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Carl-Wolfgang Holzapfel (* 10. April 1944 in Bad Landeck Niederschlesien) ist ein deutscher Politiker und gilt als profilierter Widerständler gegen die einstige Berliner Mauer in der DDR.

Leben Bearbeiten

Sein Großvater väterlicherseits, Carl-Maria Holzapfel, diente sich bis zum Reichsamtsleiter für Musik im Dritten Reich hoch, wurde im Juni 1945 von den Russen abgeholt und galt seither als verschollen. Der Großvater mütterlicherseits war Kommandant einer Polizeikaserne in Berlin und erschoss sich im Zusammenhang des Hitler-Attentats vom 20. Juli 1944. Seine Großmütter waren überzeugte Nationalsozialistinnen. Die Schwester seines Vaters war in erster Ehe mit dem Dramatiker Reinhard Goering (Scapa Flow, Seeschlacht etc.) verheiratet, der im Oktober 1936 in den Freitod ging. Die Mutter von zwei Söhnen freundete sich mit Oskar Rehn an, bekam von diesem zwei Töchter. Rehn wurde in den vierziger Jahren von der Gestapo „auf der Flucht“ erschossen. Die vierfache Mutter geriet über ein Jahr in Gestapo-Haft. Auch ihr Bruder und Vater von Carl-Wolfgang geriet in die Beobachtung des Systems. Ihm wurde 1940 wegen seiner feindlichen Einstellung zum NS-System unter einem Vorwand durch ein Gutachten der Reichsärztekammer das Studium Germanistik und Zeitungswissenschaften (bei Prof. Emil Dovifat) verboten.

Nach dem Besuch Grundschule in Berlin kam er 1957 zunächst ins Gymnasium (Droste-Hülshoff-Schule), dann in die Oberschule Technischer Zweig (Beucke-Schule) in Berlin-Zehlendorf und machte 1958 einen Abschluss an der Heimschule in Kerstlingerode bei Göttingen. Bereits im Alter von 13 Jahren schrieb er nach „desaströsen Eindrücken“ vom Ungarn-Aufstand von 1956 ein Theaterstück über den Kampf des Budlap gegen Kremlowski. Mit 14 Jahren (1958) schrieb er ein Deutschland-Papier in 60 Artikeln und wollte damit Wege zu einer internationalen Lösung der deutschen Frage aufzeigen. Durch eine weitere Heimunterbringung bei Göttingen scheiterte eine Veröffentlichung durch Arno Scholz, dem Herausgeber des Telegraf in Berlin. Nach dem Mauerbau im August 1961 kehrte Holzapfel aus Hamburg nach Berlin zurück und widmete sich seither bis zum Fall der Mauer dem Widerstand gegen dieses „menschenverachtende Monstrum“. Nach einer seiner Demonstrationen für die Freilassung politischer Gefangener wurde er 1965 am Checkpoint Charlie durch Grenzposten der DDR verhaftet und im April 1966 im Ost-Berliner Stadtgericht Littenstraße zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt.[1] Ende Oktober 1966 durch die Bundesrepublik freigekauft, setzte er seine Demonstrationen an der und gegen die Mauer fort.[2] Von 1970 - 1973 absolvierte er nach einem Umzug nach Bayern eine Lehre als Sparkassenkaufmann und arbeitete anschließend als Bankkaufmann.

Holzapfel legte sich am 13. August 1989 demonstrativ quer über den berühmten „weißen Strich“ am Checkpoint Charlie, der die Grenze zwischen Ost und West markierte. Diese spektakuläre Demonstration dauerte über drei Stunden, bis sich US-Amerikaner und Sowjets über das Vorgehen geeinigt hatten[3].

Während seines Einsatzes anlässlich der Währungsunion in Eisenach fuhr Holzapfel im August 1990 nach Berlin und begann vor dem Justizministerium der DDR einen unbefristeten Hungerstreik, um den damaligen Justizminister Prof. Kurt Wünsche zum Rücktritt zu bewegen, was auch nach sechs Tagen gelang. In den 1990er Jahren arbeitete er als Angestellter der Evangelischen Kirche München. Mit einem neuntägigen Hungerstreik vor dem heutigen Finanzministerium an der Leipziger Straße/Ecke Wilhelmstraße protestierte Holzapfel im Juni 2005 vergeblich gegen die Abnahme der Erinnerungstafeln von den Fassaden des Ministeriums, die an den 17. Juni 1953 erinnerten. Seither besteht die Forderung auf Umbenennung in „Platz des 17. Juni“. Holzapfel wehrt sich gegen eine Vereinnahmung der Opfer des 17. Juni durch die NPD.[4] 2009 bezog er für eine Aktion eine Gefängniszelle in Hohenschönhausen.[5] In Strausberg überklebt er am 17. Juni 2011 Straßenschilder Hennickendorfer Chaussee mit der Aufschrift „Straße des 17. Juni“, das daraufhin eingeleitete Verfahren wegen Amtsanmaßung und Sachbeschädigung wurde 2012 eingestellt.[6]

Politischer Werdegang Bearbeiten

1961 wurde er Mitglied der Junge Union in Hamburg und ein Jahr später Mitglied CDU Berlin. Ab 1963 war Holzapfel Mitglied der Vereinigung 17. Juni 1953. 1964 war er Mitglied der Landsmannschaft Schlesien, Heimatgruppe Breslau. Er war 1970 Gründungsmitglied des Freundeskreise der CSU in Berlin und 1974 Gründungsmitglied der Aktionsgemeinschaft Vierte Partei in Stuttgart. Von 1978 bis 2005 war er Mitglied verschiedener Parteien und Gruppierungen:

2008 wurde er Stv. Bundesvorsitzender der "Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS)", trat aus dem Witikobund aus und trat 2009 als stv. Bundesvorsitzender der VOS zurück.


Veröffentlichungen Bearbeiten

  • "Auf, Europa, zur Freiheit", 1993;
  • "Heimat", Gedichte von Olaf Lunaris, 1998, Bechtle-Verlag;
  • "Helden der Menschlichkeit", 2003

Weblinks Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. http://www.freiewelt.net/person-123/carl-wolfgang-holzapfel.html
  2. http://www.berliner-mauer.de/biografische-notizen-zu-carl-wolfgang-holzapfel.html
  3. siehe auch Feindbilder, DVD/Teil 9, Bundeszentrale für politische Bildung
  4. http://www.mdr.de/exakt/neonazis110-download.pdf
  5. http://www.tagesspiegel.de/berlin/hohenschoenhausen-aktion-stasiknast-abgebrochen/1625608.html
  6. http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1007541/
  7. http://www.tvb.de/newsmeldung/datum/2011/06/16/fruehcafe-talk-mit-carl-wolfgang-holzapfel-17062011.html


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