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Bundesarchiv Bild 102-12574, Berlin, Jiu-Jitsu-Schule

Erich Rahn (November 1931), am Boden liegend

Erich Rahn (* 1. Mai 1885; † 5. Juli 1973) war ein Pionier des Jiu-Jitsu- und Judo-Sports in Deutschland. Er gründete 1906 in Berlin die erste deutsche Jiu Jitsu-Schule.

Leben und Wirken Bearbeiten

Die Geschichte des Jiu Jitsu in Deutschland ist eng mit dem Namen Erich Rahns verknüpft. Rahn kam durch die kaufmännischen Beziehungen seines Vaters schon in frühester Kindheit mit Japanern in Kontakt. Bei diesen Begegnungen lernte er verschiedene Budotechniken kennen. Zur gleichen Zeit gaben die ersten japanische Sportler in europäischen Varietés Vorstellungen, in denen sie Judo- und Jiu-Jitsu-Techniken präsentierten. Bei einer dieser Vorstellungen lernte der junge Erich Rahn Katsuguma Higashi kennen, der einen physisch deutlich überlegenen Mann mit Hilfe von Jiu Jitsu besiegte. Der begeisterte Rahn wurde Schüler von Higashi und lernte von ihm die Techniken des Jiu Jitsu. Überzeugt von diesem Ziel gab er seinen Beruf auf, um sich ganz dem Studium des Jiu Jitsu widmen zu können.

1906 eröffnete Rahn im Alter von 21 Jahren die erste deutsche Jiu-Jitsu-Schule. Um den Kampfsport populär zu machen, hielt Rahn Reden und Vorträge im ganzen Land. Das Interesse des Publikums am „Geraufe“ war jedoch zunächst sehr gering. Nach diesen Misserfolgen begann Rahn die Funktion des Jiu Jitsu als Möglichkeit der Selbstverteidigung zu betonen. Die hinter dem Budo stehende Philosophie rückte dabei in den Hintergrund. Durch diese „Verwestlichung“ fanden auch zunehmend Ringergriffe, Boxschläge und Kraftanwendung Eingang in das Jiu Jitsu.

1910 konnte Erich Rahn erstmalig die Berliner Kriminalpolizei für Jiu Jitsu interessieren. Der damalige Leiter der Kriminalpolizei setzte sich bei dem Polizeipräsidenten, Traugott von Jagow, dafür ein, und er erhielt eine Einladung zu einer Vorführung im königlichen Polizeipräsidium. Daraufhin wurde ihm die Ausbildung der Kriminalpolizei und später der Schutzpolizei in der Selbstverteidigung übertragen. 1913 erhielt Rahn einen Lehrauftrag für Jiu Jitsu an der Militärturnanstalt Berlin.

Nach dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1919 unternahm Rahn einen weiteren Versuch, Jiu Jitsu außerhalb von Berlin bekannt zu machen. Er begab sich auf eine Varieté-Tour durch ganz Deutschland und nahm bei seinen Vorstellungen jede Herausforderung, auch von bekannten Ringern und Boxern, an. Bei dieser Unternehmung war ihm mehr Erfolg beschieden; bald wurden die ersten Clubs in anderen Städten eröffnet, und Jiu Jitsu entwickelte sich deutschlandweit zur Wettkampfsportart. 1920 gründete Rahn in Berlin den „Ersten Berliner Jiu-Jitsu-Club“, zwei Jahre später den „Zentralverband der Deutschen Jiu-Jitsu-Kämpfer“. Im selben Jahr, 1922, fand im Berliner Sportpalast die erste deutsche Jiu-Jitsu-Meisterschaft statt. Im Finale besiegte Erich Rahn Hans Reuter aus München. Im Alter von 40 Jahren zog sich Erich Rahn schließlich unbesiegt von öffentlichen Wettkämpfen zurück.

Bibliographie Bearbeiten

  • Die unsichtbare Waffe (Jiu-Jitsu), 1926 Berlin, Verlag Guido Hackebeil A.G.
  • Neue Griffe und Kniffe im Jiu-Jitsu/Judo, Waffenlose Selbstverteidigung, Falken-Verlag, 1955
  • Ich lerne Jiu-Jitsu, Fackelverlag, 1957

Cinematography Bearbeiten

  • Jiu-Jitsu - Die unsichtbare Waffe, Film, 1921

Siehe auch Bearbeiten

Weblinks Bearbeiten


Kopie vom 16.02.2011, Quelle: Wikipedia, Artikel, Autoren in der Wikipedia
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