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Pictogram voting info Dieser Artikel wird evtl. gelöscht, er wurde vorsichtshalber in das Vereins-Wiki exportiert. -- Frank schubert (Diskussion) 06:56, 3. Aug. 2017 (CEST)

Agent*In ist ein geschlossenes Wiki, das Informationen über Netzwerke, Organisationen und Personen mit antifeministischen Positionen bereit stellt und sammelt. Sie wurde im Juli 2017 mit rund 500 Einträgen veröffentlicht. Das Akronym steht für Anti-Gender-Networks-Information. Das Projekt wird vom Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung betrieben.[1] Vor allem wegen der Artikel über Einzelpersonen wird Agent*In kritisch rezipiert.

Funktionen und Charakterisierung

In Form eines Lexikons hält Agent*In Informationen zu Ideologien, Kampagnen, Organisationen und Personen, die dem Antifeminismus zugeordnet werden, kostenlos bereit. Diese werden in verschiedenen Kategorien eingeordnet, „z.B. als maskulistisch, antifeministisch, ultrakatholisch oder rechtspopulistisch“. Mit dem Angebot sollen Einflussnahmen von antifeministischen Akteuren auf die Politik in Deutschland aufgezeigt werden und Journalisten, Aktivisten, Multiplikatoren sowie Bildungseinrichtungen die Möglichkeit eröffnet werden mittels eigener Recherche die entsprechenden Zusammenhänge hinsichtlich der beteiligten Personen, Parteien und Organisationen zu erkennen. Die Redaktion des Lexikons besteht aus Henning von Bargen, Andreas Kemper und Elisabeth Tuider. Die Artikel selbst werden von einer Gruppe ehrenamtlich tätiger Autoren verfasst, die der Redaktion namentlich bekannt sind, deren Identitäten jedoch nicht bekanntgegeben werden. Unterstützt werden diese punktuell durch Honorarkräfte. Agent*In ist technisch ein Wiki das auf der Software MediaWiki basiert, jedoch werden im Gegensatz beispielsweise zu Wikipedia Autoren-Accounts sehr begrenzt „manuell“ vergeben.[2]

Rezeption

Bernd Matthies bezeichnete in einer Glosse im Tagesspiegel die Plattform als „denunziatorische Liste von Organisationen und Namen“, die sich „wie eine Art Verfassungsschutzbericht der Gender-Szene“ lese. Er bemängelte die fehlende Differenzierung der auf Agent aufgeführten Akteure: alles werde „in den Sack „Anti-Feminismus und Gender-Kritik“ gesteckt und gleich geprügelt [...]“.[3] Henryk M. Broder von der Welt beschrieb die Plattform als „Webseite, auf der 'antifeministische' Personen denunziert werden“ sowie als „skurriles Dossier“ und Massendenunziation von Menschen, die lediglich andere Meinungen verträten als die Verfasser.[4] Milena Zwerenz von ze.tt, der Onlineplattform der Zeit für junge Leser, bemängelte den geringen Informationsgehalt des Angebots. Das Wiki werfe mehr Fragen auf, als Antworten zu geben. Es löse „selbst bei denen, die Antifeminismus und Homophobie bekämpfen wollen, einen merkwürdigen Beigeschmack“ aus.[5] Carolina Schwarz von der Tageszeitung kritisierte das Fehlen von Fakten und transparenten Arbeitsweisen. Das Projekt habe einfache Muster ihrer Gegner übernommen und es den Kritikern leicht gemacht: „solche Listen zu erstellen, ist sonst eher von Rechten bekannt“. Die Antifeminismus-Liste ziehe „den Vorwurf des „Online-Prangers“ auf sich“.[6] Das Magazin Vice bezeichnet das Projekt zwar als „unfein und undifferenziert“ aufgebaute „Bäh-Liste (...) für Menschen und Organisationen, deren kleinster gemeinsamer Nenner traditionelle Geschlechterrollen sind“, attestiert ihm aber auch die Funktion einer „Plattform“ für „das Problem Anti-Feminismus“: „Vielleicht nicht auf die feinste, aber sicherlich auch nicht wirklich auf denunziatorische Art“.[7]

Kathleen Hildebrand, Autorin bei der Süddeutschen Zeitung, zeichnete ein differenziertes Bild: Einerseits kritisierte sie die Liste als ein Wiki, das durchaus darauf abziele, „dass Vertreter antifeministischer Positionen nicht mehr zufällig in den Medien zu Wort kommen, sondern möglichst erst, nachdem sich ein Journalist über sie auf agentin.org informiert“ hätte. Andererseits sei das Wiki Agent*In als ein Teil der Dynamik zu sehen, „mit der sich Debatten über Geschlechterfragen in den vergangenen Jahren im Internet radikalisiert haben“, die Autorin stellte hierbei auch einen Bezug zum antifeministischen Portal Wikimannia her.[8] „Hier steht, wer alles doof ist,“ titelte Spiegelkolumnistin Margarete Stokowski. Ihre Konklusion: „So kämpft man nicht für Gleichberechtigung.“[9]

Einzelnachweise

  1. Über Agent*In – Agent*In. Abgerufen am 2. August 2017.
  2. FAQ-Seite des Internetangebotes, abgerufen am 24. Juli 2017
  3. Bernd Matthies: Eine Art Verfassungsschutzbericht der Gender-Szene. Der Tagesspiegel, 24. Juli 2017, abgerufen am 26. Juli 2017.
  4. Henryk M. Broder: Am skurrilen Online-Pranger der Heinrich-Böll-Stiftung. Die Welt, 2017, abgerufen am 26. Juli 2017.
  5. Milena Zwerenz: Neues Gender-Wiki will auf eigenartige Weise Klischees bekämpfen. ze.tt, 2017, abgerufen am 26. Juli 2017.
  6. Carolina Schwarz: Aber doch nicht so! Die Tageszeitung, 27. Juli 2017, abgerufen am 27. Juli 2017.
  7. Die grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung veröffentlicht eine Liste mit Anti-Feministen. Vice, 2017, abgerufen am 28. Juli 2017.
  8.  Kathleen Hildebrand: „Pranger“ oder Alltag im Geschlechterkampf?. In: sueddeutsche.de. 2017-07-28, ISSN 0174-4917 (http://www.sueddeutsche.de/medien/feminismus-debatte-lexikon-der-anti-feministen-1.3605048).
  9. Margarete Stokowski: Antifeminismus-Lexikon der Böll-Stiftung: Hier steht, wer alles doof ist. In: Spiegel Online. Abgerufen am 1. August 2017.

Weblinks

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