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Die Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs (kurz BV) ist mit mehr als 1200 Mitgliedern die größte und älteste Interessensvertretung für Bildende Künstlerinnen und Künstler in Österreich.

Sie ist Ansprechpartner für Fachöffentlichkeit, Öffentlichkeit und Politik. Als älteste Standes- und Interessenvertretung für Künstlerinnen und Künstler in Österreich setzt sie sich für die kulturpolitischen, sozialen, wirtschaftlichen, rechtlichen und steuerrechtlichen Belange der Künstler/innen ein. In ihren Bemühungen um adäquate gesetzliche und soziale Rahmenbedingungen für den Berufsstand hält sie engen Kontakt zum Bundesministerium für Kunst, dem Gesetzgeber, politischen Verantwortungsträgern, Verwertungsgesellschaften, der Künstler-Sozialversicherung und diversen Künstlervereinigungen im In- und Ausland.

Es gibt Landesorganisationen für Vorarlberg, Salzburg, Oberösterreich, Steiermark und Kärnten sowie eine für Wien, Niederösterreich und das Burgenland. Als Dachorganisation fungiert der Zentralverband (Bundesverband), der seinen Sitz im Schloss Schönbrunn in Wien hat, wo auch die Landesorganisation für Wien, Niederösterreich und das Burgenland ihr Büro hat. Als Standesvertretung hat die BV Stimmrecht in den wichtigsten Kommissionen und Ausschüssen öffentlich-rechtlicher Institutionen.

Geschichte Bearbeiten

Die Berufsvereinigung als Zentralverband der bildenden Künstler wurde am 27. November 1912 im Wiener Künstlerhaus gegründet. Der bekannte Landschaftsmaler Hugo Darnaut wurde zum ersten Präsidenten bestellt.

Am 30. Dezember 1913 erfolgte die Eintragung als Unternehmen ins Handelsregister unter dem Titel „Wirtschaftsverband bildender Künstler Österreichs, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung“. Ihr Sitz war in der Sezession im 1. Bezirk in Wien. Der erste Präsident war der Maler Hans Ranzoni.

Ziel des Verbandes war, alle österreichischen Künstler unter einem Dach zu vereinen.

Im Jahr 1919 traten das Künstlerhaus, die Sezession, der Hagenbund und viele Vereinigungen aus den Bundesländern geschlossen mit allen Mitgliedern dem Wirtschaftsverband bei. So entstand eine Dachorganisation aller bildenden Künstler Österreichs. In der Hauptversammlung am 1. März 1926 wurde der Name in „Zentralverband bildender Künstler Österreichs zur Wahrung ihres Standes- und Wirtschaftsinteressen, reg. Genossenschaft mbH.“ abgeändert. Der Zentralverband verstand sich nun als die oberste Instanz der bildenden Künstlerschaft bezüglich der Wirtschafts- und Standesinteressen. Im Jahr 1937 hatte er schon 1.129 Mitglieder.

Nach dem Anschluss Österreichs 1938 an das deutsche Reich trat das deutsche Reichskulturkammergesetz in Kraft. Als eine zwangsweise Eingliederung aller bildenden Künstler in die Reichskunstkammer erfolgte, bestand die Organisation zwar noch weiter wurde aber in “Wirtschaftsgenossenschaft bildender Künstler, registrierte Genossenschaft mbH.” umbenannt und verlor unter dem Zwang der Reichskunstkammer völlig an Bedeutung.

Im Mai 1945 ging daraus der heutige Verein mit dem heutigen Namen hervor. Die ersten Tätigkeiten waren das Ausstellen von deutsch-russischen Künstlerausweisen und Bestätigungen zum Bezug zusätzlicher Lebensmittelkarten für notleidende Künstler. Material wie Farben, Pinsel und Leinen wurde für die Mitglieder aus dem westlichen Ausland, vor allem aus Spenden des British Council und des Canadian Council beschafft. Amerikanische und russische Offiziere vergaben die ersten Aufträge. Dabei handelte es sich hauptsächlich um Portraits der Offiziere. Gezahlt wurde in Lebensmitteln. Die Berufsvereinigung wollte über das ganze Gebiet Österreichs wirken, egal in welchen Militärzonen die Bundesländer aufgeteilt waren und so wurden schon ab Herbst 1945 die ersten Landesorganisationen gegründet.

1947 wurden der Vereinigung im Schloss Schönbrunn Räume zugeteilt. Dort ist auch heute noch ihr Sitz für Wien, Niederösterreich und das Burgenland.

Die erste große Kunstausstellung nach dem 2. Weltkrieg fand im Jahre 1947 im Wiener Künstlerhaus statt. Die Mitglieder der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs hatten daran mit 752 ausgestellten Kunstwerken einen großen Anteil. An der Eröffnungsfeier nahmen der damalige Bundespräsident Karl Renner, Bundeskanzler Leopold Figl, Unterrichtsminister Felix Hurdes, der damalige Bürgermeister Theodor Körner und der Präsident des Nationalrates Leopold Kunschak teil. Die Wiener Philharmoniker boten den musikalischen Rahmen.

Ab 1950 wurden von der Berufsvereinigung einige Säle des Palais Liechtenstein für eine rege Ausstellungstätigkeit angemietet. Die erste Ausstellung "Kunst für Jedermann" wurde zum großen Erfolg.

Um das Jahr 1970 wurden die Kronprinzen-Appartements des Schlosses Schönbrunn für Mitgliederpräsentationen genützt. Es gab des weiteren Ausstellungen in den Räumen der Österreichischen Staatsdruckerei, in den Sälen des Österreichischen Staatsarchivs, im Bezirksmuseum Innere Stadt im Alten Rathaus in der Wipplingerstraße und viele mehr.

Im Jahre 1996 eröffnete der Landesverband für Wien, Niederösterreich und Burgenland Ausstellungsräume im 8. Wiener Gemeindebezirk Josefstadt. Nach einem Jahr mit guten Ausstellungen musste der Betrieb allerdings eingestellt werden.

Heute werden für die Mitglieder der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs jährlich mehrere Gemeinschaftsausstellungen im In- und Ausland in Galerien, Museen und sonstigen repräsentativen Ausstellungsorten organisiert. Außerdem werden im Ausstellungsraum „Kunstsalon der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs“ im Schloss Schönbrunn Gemeinschaftsausstellungen der Mitglieder gezeigt.

Um die künstlerische Qualität in der zeitgenössischen bildenden Kunst sowie der Schmuck-Handwerkskunst zu würdigen und das Talent, die Vision und den Innovationswillen der Künstler/innen zu fördern, schreibt der Landesverband W/NÖ/Bgld. der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs jährlich einen ART-Award für ihre Mitglieder in zwei Kategorien aus: "Malerei und Grafik" sowie "Bildhauerei, Keramik, Installationen". Im Intervall von zwei Jahren wird ein Schmuck-Award für zeitgenössischen Schmuck ausgeschrieben.

Präsidenten des Landesverbandes Wien, Niederösterreich, Burgenland:

1945 – 1946 Buchner Rudolf, 1946 – 1954 Stemolak Karl, 1954 – 1956 Obsieger Robert, 1956 – 1968 Kronik Paul, 1968 – 1976 Anselm Grand, 1976 – 1983 Mohorko Johann, 1983 – 1984 Loinger Viktor, 1984 – 2006 Strasil Walter, 2006 – 2016 Novak Karl, 2016 - Zierl Berthild

Präsidenten des Zentralverbandes:

1950 – 1954 Stemolak Karl, 1954 – 1959 Obsieger Gerhard, 1959 – 1968 Rippel Karl, 1968 – 1976 Grand Anselm, 1976 – 1980 Kucher Erich, 1980 – 1983 Mohorko Johann K., 1983 – 2000 Swetina Hansjörg, 2000 – 2004 Jeschofnig Harry, 2004 – 2007 Gartner Joachim L., 2007 – 2015 Novak Karl, 2015 Reinwein Rikki

Berühmte Mitglieder Bearbeiten

Zu den bekanntesten Mitgliedern zählten Friedrich Aduatz, Robin C. Andersen, Hans Babuder, Werner Berg, Eduard Bäumer, Franz Barwig, Hubert Berchtold, Maria Biljan-Bilger, Hans Bren, Norbertine Bresslern-Roth, Albert Birkle, Herbert Boeckl, Arthur Brusenbauch, Hugo Darnaut, Albert Janesch, Igo Pötsch, Karl Stemolak, Rudolf Eisenmenger und Wilhelm Dachauer ebenso wie die Rektoren der Akademien, Robin C. Andersen, Max Fellerer, Viktor Slama und Otto Prutscher sowie die Architekten Siegfried Theiss und Hans Jaksch. Auch Alfred Kubin, der Bildhauer Gustinus Ambrosi, der Maler und Akademieprofessor Carl Fahringer sowie Ernst Fuchs, Kurt Moldovan, Carlos Riefel und Otto Beckmann gehörten in den Jahren nach 1945 der BV an.

Publikationen Bearbeiten

Vier Mal jährlich erscheint eine Zeitschrift der BV. Informationen über aktuelle Aktivitäten, Ausstellungen der Mitglieder und künftige Ziele füllen das Heft. Die Zeitschrift liegt an verschiedenen Orten des zeitgenössischen Kunst- und Kulturgeschehens zur freien Entnahme auf, Mitglieder erhalten ein Exemplar kostenlos zugeschickt.

Literatur Bearbeiten

  • Die Geschichte der Berufsvereinigung der Bildenden Künstler von Prof. J.K. Mohorko BV Katalog der Jubiläumsausstellung Wien/NÖ/Bgld. November 1978
  • Kunst in Bewegung - 100 Jahre Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, 2012, ISBN 978-3-200-02568-4

Weblinks Bearbeiten


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