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Der Bürger- und Ortsverein Rhöndorf ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein mit Sitz in Rhöndorf, einem Ortsteil der Stadt Bad Honnef im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis.

Geschichte vom Kulturkampf bis 1974 und der "Seilbahn-Krieg" mit AdenauerBearbeiten

Einweihung Lehrweinberg Rhöndorf

Einweihung des Lehrweinbergs in Rhöndorf durch den Vorsitzenden des Bürger- und Ortsvereins, Jörg Erich Haselier, 2009 – im Hintergrund die Büste von Peter Profittlich

Er entstand aus einer 1974 erfolgten Fusion des altrechtlichen Katholischen Bürgervereins Rhöndorf, der 1868 im aufkommenden Kulturkampf vom Leiter der örtlichen Schule, Hubert Schiffelmann, gegründet wurde, und dem Ortsverein Rhöndorf e.V. -Verein für kommunalpolitische und verkehrsfördernde Bestrebungen- aus dem Jahr 1908. Dieser hatte sich vor allem der Förderung des Fremdenverkehrs verschrieben – in einer Zeit, in der das Rheintal und hier besonders der Mittelrhein bis hin zu gekrönten Häuptern eine der angesagtesten Urlaubsdestinationen war. Ein Beispiel hierfür war Königin Sophie von Schweden, eine gebürtige Prinzessin Sophia von Nassau, die von 1892-1906 mindestens zehnmal in Bad Honnef teils monatelange Urlaube verbrachte.

Besondere Aufmerksamkeit erlangte der langjährige Vorsitzende des Ortsvereins, der ortsansässige Bäcker- und Konditormeister Peter Profittlich 1959, wegen seines sogenannten „Seilbahn-Krieges“ mit dem ersten Bundeskanzler und Rhöndorfer Mitbürger Konrad Adenauer. Profittlich war namentlich des Vereins Exponent und glühender Verfechter eines Seilbahnbaus auf den Drachenfels, den meistbestiegenen Berg des Siebengebirges. Adenauer war ebenso vehement dagegen, hätte das Projekt ihm doch die Aussicht auf den Drachenfels und die Weinberge verbaut und die Touristen in seinen Rosengarten schauen lassen. Im Verlauf des Streits kam es zum vieldiskutierten Götz-von-Berlichingen-Zitat Profittlichs in Richtung Adenauer.[1]

Der Spiegel schrieb in seiner Ausgabe 08/1959: „Der 65jährige Konditormeister Peter Profittlich aus Rhöndorf am Rhein dürfte mit einiger Wahrscheinlichkeit der einzige deutsche Mensch sein, der heute noch ungestraft als CDU-Ratsherr tätig ist, obwohl er seinem Parteichef, dem Bundeskanzler Konrad Adenauer, dieselbe Aufforderung zustellte, die weiland der fränkische Ritter und Bauernkrieger Götz von Berlichingen einem Abgesandten des deutschen Kaisers ausrichten ließ.“[2]

Zur Realisierung kam es letztlich nicht. Mit Profittlichs Tod verlor der Ortsverein Rhöndorf, zu dessen Mitgliedern auch Adenauer zählte[3], an Dynamik. Eine Fusion mit dem Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger Jahre deutlich aktiveren und schwerpunktmäßig im kirchlich-gesellschaftlichen Raum tätigen Katholischen Bürgerverein, in dem Konrad Adenauer Ehrenmitglied war, und der 1968 feierlich auf sein hundertjähriges Bestehen zurückblicken konnte, bot sich an.

Fahne Bürger- und Ortsverein Rhöndorf

Die Vorderseite der Vereinsfahne mit der Szene Mariä Heimsuchung - Maria begegnet ihrer Verwandten Elisabet

Spruch Bürger- und Ortsverein Rhöndorf

Die Rückseite der alten Vereinsfahne mit dem Ortssymbol, der Alten Kapelle, Weinreben sowie dem Spruch „Arbeit ist des Bürgers Zierde – Segen ist der Mühe Preis“

Aktivitäten Bearbeiten

Einrichtung und Betrieb eines Lehrweinberges Bearbeiten

Seit der Fusion am 7. Juni 1974 unter der Leitung des vormaligen Vorsitzenden des Katholischen Bürgervereins, Josef Aenstoots, bringt sich der Verein zur Weiterentwicklung des Ortsbildes, in kulturellen und Bildungsfragen sowie zu kommunalen Fragestellungen aktiv ein, getreu dem auf der altehrwürdigen Fahne wiedergegebenen Motto aus SchillersLied von der Glocke“: „Arbeit ist des Bürgers Zierde – Segen ist der Mühe Preis.“

Zur Wiederbelebung alter Weinbergsbrachen pachtete der Verein 2008 städtischen Grund, der zur bis 1970 bestockten Weinbergslage Ulaneneck, Großlage Petersberg (Siebengebirge), gehörte. Damals blieben von einstmals 485 ha Weinbergen im Rhein-Sieg-Kreis nach der Flurbereinigung gerade einmal 20 ha übrig. Heute unterhält der Bürger- und Ortsverein auf dieser Fläche einen 2009 eingeweihten und 2011 erweiterten Lehrweinberg in der Ortsmitte am Ziepchensplatz und baut in Eigenleistung eine eigene rheinische Cuvée aus den Trauben mittelrheintypischer Reben, vor allem Riesling, aus.[4] Mit dieser Aktivität will der Verein den Zusammenhalt des Weinanbaugebietes Mittelrhein, welches größtenteils in Rheinland-Pfalz und mit den gut 20 ha Siebengebirgswein in Nordrhein-Westfalen liegt, unterstreichen. An der Fläche um die Weinbergsmauer dieses Lehrweinbergs herum ist die Mauereidechse (Reptil des Jahres 2011) nachgewiesen. Die vor dem Lehrweinberg gepflanzten Rosen stammen aus dem Garten Konrad Adenauers, der ein passionierter Rosenliebhaber war. Die Rose ist häufig vor Weingärten angepflanzt, da sie empfindlicher gegen Mehltau ist als die Rebe und der Winzer frühzeitig weiß, wann er eingreifen muss.[5]

Die Anfänge der Partnerschaft mit CadenabbiaBearbeiten

1992 kam es zur Besiegelung der Städtepartnerschaft der Stadt Bad Honnef mit der italienischen Kommune Griante-Cadenabbia. Die Pflege dieser Beziehungen wurde dem Bürger- und Ortsverein Rhöndorf übertragen. Die lombardische Gemeinde Cadenabbia am Ufer des Comer Sees war in den Fünfziger und Sechziger Jahren regelmäßiges Urlaubsdomizil Konrad Adenauers. Dort wurde er zum passionierten Boccia-Spieler und ließ sich in der Folge eine noch heute bestehende Boccia-Bahn in seinen Rhöndorfer Garten bauen. Diese wurde mit Flutlicht ausgestattet, damit er auch nach seinen Kanzlerverpflichtungen im Palais Schaumburg abends noch seiner Beschäftigung nachgehen konnte. Nach der Gründung eines Partnerschaftskomitees Bad Honnef-Cadenabbia im November 1997 ging die Koordination dieser Arbeiten über. Der Bürger- und Ortsverein Rhöndorf ist Mitglied dieses Komitees.

Rheinische Landeskunde und TraditionspflegeBearbeiten

Der Bürger- und Ortsverein Rhöndorf e.V. organisiert Veranstaltungen, Besichtigungen, Ausflüge und Vorträge zur rheinischen Landeskunde, ist unter anderem Mitglied im Verschönerungsverein für das Siebengebirge und bestreitet folgende Ortsfeste, mit teils altem rheinischen Kulturbezug: das traditionelle Maiansingen am Vorabend des Maifeiertages, das Kirmeswochenende zum Patroziniumsfest Mariä Heimsuchung (Visitatio Mariae, 2. Juli, altes Datum wie vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil) im Frühjahr und Sommer. In der dunklen Jahreszeit organisiert der Verein das im Dialekt sogenannte „Dotzen“ (Martinssingen) vor dem Martinsumzug und dem damit einhergehenden Martinsfeuer zur Finanzierung der Speisung der Kindergarten- und Schulkinder mit Weckemännchen. Dieser Abend schließt mit dem rheinischen Traditionsessen Kesselsknall ab. Am dritten Adventssonntag findet auf dem historischen Grund des Ziepchensplatzes ein Weihnachtsmarkt mit Ständen von Selbsterzeugern statt.

Ein Museum im Aufbau Bearbeiten

Im Juni 2013 wird auf drei Etagen eines im Besitz des Vereins befindlichen Hauses im Ortskern ein Heimatmuseum durch den Verein eröffnet, welches unter anderem eine Sammlung der Jahrzehnte lang in Rhöndorf ansässigen Firma Penaten (1904 in Rhöndorf von Dr. Max Riese, dem Erfinder der Penaten-Creme, gegründet)[6] sowie Exponate aus Weinbau und Rheinromantik zeigen wird.

Die Vorsitzenden und ihre Amtszeit seit der Fusion am 7. Juni 1974 Bearbeiten

  • Josef Aenstoots (1914–2011): 1974–1982 (anschließend bis zu seinem Tod Ehrenvorsitzender)
  • Werner Ebeling: 1982–1998
  • Winfried Redeligx: 1998–2002
  • Ellen Rechmann: 2002–2008
  • Jörg Erich Haselier: seit 2008

Weblinks Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. DER SPIEGEL 19/1963. Abgerufen am 3. April 2013.
  2. DER SPIEGEL 8/1959. Abgerufen am 3. April 2013.
  3. [1]Mitgliedskarte Konrad Adenauers im Ortsverein Rhöndorf, 1966. Quelle: Stiftung-Bundeskanzler-Adenauer-Haus, www.adenauerhaus.de
  4. [2]Online-Zeitung www.diehonnefer.info, 25. November 2012
  5. [3]Online-Ausgabe des General-Anzeiger Bonn, 08. April 2013
  6. [4]Online-Ausgabe des General-Anzeiger Bonn, 08. März 2013


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