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Info icon 002  Die nachfolgend beschriebene Vereinigung ist nicht mehr aktiv und hat sich mittlerweile aufgelöst.

Vorwärts Leipzig war eine Sportvereinigung der bewaffneten Kräfte der DDR, die vor allem durch ihre Fußballsektion bekannt wurde.

Geschichte Bearbeiten

Nachdem auf Betreiben der sowjetischen Besatzungsmacht in ihrer Besatzungszone alle Vereine, auch die Sportvereine, endgültig zerschlagen worden waren, begann die DDR-Regierung 1950 den Sport auf eine neue ökonomische Basis zu stellen. Es wurden Betriebssportgemeinschaften gebildet, die durch so genannte Trägerbetriebe finanziert wurden. Daneben wurden auch das Ministerium des Inneren (MdI), das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), die Zollverwaltung und die Kasernierte Volkspolizei (KVP) - später Nationale Volksarmee (NVA) und Grenztruppen - zu Sport-Trägern ernannt. In der Folgezeit entstanden daher in mehreren DDR-Städten Stützpunkte der Sportvereinigung Dynamo (MdI, MfS, Zoll) und der Armeesportvereinigung Vorwärts (KVP bzw. NVA).

Gründung und Delegierung nach Berlin Bearbeiten

In Leipzig wurde 1950 die Sportvereinigung Vorwärts Leipzig gegründet. Nachdem sich die Fußballmannschaft im Juni 1951 bei der Meisterschaft der Armeesportvereinigung (ASV) den Titel erkämpft hatte, wurde Leipzig zum ASV-Fußballstützpunkt erklärt. Unter dem Trainer Heinz Krügel wurden die besten ASV-Spieler in Leipzig zusammengezogen und als SV Volkspolizei (VP) Vorwärts Leipzig ohne sportliche Qualifikation in die höchste DDR-Fußballklasse (Oberliga) eingestuft. Bereits während der Saison 1951/52 erfolgte eine Umbenennungen in SV Vorwärts der Hauptverwaltung Ausbildung (HVA) Leipzig. Nachdem die Mannschaft nur den 15. Platz erreichte, wurden im Laufe der nächsten Saison acht Spieler vom sportlich stärker eingeschätzten Lokalrivalen BSG Chemie Leipzig abgeworben, was jedoch den Zorn der Leipziger Fußballanhänger nach sich zog. Doch trotz der Verstärkungen trat beim mittlerweile in SV Vorwärts der KVP Leipzig umbenannten Verein keine Leistungsverbesserung ein.

Daher beschloss die ASV noch während der Saison, die gesamte Leipziger Oberliga-Mannschaft nach Ost-Berlin zu verlegen, wo man in der höchsten Spielklasse einen auf Dauer konkurrenzfähigen Fußballverein etablieren wollte. Bereits die letzten Heimspiele der Saison 1952/1953 trug man als SV Vorwärts der KVP Berlin im Berliner Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark aus, wobei man am Saisonende als Viertletzter in die DDR-Liga absteigen musste. Die auf Bezirksebene spielende Reservemannschaft der SV Vorwärts verblieb in Leipzig.

Kader der SV Vorwärts Leipzig in der Spielzeit 1951/52

Name (Alter) Position vorheriger Verein nachfolgender Verein Spiele bis 3/1953
Walter Vogelsang (27) Tor Einheit Ost Leipzig 24
Walter Grosser (?) Tor Chemie Karl-Marx-Stadt 16
Helmut Hartmann (27) Tor 4
Wilhelm Brodthagen (27) Abwehr Einheit Bergen ZSK Vorwärts Berlin
Gerhard Ebert (26) Abwehr Stahl Riesa ZSK Berlin
Werner Keller (28) Abwehr Empor Wurzen Empor Wurzen 62
Erich Rössner (22) Abwehr 11
Horst Bartholomäus (23) Mittelfeld VP Potsdam Rotation Babelsberg 43
Gerhard Reichelt (20) Mittelfeld ZSK Berlin
Franz Richter (22) Mittelfeld Rotation Dresden ZSK Vorwärts Berlin
Horst Beyer, (27) Sturm Motor West Karl-Marx-St. 51
Helmut Budick (27) Sturm Chemie Leipzig 6
Helmut Lorenz (28) Sturm Einheit Ost Leipzig ZSK Vorwärts Berlin
Siegfried Meier (26) Sturm Motor Zwickau Motor Zwickau 11
Kurt Roil (21) Sturm Aktivist Brieske-Ost 19
Helmut Teidke (?) Sturm Einheit Ost Leipzig 12
Roland Weigel (?) Sturm Industrie Leipzig ZSK Vorwärts Berlin
Werner Wolf (26) Sturm SG Dresden-Zschachwitz ZSK Vorwärts Berlin

Delegierung nach Cottbus Bearbeiten

Im Zuge der landesweiten Gründung von Sportclubs wurde im Februar 1955 die bisherige Leipziger ASV-Mannschaft in den SC Vorwärts Leipzig umgewandelt. Da die Sportclubs regionale Schwerpunkte setzen sollten, wurde die Fußballsektion des SC Vorwärts Leipzig neben 16 Spielern des ZSK Vorwärts Berlin auch durch die komplette 2. Mannschaft des SC DHfK Leipzig verstärkt, dessen Fußballsektion zu Beginn der 2. Halbserie der Saison 1954/55 wegen Erfolglosigkeit aufgelöst wurde. Durch die Übernahme der DHfK-Mannschaft bekam der SC Vorwärts Leipzig auch deren Startrecht in der zweitklassigen DDR-Liga zugesprochen und schloss die Saison schließlich als Neunter ab. Doch bereits nach Beendigung der Spielzeit wurde beim SC Vorwärts Leipzig die Sektion Fußball ausgegliedert und nach Cottbus verlegt. Dort spielte sie zunächst als SC Vorwärts Cottbus weiter, wurde später zum ASK Vorwärts Cottbus und schließlich zum ASG Vorwärts Cottbus umbenannt.

Nachfolgend sind einige der 16 ehemaligen Leipziger Spieler aufgeführt, welche im August 1955 vom ZSK Vorwärts Berlin wieder zurück nach Leipzig wechselten, um dort ein halbes Jahr für den SC Vorwärts zu spielen, ehe die Leipziger Mannschaft nach Cottbus versetzt wurde:

  • Gerhard Ebert (69 Oberligaspiele in Leipzig und Berlin)
  • Heinz Klinkhammer (15)
  • Günter Knott (1)
  • Rolf Mücklich (9)
  • Horst Scherbaum* (41)
  • Hans-Jürgen Stenzel (2)
  • Gerhard Vogt
  • Roland Weigel (61)
  • Werner Welzel* (9)

*gingen nicht nach Cottbus

Delegierung nach Dessau Bearbeiten

Zur Saison 1962/63 tauchte erneut eine ASG Vorwärts Leipzig in der DDR-Liga auf, die dort bis 1974 meistens im vorderen Mittelfeld rangierte. Zur Saison 1974/75 wurde diese Mannschaft nach Dessau umgesiedelt und spielte fortan als ASG Vorwärts Dessau.

Entwicklung im Überblick Bearbeiten

1950 Gründung der SV Vorwärts Leipzig
August 1951 Umbenennung in SV Volkspolizei Vorwärts Leipzig
April 1952 Umbenennung in SV Vorwärts der HVA Leipzig
November 1952 Umbenennung in SV Vorwärts KVP Leipzig
April 1953 Delegierung nach Berlin und Umbenennung in SV Vorwärts der KVP Berlin
Februar 1955 Gründung des SC Vorwärts Leipzig
Dezember 1955 Delegierung nach Cottbus und Umbenennung in SC Vorwärts der Luftstreitkräfte Cottbus
1962 Gründung der ASG Vorwärts Leipzig
September 1974 Delegierung nach Dessau und Umbenennung in ASG Vorwärts Dessau

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