereits 1967 erhielt der erst 30-jährige Ribbeck beim seinerzeitigen Bundesligaabsteiger Rot-Weiss Essen seine erste Cheftrainerposition. Er führte den Verein von der Hafenstraße, bei dem das Unikat Willi „Ente“ Lippens mit seinen ersten Watschelgängen die Besucher begeisterte, auf den zweiten Platz der Regionalliga West, scheiterte aber in der Bundesliga Aufstiegsrunde an Hertha BSC.

Ab der folgenden Saison trainierte er als Nachfolger von Elek Schwartz bis 1973 für fünf Jahre Eintracht Frankfurt, ohne dabei, abgesehen von einer Qualifikation zum UEFA-Pokal, größere Erfolge erreichen zu können. Die Mannschaft war in jener Ära von Spielern wie Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein geprägt, die ein Jahr später die Weltmeisterschaft von 1974 gewinnen sollten.

1973 fand quasi ein Trainertausch zwischen Frankfurt und dem 1. FC Kaiserslautern statt. Ribbeck wurde Chef bei den Pfälzern, während Dietrich Weise vom Betzenberg zur Eintracht ging und die Frankfurter schließlich zu zwei Triumphen im DFB-Pokal führte. Mit 1826 Tagen im Dienste der Eintracht hält Ribbeck den Rekord als Trainer mit der längsten Amtsperiode bei den Hessen.[2]

Gleich zu Anfang betreute er den 1.FCK beim legendären 7:4-Sieg im Bundesligaspiel gegen Bayern München , das einen festen Platz in den Vereinsannalen gefunden hat, da ein 1:4 Rückstand aufgeholt wurde. Mit dem seinerzeitigen Bayern-Trainer Udo Lattek verband Ribbeck eine persönliche Freundschaft. Ribbeck führte die Kaiserslauterner zudem in das Finale des DFB-Pokals von 1976, wo aber der Hamburger SV mit 2-0 die Oberhand behielt und in der nächsten Saison auch im Europapokal der Pokalsieger triumphierte. Die Finalteilnahme stellt den größten Erfolg von Erich Ribbeck im deutschen Pokalwettbewerb dar. Darüber hinaus fällt die Erfolgsbilanz Ribbecks bei den Roten Teufeln - bei denen in diesen Jahren unter anderem die beiden schwedischen Teilnehmer an der Weltmeisterschaft 1974 Torwart Ronnie Hellström und der Stürmer Roland Sandberg sowie Josef "Seppl" Pirrung, der 1974 zu zwei Spielen für Deutschland kam, zu beeindrucken wussten - eher weniger überzeugend aus. Die Bundesligaplatzierungen jener Jahre - 6., 13., 7., 13., 8. - halfen dem Pfälzer Traditionsverein nicht weiter.

Karl-Heinz Feldkamp wurde 1978 sein Nachfolger auf dem Betzenberg und führte die Mannschaft regelmäßig zur UEFA-Pokal-Teilnahme und in späteren Jahren sogar zu Meisterschaft und Pokalsieg. Ribbeck selbst wurde Assistent des damals gerade Helmut Schön im Amt nachgefolgten neuen deutschen Bundestrainers Jupp Derwall. In den folgenden Jahren hatte er dabei Teilhabe beim Gewinn der Fußball-Europameisterschaft 1980 in Italien und der Vizeweltmeisterschaft 1982 in Spanien. Das Ende des Trainergespanns folgte aber nach der wenig erfolgreichen Europameisterschaft 1984 in Frankreich, nach welcher bei der Nationalmannschaft die Ära des Teamchefs Franz Beckenbauer begann. Ribbeck, der selbst Hoffnungen auf die Bundestrainerposition gehegt hatte, bat enttäuscht um vorzeitige Auflösung seines Vertrages.

Ribbeck löste im Oktober 1984 bei Borussia Dortmund den nach nur neun Bundesliga-Spieltagen in Ungnade gefallenen Timo Konietzka ab. Am Ende der Saison waren die Dortmunder 14. und nur einen Punkt vor dem zu den Relegationsspielen verpflichtenden Tabellenplatz. Der Ungar Pál Csernai wurde sein Nachfolger bei den Schwarz-Gelben.

Erfolg im UEFA-Pokal Drama von 1988 Bearbeiten

Mit seinem neuen Verein Bayer 04 Leverkusen konnte er 1988 mit dem Gewinn des UEFA-Pokals 1988 seinen größten Erfolg feiern. Im Viertelfinale setzen sich die Leverkusener mit einem 1:0 Sieg im Rückspiel beim FC Barcelona durch und im Halbfinale erneut knapp dank eines 1:0 Heimerfolges gegen Werder Bremen, nach einem Unentschieden im Hinspiel. Die Finalspiele gegen RCD Español Barcelona wurden noch enger. Nach einer 0:3 Niederlage bei den Katalanen stand es im Rückspiel - das Finale wurde noch im Hin- und Rückspiel ausgespielt - noch 0:0 zur Pause, doch konnten die Leverkusener, angeführt von Kapitän Wolfgang Rolff, in der zweiten Halbzeit im seinerzeitigen Ulrich-Haberland-Stadion den Rückstand aus dem Hinspiel noch aufholen und behielten im anschließenden Elfmeterschießen mit 3:2 die Oberhand. Dadurch sicherte Ribbeck mit seinem Team dem Verein den ersten bedeutenden Titel. Am Ende der Saison musste er aber dennoch der niederländischen Trainerlegende Rinus Michels weichen, da die unter Ribbeck erreichten Bundesligaplatzierungen - 6., 6., 8. - nicht den Ambitionen des Werksvereins genüge taten.

„Sir Erich" übernahm zunächst bis April 1989 das Amt eines Sportdirektors beim Hamburger SV und war danach bis 1991 als Fußballbeauftragter bei Opel, dem Automobilhersteller, der seinerzeit im Sportsponsoring sehr aktiv war und dessen Namenszug in den 1990er Jahren unter anderem auf der Brust der Spieler des FC Bayern und des AC Mailand prangte.

Der FC Bayern München sollte ihn schließlich im März 1992 als Nachfolger des in seiner ersten und gleichzeitig letzten Trainerstation höchst glücklosen Søren Lerby verpflichten. Ribbeck beendete die Saison noch als Zehnter. In der darauffolgenden Saison konnte er Bayern mit dem Italien-Heimkehrer Lothar Matthäus zur Vizemeisterschaft führen. Ribbeck erreichte damit die beste Bundesligaplatzierung seiner Trainerlaufbahn. Bis zur Winterpause der Saison 1993/94 setzte sich innerhalb des Bayern-Managements jedoch die Ansicht durch, dass Erich Ribbeck den immerwährenden Meisterschaftsambitionen der Isarstädter eher hinderlich sei und er wurde daher kurz vor dem Jahreswechsel durch Vizepräsident Franz Beckenbauer abgelöst, der die Mannschaft schließlich zu ihrer ersten Meisterschaft seit 1990 führte und damit endgültig zur "Lichtgestalt des deutschen Fußballs" wurde - und alsbald auch den Präsidentensessel des Vereins erklomm.

Zur Mitte der Rückrunde der Saison 1994/95 wurde er erneut vom nunmehr in die Mittelmäßigkeit abgeglittenen Bayer Leverkusen verpflichtet, um Dragoslav Stepanović abzulösen. Am Ende wurde Leverkusen Zehnter. Ribbeck konnte nicht an seine Erfolge der ersten Amtszeit anknüpfen. Trotz großer Namen wie Rudi Völler, Ulf Kirsten und Bernd Schuster kämpfte das Team während der gesamten Saison 1995/96 gegen den Abstieg. Ende April 1996, als sich die Mannschaft auf dem 13. Platz befand und nur drei Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt war, wurde auch Ribbeck entlassen - seine erst zweite vorzeitige Entsorgung in über 20 Trainerjahren. Notnagel Peter Hermann folgte ihm bis zu Saisonende nach, ehe Christoph Daum übernahm.

Vom einstweiligen Ruhestand zum Nationaltrainer Bearbeiten

Ribbeck setzte sich einstweilen auf der Ferieninsel Teneriffa zur Ruhe. Am 9. September 1998 wurde er schließlich Nachfolger von Berti Vogts als Bundestrainer und war mit 61 Jahren der älteste Debütant in diesem Amt. Sein Assistent und engster Mitarbeiter wurde der frühere Nationalspieler Uli Stielike. Ribbeck haftete von Anfang an das Image eines Kompromisskandidaten an, auch weil eine zwischenzeitlich vorgesehene Einsetzung des 1974er Weltmeisters Paul Breitner als Teamchef wegen persönlicher Querelen zwischen diesem und DFB-Präsident Egidius Braun scheiterte.

Nachdem bereits das erste Spiel der Nationalmannschaft unter Ribbeck, ein Europameisterschafts-Qualifikationsspiel bei der Türkei in Bursa, mit 0:1 verloren ging, kam es in der folgenden beiden Jahren zu weiteren herben Niederlagen, wie beispielsweise zweimal gegen die USA - mit 0:3 und 0:2 - sowie gegen Brasilien, als die DFB-Elf (allerdings nur mit einer B-Auswahl angetreten) gar mit 0:4 unter die Räder kam. Erfolge gab es nur gegen weniger bedeutende Fußballnationen. Nach einem 0:0 im Rückspiel gegen die Türkei war Deutschland aber schließlich mit zwei Punkten Vorsprung vor dieser für die in den Niederlanden und Belgien stattfindende Europameisterschaft des Jahres 2000 qualifiziert.

Bereits im Vorfeld des Turniers kam es zu Auseinandersetzungen innerhalb der deutschen Mannschaft, in der sich eine Opposition gegen Ribbeck entwickelte. Beim Turnier selbst, bei dem Ribbeck den 39-jährigen Lothar Matthäus als klassischen Libero (und damit neben der Türkei das einzige Team war, das noch mit diesem System spielte) installierte, gab es ein Fiasko für die DFB-Auswahl: Im ersten Gruppenspiel konnte Deutschland gegen Rumänien nach einem raschen 0:1 Rückstand noch ein 1:1 Unentschieden erzwingen. Danach gab es mit 0:1 und 0:3 gegen England beziehungsweise Portugal, das bereits für die nächste Runde qualifiziert auf den Einsatz von Stars wie Luís Figo und Rui Costa verzichtete, nur noch Niederlagen und die deutsche Nationalelf schied als Gruppenletzter bereit nach der Vorrunde aus. Dies war das schlechteste Abschneiden einer deutschen Nationalmannschaft bei einem großen Turnier seit dem Erstrunden-Aus Großdeutschlands gegen die Schweiz bei der Weltmeisterschaft 1938 unter Reichstrainer Sepp Herberger.

Ribbeck, der während seiner Amtszeit auch mit einer reichhaltigen Auswahl von Kuriosa und Binsen zum Zitatenschatz des deutschen Fußballs beitrug, konnte sich der dem Europaturnier folgenden robusten Infragestellung seiner Person nicht lange widersetzen und trat alsbald vom Amt zurück. Seine Bilanz mit 10 Siegen, 6 Unentschieden und 8 Niederlagen ist die schlechteste aller bisherigen Bundestrainer und er ist der einzige, der nicht die Mehrheit seiner Spiele gewinnen konnte. Er wurde durch den Leverkusener Sportdirektor Rudi Völler ersetzt, der eigentlich nur vorübergehend für Christoph Daum die Verantwortung übernehmen sollte, dann aber länger blieb. Der „Trainerfindungsprozeß", ein Wort seiner Zeit, war hierbei noch wesentlich komplexer und schärferen öffentlichen Diskussionen unterzogen als Ribbecks eigene Ernennung.

Persönliches Bearbeiten

Erich Ribbeck, verheiratet mit Uta mit der er eine Tochter und einen Sohn sowie sechs Enkelkinder teilt, verbringt seine Zeit zwischen dem rheinischen Pulheim und der kanarischen Insel Teneriffa. Erich Ribbeck unterstützte das Sozialprojekt „Wir helfen Afrika“ zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika und fungierte als deren Stadtpate für Lindau.[3]

Statistischer Karriereüberlick Bearbeiten

Spieler Bearbeiten

Trainer Bearbeiten

Titel:

Zitate Bearbeiten

  • "Es gibt Trainer, die machen alles richtig und haben nie Erfolg. Und dann gibt es Trainer, die machen alles falsch und werden zweimal deutscher Meister."
  • "Muss ich das jetzt als Frage verstehen oder die Antwort so beantworten, wie Sie sie in Ihre Frage reingelegt haben? Sie haben Ihre Frage so gestellt, dass ich das Gefühl haben muss, als wenn ich das, was Sie gerade gesagt haben, vorher schon gesagt hätte. Das habe ich aber nicht gesagt. Dem was ich gesagt habe, möchte ich nichts hinzufügen. "
  • "Konzepte sind Kokolores."
  • "Ich kann es mir als Verantwortlicher für die Mannschaft nicht erlauben, die Dinge subjektiv zu sehen. Grundsätzlich werde ich versuchen zu erkennen, ob die subjektiv geäußerten Meinungen subjektiv sind oder objektiv sind. Wenn sie subjektiv sind, dann werde ich an meinen objektiven festhalten. Wenn sie objektiv sind, werde ich überlegen und vielleicht die objektiven subjektiv geäußerten Meinungen der Spieler mit in meine objektiven einfließen lassen."
  • "Bei uns wird auf dem Platz wenig gesprochen. Das könnte an der Kommunikation liegen."
  • "Das Verhältnis ist nicht zerrüttet. Zerrüttet kann nur eine Ehe sein."
  • "Derwall lebt noch, also kann sein Herz gar nicht stillgestanden haben."
  • "Die beiden haben nicht mehr gezeigt, als man von ihnen gesehen hat."
  • "Dies kann ein Nachteil oder ein Vorteil sein, sowohl für uns als auch für die gegnerische Mannschaft."

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Knieriem/Grüne: Spielerlexikon 1890-1963, Agon-Verlag, Kassel 2006, S. 313, ISBN 3-89784-148-7
  2. Knackt Funkel den Ribbeck-Rekord? vom 9. Dezember 2008 auf bild.de
  3. Lindauer helfen Afrika Stadtpate Erich Ribbeck, Wir helfen Afrika e.V.

Weblinks Bearbeiten


da:Erich Ribbeck en:Erich Ribbeck


it:Erich Ribbeck ja:エーリッヒ・リベック


ru:Риббек, Эрих


Kopie vom 16.02.2011, Quelle: Wikipedia, Artikel, Autoren in der Wikipedia
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