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Im September 2011 gründete sich im östlich an die Parkfläche angrenzenden Schillerkiez die Bürgerinitiative 100 % Tempelhofer Feld mit dem Ziel, das gesamte Flugfeld des ehemaligen Flughafens Tempelhof in ihrem jetzigen Zustand zu belassen. „Wir wollen das Tempelhofer Wiesenmeer als grandiosen Volkspark und einzigartiges, aufregendes und stimulierendes Naherholungsgebiet dauerhaft erhalten.“ Ziel ist es, das gesamte ehemalige Tempelhofer Flugfeld als Landschaftsschutzgebiet umzuwidmen.

Historie Bearbeiten

Am 31. Oktober 2008 wurde der Flughafen Berlin Tempelhof für den Flugbetrieb geschlossen. Seit dem 1. September 2009 ist das Land Berlin alleiniger Eigentümer des Geländes und des Gebäudes. Seit dem 8. Mai 2010 ist das Flugfeld des ehemaligen Flughafens Tempelhof für die Berliner Bevölkerung frei zugänglich. Seitdem nutzen hunderttausende Berliner diese Freifläche begeistert für ihre Freizeit, zum Spazierengehen, Joggen, Skaten, Radfahren, Kitesurfen und Surfen, Fußballspielen, Grillen, Picknicken und …

Das Besondere des Feldes ist eine gigantische 386 Hektar große freie Naturfläche mitten in der dichtesten Großstadt, offener Himmel bis zum Horizont. Das ehemalige Flugfeld ist eine weitläufige Steppe mit ganz besonderer Pflanzen- und Tierwelt. Die Flughafenbauten und das Feld selbst sind wichtige Denkmäler des kollektiven Berliner Gedächtnisses. Hier erlebte Berlin den Aufbruch in die Luftfahrt, die Dunkelheit von Zwangsarbeit, die Konfrontationen des Kalten Krieges und die Heiterkeit des vereinigten Berlins. Dies gilt es in seiner ursprünglichen Form zu erhalten, so das Ziel der Initiative: „Der heutige Zustand auf dem Tempelhofer Feld ist die sozial und ökologisch sinnvollste Nutzung dieser Freifläche. Zudem ist diese Nutzung auch noch die kostengünstigste. Die geplante Bebauung und Umgestaltung müssen verhindert werden, denn sie bedeuten Zerstörung und hohe Kosten für Berliner Bürgerinnen und Bürger."

Argumente der Bürgerinitiative Bearbeiten

Finanzen Bearbeiten

Insgesamt 96 Millionen Euro stellt das Land Berlin für die Entwicklung des Baufeldes zur Verfügung. 62 Millionen Euro davon sind veranschlagt für die Umgestaltung des Flugfeldes in einen Park. Mit 13 Millionen Euro Verlust rechnet das Land Berlin nach Durchführung der sechsmonatigen Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2017. „Wieso gibt man 62 Millionen Euro für einen Park aus, den wir nicht brauchen, gebaut mit Geld, was wir nicht haben, für eine Stadt, die wir uns künftig kaum noch leisten können?" fragt sich die Bürgerinitiative.

Unter der Annahme, das Flugfeld würde von den Berlinerinnen und Berlinern nur angenommen, wenn es zuvor hergerichtet würde, stellte das Abgeordnetenhaus 62 Millionen Euro zur Verfügung. Nach der Öffnung des Flugfeldes war sofort klar: Das war eine Fehleinschätzung. „Wer vermutet, dass der Raum, so karg er ist, irgendwann langweilen könnte, unterschätzt maßlos die Fantasie derer, die ihn in ihrem Sinn benutzen. (…) Was spräche gegen ein Kitesurfer-Spaziergänger-Radfahrer-Langläufer-Paradies bis in alle Ewigkeit?“ Johannes Schneider im Tagesspiegel, 19. April 2011

Eine Planungsrevision fand jedoch nicht statt. Also müssen jetzt 62 Millionen Euro ausgegeben werden. Die Parkbewirtschaftung, also die Pflege der aufwändig gestalteten Grünflächen, der geplanten Wasserbecken und des künstlichen Kletterfelsen sind in dieser Kalkulation noch nicht enthalten. Dabei hat Berlin momentan wahrlich genug Finanzsorgen: Der Landeshaushalt ist mit 62 Milliarden Euro überschuldet (1990 waren es noch 10 Milliarden), der verschobene Eröffnungstermin für den Flughafen Berlin-Brandenburg (BBI) kostet die Berliner Bürgerinnen und Bürger weitere Millionen, der gesamte Flughafenneubau BBI könnte über 4 Milliarden Euro kosten.

Gleichzeitig verrotten Schulen, werden Theater und Stadtteil-Bibliotheken (Pankow) dicht gemacht oder kämpfen mit dem Überleben (Grips-Theater), verlottern bestehende Parks, können städtische Wasseranlagen und Brunnen nur betrieben werden, wenn private Sponsoren das bezahlen, müssen Schwimmhallen (Bärwaldbad) ehrenamtlich betrieben werden, usw.

Außerdem: 75 Mio sind 30 Kitas, 6 Gesamtschulen, und das Doppelte der gesamten Schulden des Berliner Fußballvereins Herta BSC.

Bebauung Bearbeiten

Geplant ist eine Randbebauung des einzigartig weiten Feldes: Luxuswohnungen im Oderstraßen-Quartier in Neukölln, Stadtquartiere am Columbiadamm, Technologiepark und Bildungsquartier entlang der Autobahn und S-Bahn-Trasse, eine neue Zentral- und Landesbibliothek … Gleichzeitig stehen in dem gigantischen denkmalgeschützten Flughafengebäude Tausende von Quadratmetern leer! 270 Millionen soll der Neubau der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) auf dem Flughafengelände kosten. Warum die Bibliothek nicht IN das Gebäude ziehen kann? „Zu lange Verkehrswege“, sagt Prof. Dr. Claudia Lux, Generaldirektorin der Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Die Mitarbeiter müssten zu weit laufen.

Parkgestaltung Bearbeiten

Geplant ist eine 4 Hektar große Wasserlandschaft, ein 70 Meter hoher Kletterfelsen, eine „Geländemodellierung“, die in einem Halbrund um drei Meter ansteigt, Baumpflanzungen, weitere Sportmöglichkeiten bis hin zum Wasser-Polo. Diese gravierenden Umgestaltungen sind Bestandteil der Internationalen Gartenausstellung (IGA), die 2017 auf dem ehemaligen Flugfeld stattfinden soll. In dieser Zeit kostet der Zugang zum IGA-Gelände Eintritt, anschließend – so verspricht der Senat soll der Zugang wieder kostenlos möglich sein. Mehr als 200 Hektar sollen auch während der IGA frei zugänglich bleiben.

Naturschutz Bearbeiten

Das Tempelhofer Feld hat aufgrund seiner Größe und jahrzehntelangen Unberührtheit eine für Berlin herausgehobene Stellung für den Erhalt seltener Tier- und Pflanzenarten. Neben gefährdeten Wiesen- und Trockenrasenpflanzen beherbergt das Gebiet eine reiche Fauna mit Vögeln der Offenlandschaft sowie licht- und wärmeliebenden wirbellosen Tierarten. Besonders die Feldlerchen, mit einem Bestand von 95 Brutpaaren (2005) und damit 25% der Berliner Gesamtpopulation, nisten auf dem Gelände. Dazu kommen streng geschützte Grauammer, Braunkehlchen, Steinschmätzer und Brachpieper sowie einige Gastvogelarten wie Mäusebussard, Turmfalke, Ortolan, Habicht, Waldohreule, Sumpfohreule (geschützt nach Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) oder EU-Verordnung (Nr. 338/97)). Einen besonderen Schutzstatus tragen außerdem alle kartierten heimischen Hummel- und Bienenarten.

Klima Bearbeiten

Das Gelände wirkt als eine Kälteinsel, wie auch der Volkspark Hasenheide, gegenüber den überwärmten Bereichen Tempelhof, Kreuzberg und Neukölln. Die Freiflächen des Tempelhofer Flughafens werden im Umweltatlas als Kaltluftentstehungsgebiet mit einem hohen Potenzial eingestuft. Aufgrund der zentralen Lage im Innenstadtbereich haben sie eine Ausgleichsfunktion für die klimatisch stärker belasteten und dicht bebauten Siedlungsräume. Eine Realisierung der Pläne des Senats würde das Stadtklima beeinträchtigen, da die Frischluftzufuhr verbaut würde.

Die Folgen Bearbeiten

Hohe Kosten durch Bebauung und Erschließungsmaßnahmen im Umfeld, die die Bürgerinnen und Bürger zu tragen hätten Hohe Unterhaltskosten für den neuen Park, der auf einem Teil des Flugfelds gestaltet werden soll, zu bezahlen ebenso von den Bürgerinnen und Bürgern Viele Jahre Baulärm und Bauverkehr in den angrenzenden Wohngebieten Völlig ungelöste Verkehrssituation mit drohendem Durchgangsverkehr auf Neuköllner Seite Weiter steigende Mieten und zunehmende Verdrängung in den angrenzenden Wohngebieten durch die Errichtung deutlich hochpreisigerer Wohngebiete auf dem Feld Auch geplante Gebäude mit sinnvollen allgemeinnützlichen Inhalten, wie die Landesbibliothek, Schulen und Kitas, rechtfertigen die Zerstörung der Freifläche nicht - sie können ihren Platz problemlos innerhalb der bestehenden Quartiere finden. Internationale Gartenausstellung (IGA) mit kostenpflichtigem Eintritt

Forderungen der Bürgerinitiative sind:

  • Die Fläche soll dauerhaft und zu 100% im Berliner Eigentum und in freier Allgemeinnutzung bleiben.
  • Die Fläche soll als Ganzes und in ihrer gegenwärtigen Form erhalten und gepflegt werden.
  • Alle Planungen zur Privatisierung, Bebauung, zur IGA und zur IBA müssen gestoppt werden.
  • Die Kosten für die Bürger und Bürgerinnen bleiben dadurch dauerhaft niedrig.

Volksbegehren Bearbeiten

Um das zu erreichen, haben wir das Volksbegehren vorbereitet, welches in Kürze in der ersten Stufe startet. In der ersten Phase werden 20.000 gültige Unterschriften benötigt, um die Unterstützung der Bevölkerung Berlins für dieses Volksbegehren nachzuweisen. Angesichts des breiten Zuspruchs und der klaren Alternativen wird diese erste Sammelphase keine erheblichen Probleme bereiten.

Weblinks Bearbeiten

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