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Normannia II

Normannias Wappen im Institut für Hochschulkunde

Das Corps Normannia Königsberg war eine Studentenverbindung an der Albertus-Universität. Obwohl sie den aktiven Betrieb nur sechzehn Jahre unterhalten konnte, hatte sie für die Entwicklung des SC zu Königsberg große Bedeutung. Mit der Corpslandsmannschaft Normannia hatte sie außer dem Namen nichts gemein.

Geschichte Bearbeiten

Nachdem die Corps Masovia und Baltia ihre Zwistigkeiten beigelegt und als neuer Senioren-Convent dem KSCV (wieder) beigetreten waren, kamen sie überein, aus Zweckmäßigkeitsgründen ein drittes Corps zu gründen. So entstand Normannia am 4. Juli 1873 mit den Farben schwarz-silber-hellblau.

Drei inaktive (Louis Erdtmann, Hermann Buchholtz und Albert Silberstein) und zwei aktive Corpsburschen (Moneta und Skrodzki) wurden von Masovia gestellt. Die Abgabe wurde bei Stimmengleichheit nur mit der Stimme des Seniors genehmigt. Außer vier Balten (Max Springer, Kurt Bieler, Max Gettwart und Konrad Hundrieser) wurden noch ein Berliner Vandale (Kurt Michalek) und ein Jenenser Westfale (Franz Kaulbars, langjähriger MC bei Masovia) bei Normannia aktiv. Sie behielten (zunächst) ihre alten Bänder.

Normannias Sinn für Äußerlichkeiten und Formen spiegelte den wilhelminischen Hochmut der Gründerjahre, der dem zurückgenommenen Wesen der altpreußischen Corps fremd war. „Mit dem neuen Ton, den Normannia eingeführt hatte, war die alte Gemütlichkeit, die in Königsberg ehedem herrschte, verlorengegangen.“ [1]


Konfrontation Bearbeiten

Im Sommersemester 1875 kam es zum offenen Bruch zwischen Baltia und Normannia. Die zu Normannia übergetretenen Balten schieden aus ihrem Muttercorps aus. Ein Jahr später überwarf sich Normannia mit einer Mensuranfrage auch mit Masovia, die am 15. Juli 1876 aus dem SC und damit aus dem KSCV ausschied und beide Corps in Verruf steckte. Infolgedessen legten auch die bei Normannia aktiv gewordenen Masuren das Masurenband ab. Den Verruf über Normannia hob Masovia erst 1880 auf.

Der Konflikt verschärfte und erweiterte sich Anfang der 1880er Jahre, als sich auch das inzwischen gegründete Corps Hansea gegen Normannia stellte. Normannia stellte immer wieder Mensuranfragen, die von den drei Corps abgelehnt wurden. Die Klagen wegen Beleidigung und Corpstouche rissen nicht ab. Die Folge waren Säbelforderungen und Ehrengerichte, die Normannia nicht anerkennen wollte. Als daraufhin die fünf aktiven Normannen in den SC-Verruf gesteckt wurden, rief Normannia das Kösener Schiedsgericht (Berlin, Breslau) an. Im Wintersemester 1881/82 gab es dem SC recht, so daß Normannia sich vorerst fügen musste.

In Sachen Corpstouche entschied das Schiedsgericht (Berlin, Leipzig) aber gegen den SC. Normannia erließ nun ein Promemoria an alle SC und klagte beim oKC wegen Verletzung der Kösener Statuten und wegen Majorisierung durch die drei anderen Corps. Der SC konterte mit einer Klage wegen grober Beleidigung, Kompromittierung des SC und falscher Darstellung von Tatsachen. Beim oKC gingen Normannias drei Anträge auf protokollierte Rüffel durch. Dieses Urteil war der für Normannia günstigen Zusammensetzung des Congresses zu danken, da die Vertreter zufälligerweise zum großen Teil dem mit Normannia im Verhältnis stehenden schwarzen Kreise angehörten.[2] Normannia selbst schrieb diesen Sieg über den eigenen SC ihren guten Beziehungen und vor allem ihrem Vertreter Rudolf Focke zu. Sie hob ihre „unbestrittene Führung im SC“ hervor und triumphierte: „Der Kampf endete mit einer so vollständigen Niederlage des SC, wie sie sich die kühnsten Hoffnungen nicht geträumt hatten.“

Allein im SC Bearbeiten

Normannia war jetzt das einzige vollberechtigte Corps in Königsberg, bei dem die drei anderen, darunter ihre beiden Muttercorps, renoncieren sollten. Sie suspendierten am 3. Juni 1882 und versuchten, durch ihre Mehrbändermänner neue Corps aufzutun. Da das von Normannia und von anderen SC abgeschlagen wurde, meldeten sich Masovia und Hansea zur Renoncierung und wurden am 3. Dezember 1882 in den SC aufgenommen, den sie Jahrzehnte vorher gegründet hatten. Schlagartig bestand bestes Einvernehmen zwischen den drei Corps.

Baltia hatte vergeblich versucht, als neue Pomerano-Borussia in den SC zu kommen. Auch sie renoncierte schließlich am 4. Juni 1883.

Überhoben Bearbeiten

Die Zeit der Feindschaft schädigte aber auch Normannia. Ihr fehlten Gegenpaukanten. Der Nachwuchs wurde noch knapper. Am 10. November 1889 musste sie suspendieren. Insgesamt hatte sie nur 52 Mitglieder. Bis in die 1920er Jahre hinein verkehrten die Alten Herren regelmäßig bei der früheren Erzfeindin Masovia.

„Wenn wir … Gastfreundschaft bei der Masovia nachsuchten, und wenn uns diese in reichem Maße gewährt wurde, so hatte das seinen Grund darin, daß keines der beiden Corps sich jener streitbaren Zeit zu schämen brauchte, und daß wir uns in jener Zeit achten und ehren gelernt haben. Und die Achtung und Ehre, die man einem ehemaligen Gegner erweist, ist die denkbar höchste, die man überhaupt erweisen kann. … Sie sollen darin ein Bekenntnis sehen, daß wir, wenn auch auf anderen Wegen, doch denselben Zielen nachgegangen sind wie Sie.“

Hugo Heidemann bei Masovias 70. Stiftungsfest, 1900

Verhältniscorps Bearbeiten

Normannia hatte von 1873 bis 1879 ein Vorstellungsverhältnis mit dem Corps Guestphalia Jena und seit 1875 ein befreundetes Verhältnis mit dem Corps Guestfalia Greifswald.[3]

Normannen Bearbeiten

Zirkel Normannia Königsberg
  • Max Bergius († 1900), Landrat des Kreises Adelnau, Provinz Posen
  • Rudolf Focke (1852–1918), Bibliothekar und Hochschullehrer in Posen
  • Ernst von Kannewurff (1850–1907), Polizeipräsident von Königsberg, Schirmherr der Königsberger Waffenstudenten
  • Emil Kautz (1866–1933), Landrat in Johannisburg, Ministerialdirigent im Reichsschatzministerium, Direktor der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse, Vorsteher der Reichs-Darlehnskasse
  • Karl Opitz (um 1864–1907), Landrat in Einbeck
  • Heinrich von Rittberg (um 1823–1898), Landrat in Stuhm, Rittergutsbesitzer, Vorsitzender des Westpreußischen Provinziallandtags
  • Erich von Siegfried (1859–1935), Landrat in Heiligenbeil
  • Ernst Vanhöffen (1858–1918), Zoologe und Forschungsreisender
  • Martin von Wegnern (1855–1897), fürstlich schaumburg-lippischer Staatsminister
  • Robert Wollenberg (1862–1942), Neurologe und Psychiater; Rektor der Universität Breslau
  • Carl Zarniko (1863–1933), HNO-Arzt und Professor in Hamburg

Bundeslied Bearbeiten

Text und Melodie: Max Springer (Baltia, Normannia) 1874[4]

Was ist’s, daß heute volle Gläser klingen,
Daß brausend tönt und überschäumt die Lust?
Erinn’rung, die dem Stiftungstag wir bringen,
Corpsbrüder, hebt, bewegt uns froh die Brust.

Normannias edle Söhne,
Eu’r Glückwunsch jauchzend töne,

Schwarz-Silber-Blau ein kräftig Hoch erschall,
Im Herzen findet es den Widerhall.

Wenn unser’m sonnig heiter’n Lebensglücke
Die Unglückswolke schwarz entgegenzieht,
Wenn von dem unerbittlichen Geschicke
Vernichtet wird, was froh uns einst geblüht,

Die hohen Unglückswellen
Machtlos an uns zerschellen.

Es stehet fest und lenkt den Lebenskahn
Kühn bis zum Todeshafen der Normann’.

Wie Silber rein und kostbar ist die Ehre
In uns’rer Brust ein Kleinod ungetrübt!
Sie schützt der Arm mit blanker Schläger Wehre,
So jemand tückisch an ihr Frevel übt.

In unser’m Bundeskreise
Herrscht stets nach Männerweise

Die Ehre. Alle folgen ihrer Bahn.
Zum Schirm und Schilde hält sie der Normann’.

Und wie des Sonnehimmels lichte Bläue
Im Meeresspiegel hell uns widerscheint,
So klar und warm sei uns’re Brudertreue,
Ein Band, das unauflöslich uns vereint.

Ob Freuden oder Leiden,
Nichts kann uns jemals scheiden.

Der stolze Ruf tönt jubelnd himmelan:
Kühn, ehrhaft und treu ist der Normann’!

Literatur Bearbeiten

  • Hans Lippold: Die Königsberger Corps Scotia (1829–1847), Borussia (1829–1847), Normannia I (1833–1847), Normannia II (1873–1889), Baltia I (1834–1840) und Pappenhemia (1824–1841). Einst und Jetzt 13 (1968), S. 86-89
  • Siegfried Schindelmeiser: Die Albertina und ihre Studenten 1544 bis WS 1850/51 und Die Geschichte des Corps Baltia II zu Königsberg i. Pr. (1970–1985). Erstmals vollständige, bebilderte und kommentierte Neuausgabe in zwei Bänden mit einem Anhang, zwei Registern und einem Vorwort von Franz-Friedrich Prinz von Preussen, herausgegeben von Rüdiger Döhler und G. v. Klitzing, München 2010. ISBN 978-3-00-028704-6
  • Robert Wollenberg: Ich gedenke mit Wehmut und Rührung [der Normannia], in: Kurt U. Bertrams, Als Student in Königsberg. Erinnerungen bekannter Korporierter. Hilden 2006, S. 100–110

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Schindelmeiser, Bd. 1, S. 285
  2. Annalen der Masovia
  3. Rüdiger Kutz, Bamberg
  4. Nachlass Andreas Mildahn, Burschenschaft Germania Königsberg


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