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COOLE SCHULE – SchülerInnen gestalten die Schule der Zukunft
(Coole Schule)
Gründung 2003, statutarisch 2005
Schwerpunkt Mitbestimmung und Mitgestaltung der Schüler in der Schule
Vorsitz Igor Mitschka
Website www.cooleschule.at

Coole Schule – SchülerInnen gestalten die Schule der Zukunft war ein österreichweit tätiger und überparteilicher Schülerverein, der sich für die Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen in der Schule einsetzte. Bekannte Mottos des Vereins waren: Schuldemokratie leben, Gemeinsam gestalten und Schule für Coole - Coole für Schule.

Anliegen und Forderungen des Vereins[]

Vereinszweck die „Mitbestimmung und Mitgestaltung der Schülerinnen und Schüler in der Schule“.[1]

Schuldemokratie und Mitbestimmung[]

Der Verein forderte unter anderem die Einführung von demokratisch aufgebauten Schul- und Klassenparlamenten (Klassenrat). Darüber hinaus sollte sich aus allen Schülern einer Klasse und dem jeweiligen Fachlehrer/der jeweiligen Fachlehrerin zusammensetzen und Teile des Unterrichtsstoffes (den Erweiterungsstoff) und die Unterrichtsmethoden im jeweiligen Unterrichtsfach bestimmen können. Am Ende jeden Semesters sollte ein Feedback durchgeführt werden, um die Umsetzung der Wünsche der Schüler durch die Lehrkraft zu überprüfen. Das Schulparlament sollte sich aus den Klassensprechern sowie gleich vielen Vertretern der Lehrer und Eltern zusammensetzen. Für jede Entscheidung ist eine Zweidrittel-Mehrheit notwendig, darunter eine Zweidrittel-Mehrheit unter den Klassensprechern. Damit hätten die Schülervertreter ein Vetorecht. Des weiteren sollten alle Schüler, Lehrer und Eltern einer Schule teilnahmeberechtigt sein, stimmberechtigt jedoch nur die angeführten Vertreter. Das Gremium sollte in allen Schulen – also auch in Volks- und Hauptschulen - eingeführt werden und alle derzeit bestehenden Gremien (Schulforum bzw. Schulgemeinschaftsausschuss) ersetzen. Die Kompetenzen und Entscheidungsbefugnisse des Parlaments sollten denen der derzeit bestehenden Gremien gleich sein (zum Beispiel die Hausordnung bzw. die Verhaltensvereinbarungen oder die Einteilung der schulautonomen Tage). Eine weitere Forderung, die sich aus der Einführung von Schulparlamenten bereits ergibt, war die Forderung nach „demokratischen Schülervertretungen“. Konkret forderte der Verein, dass in allen Schulen, das heißt auch in den Pflichtschulen, Klassen- und Schulsprecher gewählt werden. Alle Schüler sollten das aktive und passive Wahlrecht besitzen – anders als es derzeit etwa bei der Wahl der Schülervertreter im AHS-Bereich ist, bei der ausschließlich die AHS-Oberstufe stimm- und kandidaturberechtigt ist.

Individuelle Förderung[]

Ein zentrales Anliegen der Schüler war die individuelle Begabungs- und Interessensförderung im Unterricht. Diese sollte durch die Mitbestimmung beim Unterrichtsstoff und den Unterrichtsmethoden, eine Senkung der Klassenschülerhöchstzahl auf 25 oder weniger Kinder, mehr finanzielle Ressourcen für die Schulen sowie durch eine bessere pädagogische und didaktische Ausbildung der Lehrer gewährleistet werden. Weiter dachte der Verein über die Einführung neuer Schulsysteme (etwa Modulsysteme in der Oberstufe) nach, um die individuelle Interessens- und Begabungsförderung zu verstärken.

Förderung der Sozialkompetenz[]

Ein weiteres Anliegen des Schülervereins war die Förderung der Sozial- und Selbstkompetenz in der Schule. So sollten u.a. Lehrer in der Sozialkompetenz und Pädagogik besser ausgebildet werden und das Unterrichtsprinzip Soziales Lernen im Unterricht laufend anwenden. Darüber hinaus sollte ein Unterrichtsfach für das Erlernen von Sozial- und Selbstkompetenzen in allen Schulstufen eingeführt werden (Unterrichtsfach Soziales Lernen). Eine weitere Forderung war die nach Schulpsychologen in allen Schulen, die verhaltensauffällige oder aggressive Schüler beraten bzw. unterstützen sollten.

Neue Schulgestaltung[]

Die Schüler forderten eine bessere Schulgestaltung, die eine gute Lernatmosphäre ermöglicht. Unter anderem fanden sich als Forderungen wieder: mehr finanzielle Mittel für die Schulgestaltung und Sanierung der Schulen; autofreie Zonen vor den Schulen; Computer in allen Schulklassen; Bibliotheken in allen Schulen. Der Verein war der Ansicht, dass die Schüler bei der Gestaltung der Schule und der Klassen mitreden sollten.

Neue Schulsysteme und Beurteilungsformen[]

Der Verein forderte die Förderung von Mehrstufen- und Zweisprachenklassen, auch nach der Volksschule. Auch die Ganztagsschule sollte als freiwillige Alternative zum gewöhnlichen Unterricht öfters angeboten werden. Zum Thema Beurteilung forderte der Verein, dass die Ziffernoten mit einem ausführlichen Feedback-Bogen (in dem genau auf die Leistungen und Stärken und Schwächen im jeweiligen Fach eingegangen wird) ergänzt werden sollten. Klar sprach sich der Verein für die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen aus (Gesamtschule) - begründet wurde dies unter anderem mit der verstärkten Chancengleichheit, die diese Schulform bieten würde.

Vereinsgeschichte[]

Erster Kinderkongress 2003[]

Fünf vor Zwölf in der Schule - 1

Fünf vor Zwölf in der Schule - 1. Kinderkongress 2003

Die Coole Schule wurde im Oktober 2003 beim 1. Österreichischen Kinderkongress in Graz gegründet. Der Kongress wurde vom Verein Soziales Lernen – Aktive Schulpartnerschaft und einem Team von Kindern und Jugendlichen organisiert. Rund hundert Schüler entwickelten ihre Bildungswünsche. So unterschiedlich die konkreten Forderungen waren, sie behandelten alle die zentrale Forderung nach mehr Mitbestimmungsrechten für Schüler. Einige Teilnehmer beschlossen, sich auch weiterhin für dieses Anliegen engagieren zu wollen und gründeten daher die Coole Schule, einen überparteilichen Verein von Schülerinnen und Schülern. Auf den Kongress folgte ein Treffen mit Bildungsministerin Elisabeth Gehrer Ende 2003.

Kinderrechtepreis TrauDi 2004[]

"Coole Schule" erhält Kinderrechtepreis

"Coole Schule" erhält Kinderrechtepreis

2004 veranstaltete der Verein mehrere Diskussionsveranstaltungen mit den Bildungs- und Jugendsprechern aller Parteien. Außerdem präsentierte die Coole Schule im Herbst 2004 ein Konzept zur Schule der Zukunft, das passend zum Konzept der vom Unterrichtsministerium eingesetzten Zukunftskommission von den Schülern entworfen wurde. Die Kernpunkte des Konzeptes: Schülermitbestimmung, ein interessanter Unterricht und soziales Lernen. Das Konzept wurde auch dem ÖVP-Bildungssprecher und dem Leiter der Zukunftskommission übergeben.

Die Initiatoren der Coolen Schule wurden November 2004 für ihr Engagement mit dem Kinderrechtepreis TrauDi ausgezeichnet.

Zweiter Kinderkongress 2005[]

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2. Kinderkongress 2005 im Parlament

Ermutigt durch den Kinderrechtepreis, organisierte die Coole Schule 2005 den 2. Österreichischen Kinderkongress. Er fand im Sitzungssaal des Nationalrates in Wien statt. Mehr als hundertfünfzig Schüler aller Bundesländer und Schularten diskutierten über die Schule der Zukunft und brachten ihre Forderungen in Form von Anträgen ein. Die Forderungen entsprachen im Wesentlichen den oben genannten Vereinswünschen und wurden an die Bildungssprecher der vier Parlamentsparteien gesandt. Der Bildungssprecher der SPÖ, Erwin Niederwieser und der Bildungssprecher der Grünen, Dieter Brosz, reagierten und brachten in Folge zwei Entschließungsanträge in den parlamentarischen Unterrichtsausschuss ein.

Anträge im Parlament 2006[]

Die zwei Entschließungsanträge wurden am 9. Mai 2006 im Unterrichtsausschuss behandelt. Trotz Vorgesprächen lehnten die damaligen Regierungsparteien, ÖVP und BZÖ/FPÖ, nach einer Debatte beide Anträge ab, jedoch wurde auf Antrag der Regierungsparteien eine Arbeitsgruppe eingerichtet, welche im Rahmen der Bundesschülervertretung die gesetzlichen Regelungen der Schülervertretung analysieren und Verbesserungsvorschläge erarbeiten soll.[2]

Landeskinderkongresse 2006[]

Das Team der Coolen Schule veranstaltete im September 2006 sechs Landeskinderkongresse (am 13. 9. in Wien, 15. 9. in St. Pölten, 18. 9. in Linz, 19. 9. in Salzburg, 20. 9. in Innsbruck und 22. 9. in Graz). Insgesamt nahmen 553 Schüler aller Altersstufen an den Kongressen teil, diskutierten über Bildungspolitik und entwickelten vielfältige Forderungen, allen voran die Einführung eines demokratischen Schulparlaments und Klassenrats sowie die Wahl von Schülervertretern in allen Schulen.

Dritter Kinderkongress 2007[]

Am 14. November 2007 fand im Palais Epstein in Wien der 3. Österreichische Kinderkongress statt. 90 Schüler brachten konkrete Forderungen bei Unterrichtsministerin Claudia Schmied und Nationalratspräsidentin Barbara Prammer sowie bei Vertretern der Parteien ein.

Pressekonferenz "Uns reicht's - SchülerInnen rechnen mit der Politik ab" am 23

Pressekonferenz "Uns reicht's - SchülerInnen rechnen mit der Politik ab" am 23. April 2008

In Folge wurden 2008 Gespräche mit den Bildungssprechern aller im österreichischen Parlament vertretenen Parteien geführt (SPÖ, ÖVP, Grüne, FPÖ und BZÖ), die ihre Forderungen aber nicht erfüllen konnten. Der Vereinsvorstand veranstaltete daher im April 2008 eine Pressekonferenz unter dem Titel "Uns reichts! SchülerInnen rechnen mit der Politik ab".

Bürgerinitiative 2009[]

Schülerinnen und Schüler bringen erste Bürgerinitiative ins Parlament ein

Schülerinnen und Schüler bringen erste Bürgerinitiative ins Parlament ein

Der Verein brachte am 2. Juli 2009 die erste Bürgerinitiative von Schülerinnen und Schülern ins österreichische Parlament ein. Unter dem Titel "'Wir wollen mitbestimmen'- BürgerInneninitiative für mehr SchülerInnenmitbestimmung und Schuldemokratie" forderte der Verein die Umsetzung seiner drei Hauptforderungen. Die Initiative umfasste 763 zählende Unterschriften von österreichischen Staatsbürgern, davon 518 von 16- bis 18-Jährigen und 245 von über 19-Jährigen. Darüber hinaus brachte der Verein 614 Solidaritätsunterschriften von unter 16-Jährigen in der Parlamentsdirektion ein, "um ein Zeichen für die Mitbestimmung von jüngeren Schülerinnen und Schülern zu setzen.

Die Bürgerinitiative war die erste, die die erforderlichen 500 Unterschriften für die Einbringung im Parlament ausschließlich von 16- bis 18-Jährigen brachte. Diese können erst seit einer Gesetzesänderung im Frühjahr 2009 Bürgerinitiativen unterschreiben und einreichen.[3]

Auflösung des Vereins[]

Der Verein wurde am 19. März 2010 aufgelöst

Weblinks[]

Einzelnachweise[]

  1.  Coole Schule (Hrsg.): Statuten des Vereins „COOLE SCHULE – Schülerinnen und Schüler gestalten die Schule der Zukunft“. § 2 (pdf).
  2.  Parlamentsdirektion (Hrsg.): Pro und Contra Schülermitbestimmung bereits ab der Volksschule Unterrichtsausschuss debattiert über Forderung des Kinderkongresses =. § 2 ([1]).
  3.  Parlamentsdirektion (Hrsg.): Bürgerinitiative verlangt mehr Schuldemokratie. § 2 ([2]).


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