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Albert Brülls (* 26. März 1937 in Anrath; † 28. März 2004 in Neuss) war ein deutscher Fußballspieler, der von 1959 bis 1966 in der deutschen Nationalmannschaft 25 Länderspiele absolviert und dabei neun Tore erzielt hat. Er wurde 1966 in England mit der Nationalelf Vizeweltmeister und nahm außerdem an der Fußball-Weltmeisterschaft 1962 in Chile teil.

Laufbahn Bearbeiten

Vereine, bis 1972 Bearbeiten

Der in seinem niederrheinischen Heimatverein SC Viktoria Anrath groß gewordene Offensivspieler Albert Brülls schloss sich in seinem letzten A-Jugendjahr, 1954, Borussia Mönchengladbach an. Ab dem Spieljahr 1955/56 gehörte er dem Kader der Oberligamannschaft der Borussen an, die in der Fußball-Oberliga West, aber in stetigem Kampf gegen den Abstieg verstrickt war. Unter Trainer Klaus Dondorf debütierte er am ersten Spieltag, den 27. August 1955, beim Auswärtsspiel gegen den Duisburger SV, in der Fußball-Oberliga. Dem durchschlagskräftigen, einsatzfreudigen, beidfüssig mit starkem Schuss ausgestatteten Offensivallrounder gelang zwar sofort zu seinem Einstand ein Tor, aber der westdeutsche Altmeister aus Duisburg setzte sich mit einem 3:2 Heimsieg durch. In 29 Einsätzen erzielte Brülls zehn Tore und verhalf damit der Mannschaft vom Bökelberg zum Erreichen des elften Tabellenranges und konnte mit seiner Debütrunde in der Oberliga West zufrieden sein. Im zweiten Spieljahr, 1956/57, erlebte die Nachwuchshoffnung aber ein sportliches Desaster mit Mönchengladbach. Nach zwölf Rundenspielen hatte BMG nach der Heimniederlage am 11. November 1956 gegen den Wuppertaler SV 0:24 Punkte aufzuweisen und zierte abgeschlagen das Tabellenende in der Westoberliga. Brülls war in allen der zwölf verlorenen Spiele aktiv gewesen und hatte zwei Tore erzielt. Persönlich brachte der November für ihn durch den Flug mit der Deutschen Fußballnationalmannschaft der Amateure zu dem Turnier bei den Olympischen Spielen in Melbourne doch noch eine angenehme Abwechslung zustande. Bei der 1:2 Niederlage der DFB-Amateurauswahl am 24. November gegen die A-Nationalelf der Sowjetunion kam der Gladbacher aber nicht zum Einsatz. Mit 39:112 Toren und 10:50 Punkten stieg Mönchengladbach 1957 in die 2. Liga West ab. Brülls hatte in 25 Spielen fünf Tore erzielt.

In der II. Division schoss er die Borussen 1958 mit 23 Treffern in 29 Spielen fast alleine in die Oberliga zurück. Mit dem neuen Trainer Fritz Pliska und den Mitspielern Albert Jansen und Gerd Schommen glückte gemeinsam mit dem STV Horst-Emscher der Aufstieg. In der Oberliga stand aber sofort wieder der Kampf um den Klassenerhalt auf dem Programm. Trotzdem konnte sich der auf allen Positionen im Angriff einzusetzende Offensivspieler in das Notizbuch von Bundestrainer Sepp Herberger spielen. Am 13. Juni 1959 stürmte er an der Seite von Mittelstürmer Erwin Stein in Luxemburg erstmals in einer deutschen Auswahl gegen eine belgische Auswahl. Sein eigentliches Debüt in der Nationalmannschaft fand am 4. Oktober 1959 beim Länderspiel in Bern gegen die Schweiz statt. Zum 4:0 Erfolg steuerte er auf Halbrechts einen Treffer an der Seite von Rechtsaußen Helmut Rahn und Mittelstürmer Uwe Seeler bei. Nachdem er in der Runde 1958/59 alle 30 Spiele in der Oberliga absolviert hatte, kam er im Folgejahr 1959/60 nur zu 21 Einsätzen. Brülls hatte sich beim Länderspiel am 20. Dezember 1959 in Hannover gegen Jugoslawien in der sechsten Spielminute das Wadenbein gebrochen. Am vorletzten Spieltag in der Oberliga, am 10. April 1960, rettete er aber mit seinem Siegtreffer in der 85. Minute zum 3:2 Erfolg bei Hamborn 07, die Borussia vor dem erneuten Abstieg. Zur Runde 1960/61 übernahm Bernd Oles das Traineramt bei den Borussen und im Westdeutschen Pokal zogen Brülls und Kameraden nach einem 4:3 (zwei Tore von Brülls) Auswärtserfolg im Halbfinale bei Borussia Dortmund – acht Tage vor dem Rundenstart 1960/61 – in das Endspiel ein. Drei Tage nach dem überraschenden 4:2 Sieg in der Liga bei Schalke 04 fand das Westdeutsche Pokalfinale, am 24. August 1960, in Düsseldorf vor 36.000 Zuschauern gegen den eindeutigen Favoriten 1. FC Köln statt. Der Borussen-Angriff mit Brungs, Brülls, Kohn, Kablitz und Fendel setzte sich gegen die „Geißbock“-Abwehr mit Ewert, Stollenwerk, Schnellinger, Christian Breuer, Wilden und Hans Sturm mit 3:1 Toren durch und zog damit in das Halbfinale im DFB-Pokal 1960 ein. Das führte die Gladbacher am 7. September – nach dem vierten Ligaspieltag 1960/61 – ausgerechnet zum amtierenden Deutschen Meister Hamburger SV. Durch Tore von Brülls und Brungs setzte sich die Oles-Elf mit 2:0 Toren durch und stand damit im DFB-Pokalfinale am 5. Oktober 1960 in Düsseldorf gegen den Süddeutschen Meister des Jahres 1960, den Karlsruher SC. In der 60. Minute entschied der überragende Gladbacher Akteur, Halbstürmer Brülls, das Pokalfinale mit seinem Treffer zum 3:2 Endstand. Entscheidende Bedeutung kam dem Zweikampf im Mittelfeld gegen seinen Nationalmannschaftskollegen Horst Szymaniak bei, Brülls ging dabei als klarer Sieger hervor und der Pokal wanderte an den Niederrhein. Mit dem 5:1 Heimerfolg am Nachholspieltermin am 14. April 1962 gegen Viktoria Köln – Brülls traf in der 71. Minute zum 5:1 – verabschiedete sich Albert Brülls nach 160 Oberligaeinsätzen mit 37 Toren von Borussia Mönchengladbach, flog mit der Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft nach Chile und war ab der Runde 1962/63 Profi beim italienischen Serie A-Aufsteiger FC Modena.

Mit den Gelb-Blauen in der Provinzstadt der Region Emilia-Romagna vom Stadio Alberto Braglia belegte er nach der WM 1962 in Chile in der Serie A den elften Platz. Vier Tore erzielte er in seinem ersten Jahr in Modena. Als Helmut Haller mit FC Bologna 1963/64 die Meisterschaft erringen konnte, stieg Brülls mit Modena in die Serie B ab. Dort kam er 1965 mit seinem Club auf den siebten Rang und unterschrieb beim Meister und Aufsteiger Brescia Calcio zur Runde 1965/66 einen neuen Vertrag. Mit dem Aufsteiger aus der Lombardei kam er im Weltmeisterschaftsjahr 1966 auf den neunten Rang und erzielte für Brescia sechs Tore. Als Brescia 1968 aus der Serie A abstieg, nahm der 31-Jährige ein Angebot von Young Boys Bern an und wechselte in die Schweiz. Mit den Schwarz-Gelben vom Wankdorf-Stadion belegte er 1969 den vierten und 1970 den fünften Rang in der Nationalliga A.

Zur Runde 1970/71 übernahm er als Spieler-Trainer den VfR Neuss in der Fußball-Regionalliga West. Von 1970 bis 1972 absolvierte der Ex-Nationalspieler 64 Ligaspiele und erzielte dabei 18 Tore für Neuss. Als 16. stieg die Mannschaft um Torhüter Klaus Schonz, Rolf Grünther und Hans-Werner Moors im Sommer 1972 aus der Regionalliga West ab.

Der gelernte Weber war danach noch im Amateurbereich beim 1. FC Mülheim sowie bei Fortuna Mönchengladbach als Trainer tätig. Beschäftigt war Albert Brülls bis zu seiner Pensionierung im Kultur- und Sportamt des Kreises Neuss.

Nationalmannschaft, 1959 bis 1966 Bearbeiten

Nach seinem Debüt in der Fußballnationalmannschaft am 4. Oktober 1959 in Bern gegen die Schweiz gehörte der Angreifer aus Mönchengladbach bis einschließlich der Fußballweltmeisterschaft 1962 in Chile der Stammbesetzung von Bundestrainer Sepp Herberger an. So stand er auch in den WM-Qualifikationsspielen 1960 und 1961 gegen Nordirland und Griechenland in den siegreichen DFB-Teams. Beim WM-Turnier in Chile bestritt er alle vier Spiele der deutschen Mannschaft gegen Italien, Schweiz, Chile und Jugoslawien. Bei der 0:1 Viertelfinalniederlage am 10. Juni 1962 gegen Jugoslawien absolvierte Brülls sein 22. Länderspiel. Durch seinen Wechsel nach Italien wurde er in den nächsten Jahren nicht mehr im DFB-Team berücksichtigt. Am 23. März 1966 führte Herberger-Nachfolger Helmut Schön seine „Rückholaktion“ beim Länderspiel in Rotterdam gegen die Niederlande durch. Beim 4:2 Sieg stürmte der Italien-Legionär auf Rechtsaußen.

Er wurde für die Weltmeisterschaft 1966 in England nominiert und stürmte dort in den zwei Gruppenspielen gegen die Schweiz und Argentinien am rechten Flügel des späteren Vizeweltmeisters. Nach den England-Tagen war die Nationalmannschaftskarriere von Brülls nach 25 Länderspielen mit neun Toren beendet.

Titel und Erfolge Bearbeiten

  • Vizeweltmeister 1966
  • Weltmeisterschaft 1962: Viertelfinale
  • DFB-Pokalsieger 1960

Tod und Gedenken Bearbeiten

Er starb am 28. März 2004, zwei Tage nach seinem 67. Geburtstag, nach schwerer Krankheit in Neuss.

Zu seinem Gedenken wurde in seinem Heimatort Anrath in einem Neubaugebiet eine Straße nach ihm benannt: Albert-Brülls-Straße. Auch in unmittelbarer Nähe des Stadions von Borussia Mönchengladbach trägt eine Straße seinen Namen.


Literatur Bearbeiten

  • Lorenz Knieriem/Hardy Grüne: Spielerlexikon 1890-1963, Agon-Verlag, 2006, ISBN 3-89784-148-7
  • Jürgen Bitter: Deutschlands Fußball-Nationalspieler: Das Lexikon, Sportverlag Berlin, 1997, ISBN 3-328-00749-0
  • Matthias Kropp: Deutschlands große Fußballmannschaften, Teil 5: Borussia Mönchengladbach, Agon-Verlag, 1994, ISBN 3-928562-39-8
  • Raphael Keppel: Deutschlands Fußball-Länderspiele 1908-1989, Sport- und Spiel-Verlag Hitzel, Hürth, 1989, ISBN 3-9802172-4-8

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