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Die Baltische Corporation Fraternitas Dorpatensis zu München (kurz: FDM) ist eine baltische Studentenverbindung, die in der spezifischen Tradition der von baltischen Studenten an der Universität Dorpat (heute: Tartu/Estland) begründeten Form von studentischen Zusammenschlüssen steht. Die Fraternitas Dorpatensis ist fakultativ schlagend und farbentragend. Sie hat ihren Sitz in München.


FDM Wappen

Wappen der FDM

Couleur und Wappen Bearbeiten

Die Fraternitas Dorpatensis hat die Farben weiß-schwarz-weiß ohne Perkussion. Dazu wird ein grüner Deckel mit den Farben der FDM getragen. Die Füchse tragen ein schmales Band mit den Farben weiß-schwarz. Der Wahlspruch lautet "In Treuen fest". Die Angehörigen werden Dorpatensen oder Fraternen genannt. Angehörige nennen sich Fratres (Brüder).

Das Wappen ist geviert und zeigt in den ersten drei Feldern die Wappen der baltischen Provinzen. Es zeigt links oben das Wappen Livlands, ein silberner Greif auf Rot. Im zweiten Feld rechts oben wird das Wappen Estlands, ursprünglich das des Königreiches Dänemarks gezeigt. Drei goldene Leoparden auf Blau. Im dritten Feld das ebenfalls gevierte Wappen Kurlands. Im ersten und vierten Feld rote, gekrönte Löwen auf Silber (Westkurland), im zweiten und dritten Feld silberne Elche auf Blau (Ostkurland). Im vierten Feld werden die Farben der FDM gezeigt. In der Mitte wird als Herzschild das schwarze Kreuz des Deutschen Ordens auf Silber mit der Umschrift "In Treuen fest" auf goldenem Grund dargestellt.

Zum geschichtlichen Umfeld der baltischen Corporation Bearbeiten

Ab dem 12. Jahrhundert waren überwiegend deutsche, aber auch schwedische, dänische und schottische Ritter und Kaufleute in das Gebiet der heutigen Staaten Estland und Lettland – dem damaligen Estland, Livland und Kurland – gesiedelt und hatten im Jahre 1201 die Hansestadt Riga gegründet.

Sechs Jahrhunderte später, 1802, wiederbegründete der damals reformgesinnte Zar Alexander I. in der Hansestadt Dorpat – daher der Name Fraternitas Dorpatensis – die renommierteste Universität Nordosteuropas. Große Denker und Wissenschaftler lebten und wirkten im „Göttingen des Baltikums“. Sechs Jahre später, 1808, formierte sich nach „reichsdeutschem“ Vorbild die erste baltische Corporation, die Curonia Dorpati. Es folgten die Livonia (1821), die Estonia (1822) und die Fraternitas Rigensis (1823). Im Baltikum wurde nicht nach Corps, Landsmannschaften, Burschenschaften etc. unterschieden.

Die Besonderheit gegenüber der Entwicklung im Deutschen Reich war, dass sich die auf dem frühen Corpsstudententum basierende, zuerst landsmannschaftlich ausgerichtete Verbindungsform im Baltikum voll und ganz durchsetzte und spätere Entwicklungen hier nicht Fuß fassen konnten. Das lag hauptsächlich an der übersichtlichen Situation im Baltikum. Die Zahl der Studenten und der Familien, aus denen sie stammten, war begrenzt, man kannte sich und für viele unterschiedliche Verbindungsarten gab es gar keinen Raum. So dauerte die Aktivität beispielsweise das ganze Studium an, der Inaktivenstatus wurde nur auswärts Studierenden gewährt. Auf der anderen Seite entstanden aber auch ganz andere Sitten und Formen des Verbindungslebens, die als typisch baltische Entwicklungen anzusehen sind, wie beispielsweise die Fuchsflucht oder auch das baltische Prinzip eines „Anti-Duellanten“: Anders als bei den Kösener und Weinheimer Corps war und ist die sogenannte Pflichtmensur für die Aufnahme nicht erforderlich. Noch immer lehnt die Fraternitas Dorpatensis die Pflichtmensur ab.

Der Beginn des Zweiten Weltkrieges und die Umsiedelung der Balten im Jahre 1939 aufgrund des Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrages bedeutete zunächst das Ende der baltischen Corporationen in Dorpat. Doch schon neun Jahre später, am 16. Dezember 1948, fanden sich baltische Studenten in München zusammen und gründeten die Fraternitas Dorpatensis.

Die Kriegsteilnehmer-Generation knüpfte bewusst nicht an alle alten Traditionen an, wählte aber die Form der Studentenverbindung, um wieder einen verbindlichen Zusammenhalt der Flüchtlinge zu erzeugen. Erst in den 60er Jahren wurde wieder der baltische grüne Deckel mit Baltenstern eingeführt, um auch durch Äußerlichkeiten den Zusammenhalt zu stärken. Neben einer grundsätzlich gesellschaftlichen Ausrichtung und dem "Blick nach Osten", der manche Fratres etwa zu Radio Free Europe führte, beinhaltete die Idee des "Landesdienstes" Engagement über die Verbindung hinaus. Dies zeigt sich vor allem durch die Organisation von Jugendfreizeiten im Rahmen der Deutsch-Baltischen Gesellschaft und des DBJuStR. Als Baltenzentrum dient das Conventsquartier "C!Q!" der FDM allen baltischen Organisationen als Anlaufpunkt.

Akzentuierung der Unabhängigkeit Bearbeiten

Die FDM trat – anders das im Nachkriegsdeutschland reaktivierte Corps Concordia Rigensis zu Hamburg (ursprünglich aus Riga) und das 1959 gegründete "Traditionscorps" Curonia Goettingensis – bewusst nicht dem Kösener Senioren-Convents-Verband bei – konkret schon deshalb, weil ein Beitritt die Abkehr vom baltischen Anti-Duellanten-Prinzip zur Folge gehabt hätte. Vor allem aber hätte eine Bindung an eine übergeordnete Institution der Zielsetzung der Fraternitas Dorpatensis widersprochen, sich zwar einer baltischen Tradition verbunden zu fühlen und diese nach Kräften zu erhalten, dennoch aber progressiv mit der Zeit zu gehen, stets die eigenen Strukturen im Blick zu behalten, sie zu überprüfen und nach Bedarf zu reformieren sowie sie weiterzuentwickeln. Die FDM gehört demzufolge weder offiziell noch inoffiziell einem Dachverband an. Einzig die Philisterschaft der Fraternitas Dorpatensis ist Mitglied im Baltischen Philisterverband, der jedoch auf das Leben der baltischen Corporation (Verbindung) keinen direkten Einfluss nehmen kann. Alle Dorpatensen fühlen sich der Gastfreundschaft verpflichtet und fördern gern jedes baltische Leben.

Bekannte Mitglieder Bearbeiten

  • Claus von Aderkas (1919–2007), Pastor, Direktor der Inneren Mission Bremen
  • Thomas Bagger (* 1965), Diplomat und Ministerialdirektor, Leiter der außenpolitischen Abteilung im Bundespräsidialamt
  • Axel Freiherr von Campenhausen (* 1934), Kirchenrechtler und Hochschullehrer
  • Carl-Alexander Graubner (*1957), Bauingenieur und Hochschullehrer
  • Nicolaus von Grote (1897-1976), Journalist
  • Georg von Krusenstjern (1899–1989), Historiker und Genealoge
  • Ralf von der Wenge Graf Lambsdorff (1883–1970), Präsident des Baltischen Roten Kreuzes
  • Dietrich A. Loeber (1923–2004), Jurist, Autor und Hochschullehrer
  • Felix von Manteuffel, (*1945) Schauspieler
  • Walter Masing (1929–2004), Physiker und Unternehmer
  • Gerhard von Mickwitz (1929-2020), Veterinärmediziner und Hochschullehrer
  • Johann-Christoph Ottow (1922–2012), Architekt und Hochschullehrer
  • Gert von Pistohlkors (* 1935), Historiker
  • Hannes Spring (*1957) Autor und Regisseur
  • Max Treu (1907–1980), Klassischer Philologe und Übersetzer, Hochschullehrer

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